Sexarbeit in Deutschland: Entmenschlichung der Frau – Gewalt – Respekt und Anerkennung vonnöten

Die Ware Sex! Die “gewerbsmäßige Ausübung sexueller Handlung” wird als Prostitution bezeichnet. Das damit älteste Gewerbe der Welt lohnt sich, einmal praktisch unter die Lupe zu nehmen. Unter dem Brennglas der Nahaufnahme alltäglicher Sexarbeit tun sich in Deutschland Abgründe auf. Doch der Reihe nach.

Im Jahr 2000 bezeichnete das Berliner Verwaltungsgericht die Prostitution als nicht mehr sittenwidrig. Darin drückt sich ein Paradigmenwechsel aus. Die zivilrechtliche Neubewertung führte dazu, dass sich der „Schutz vor der Prostitution“ in einen „Schutz in der Prostitution“ wandelte. Damit wurden die Rechte und der Respekt denjenigen gegenüber gestärkt, die sich bewusst “beruflich” für die Aufnahme der Sexarbeit, der Prostitution entschieden. Zielsetzung.

Jetzt zur Praxis! Im Jahr 2004 befragte das Bundesfamilienministerium 110 Prostituierten mit Blick auf ihre Gewalterfahrung. Diese Frauen wurden dreimal häufiger Opfer physischer Gewalt und fünfmal häufiger Opfer sexualisierter Gewalt als die deutsche weibliche Durchschnittsbevölkerung. Dabei besteht im Anschluss an das Inkrafttreten des Prostitutionsgesetzes im Jahr 2002 eine sehr hohe körperliche, sexuelle und psychische Gewaltbetroffenheit bei den Sexarbeitern und das sowohl im Arbeitskontext als auch im privaten Bereich.

Problematisch erweist sich für die wissenschaftlich-medizinische Aufarbeitung der gesundheitlichen Folgen, dass die Prostituierten häufig keine ärztliche oder polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dennoch lassen sich die nachfolgenden Istzustände in Deutschland valide zusammenfassen. Für Sexarbeiter in Deutschland gilt:

  • 41 Prozent hatten körperliche oder sexuelle Gewalt (oder beides) erlebt,
  • 78 Prozent hatten Angst vor Gewalt durch Freier,
  • fast 20 Prozent erlitten bei der Ausübung der Prostitution schwere Verletzungen wie Knochenbrüche, Verstauchungen, Muskelrisse, Gesichtsverletzungen, Brandwunden und ausgekugelte Gelenke.

Weitere erschreckende gesellschaftliche Befunde in Bezug auf Prostituierte verdeutlichen die nachfolgenden Fakten:

  • 98 Prozent prostituierter Frauen hatten mindestens eine traumatische Erfahrung gemacht, die meisten mehrere,
  • 70 Prozent hatten körperliche Angriffe erlebt,
  • 68 Prozent sind vergewaltigt worden, die meisten durch Freier,
  • 59 Prozent wurden mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung diagnostiziert,
  • 50 Prozent hatten als Kinder Missbrauch erlebt.

Im Jahr 2007 kam das Bundesfamilienministerium nach einer neuerlichen Evaluierung zu dem Ergebnis, dass die Legalisierung der Sexarbeit die Lebensumstände der Prostituierten kaum bis gar nicht verbessert hatte! Ein alarmierendes Zeichen für die Entwicklung der deutschen Gesellschaft.

Sind Menschen in Sexarbeit Menschen zweiter Klasse?

In Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es:

[…] Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt […]“.

Vor dem Hintergrund dieser für alle Menschen in Deutschland geltenden moralischen und damit ethischen Richtschnur haben sich ebenso die Freier gegenüber in der Sexarbeit Befindlichen menschlich und achtsam zu verhalten.

Unter dem Brennglas der “Ware Sex” wird eine Entmenschlichung derer sichtbar, die als Domina, auf dem Straßenstrich, in Bordellen oder im Escort-Service tätig sind.

Gesellschaftlich allein gelassen, sich schämend und vor allen Dingen schutzlos ergeben sich Sexarbeiter ihrem Schicksal.

Beschämend ist das Wegsehen der deutschen Gesellschaft und das offenkundige Nichthandeln der politisch und administrativ Verantwortlichen.

Mit Blick auf die Prostitution in Deutschland ist noch eine Menge emotional, sozial, politisch und in der Anerkennung der Sexarbeit zu leisten.

Regelmäßig vor Augen zu halten ist die gesellschaftlich wichtige Aufgabe der Prostitution. Viele diese weg, so könnten sich Frauen, Kinder, Babys und andere in Deutschland nicht mehr sicher fühlen. Als Objekte der Begierde würden sie die Opfer erleiden, die seit Jahrhunderten diejenigen Menschen erleben, die der anspruchsvollen Aufgabe der Sexarbeit nachgehen!


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