„9-Euro-Ticket“ kommt – Hintergrundinformationen und Ausblick

Ab Anfang Juni 2022 bis Ende August 2022 sollen Reisende bundesweit für 9 Euro im Monat im Nah- und Regionalverkehr in der zweiten Klasse fahren können, so plant es die Bundesregierung. Ausgenommen bleiben ICE- und IC-Züge.

Sie will die Menschen dazu motivieren, dass das Auto stehengelassen wird und alternativ der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) genutzt wird. Die Deutschen stehen dem geplanten Ticket einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge positiv gegenüber. 33 Prozent gaben an, damit Bus oder Bahn fahren zu wollen, 22 Prozent wollen das nach eigener Aussage „wahrscheinlich“ tun. 51 Prozent der Befragten gaben an, mit dem Ticket vor allem touristische Ausflüge machen zu wollen. Aber mehr als ein Drittel der Befragten wollen das Ticket nicht nutzen.

Verfügbar wird das „9-Euro-Ticket“ online sein, damit sämtliche Verkehrsunternehmen in Deutschland integriert sind. Für nicht technisch affine Menschen werden auch die traditionellen Verkaufsstellen erreichbar sein (Fahrkartenautomaten, Schalter etc.).

Abonnenten von Monatstickets bekommen den Differenzbetrag zum „9-Euro-Ticket“ ausgeglichen. Einige Verkehrsunternehmen buchen in den drei Monaten lediglich die neun Euro ab. Abo-Kunden müssen demnach nicht tätig werden, die Reduzierung läuft automatisch.

Startzeitpunkt ist beispielsweise in Leipzig der 23. Mai 2022, andere Städte beginnen erst Ende Mai. Am Freitag, 20.05.2022 beschließt der Bundesrat über das drei Monate gültige Ticket.

Am Ende bleibt die Frage, was passiert nach den drei Monaten, wenn das „9-Euro-Ticket“ ausgelaufen ist – Deutschland ein „ÖPNV-Sommermärchen“?

Werden etwa die Verkehrsunternehmen die Tarifunterbrechung auf lediglich neun Euro dazu nutzen, um die Preise ab September 2022 ordentlich steigen zu lassen? Nutzt die Politik die Zeit, um den Nahverkehr insgesamt populärer zu machen? Hierzu wäre eine deutlich bessere Finanzausstattung der ÖPNV erforderlich, über die schon jahrelang diskutiert wird, aber eben nur diskutiert!

Wie können die „Sommer-Kunden“ weiterhin dazu gebracht werden, den Öffentlichen Personennahverkehr in ihrem Alltag zu nutzen?

Vor der kommenden Bundesratssitzung ist keineswegs der Erfolg des „9-Euro-Tickets“ gesichert. Fest zugesagt hat der Bund, dass den Ländern Einnahmenausfälle beim „9-Euro-Ticket“ in Höhe von 2,5 Milliarden Euro ersetzt werden. Dazu kommen 1,2 Milliarden Euro für coronabedingte Ausfälle, die sich Bund und Länder teilen.

Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing (FDP) will zudem eine Strukturreform im ÖPNV sowie mehr Transparenz bei der Verwendung der für den Nahverkehr aufgewendeten Bundesmittel. Darüber hinaus fordern die Bundesländer mehr Geld vom Bund als finanzielle Unterstützung für das „Sommer-Ticket“.

Potentielle Nutzer des befristeten Tickets sollten sich frühzeitig über die individuelle Organisation ihres zuständigen Verkehrsunternehmens informieren.

Im nachfolgenden Video stellt Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing das „9-Euro-Ticket“ und weitere Maßnahmen vor:


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