Afghanischer Taliban-Anführer zurück – Türkei als Verbündeter im Gespräch

Bislang galt der afghanische Taliban-Anführer Haibatullah Achundsada als verschollen. Jetzt teilt ein Sprecher der islamistischen Taliban mit, dieser befinde sich in Afghanistan und soll in Kandahar Gespräche führen. Dies teilte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu mit.

Im Anschluss an die Machtübernahme der Taliban im August 2021 war der Vize-Chef der Bewegung, Mullah Abdul Ghani Baradar, in Afghanistan eingetroffen. Der Aufenthaltsort von Achundsada war bislang nicht bekannt. Achundsada gilt als extrem konservativ und ist der höchste Chef der Taliban. Er entscheidet allein und ist nicht absetzbar, gilt allerdings unter Experten eher als ideologische statt als politische Führungsfigur.

Beraten wird Achundsada durch den so genannten „Führungsrat“, in dem alle politischen Diskussionen geführt werden. Dieser hatte unter Mullah Omar ursprünglich zehn Mitglieder. Heute sollen diesem ca. 30 oder mehr Mitglieder angehören. Die Autorität des Gremiums ist religiös legitimiert.

Ein Taliban-Sprecher kündigte ferner an, die Taliban würden den Zugriff auf blockierte finanzielle Mittel im Ausland fordern. Nach Gründung der neuen Regierung werde man die finanziellen Probleme lösen. Afghanistan soll über eigene Einnahmequellen verfügen. Auf im Ausland befindliche Geldreserven haben die Taliban aktuell keinen Zugriff. Internationale milliardenschwere Hilfszusagen sind derzeit eingefroren. Diese wollen die Taliban reaktivieren.  

Mit der Türkei strebt die Taliban eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit an. Ebenso steht das Thema Bildung auf der Tagesordnung. „Das türkische Volk und der Staat sind unsere Freunde. Es gibt sehr viele Gründe dafür, dass unsere Freundschaft bestehen bleibt“, äußerte der Taliban-Sprecher.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte zuvor, sein Land wolle den Taliban beim Aufbau von Infrastruktur in Afghanistan behilflich sein. Während andere Länder ihre diplomatischen Vertretungen in Kabul geschlossen haben, ist die türkische Botschaft weiter geöffnet.

Es hat den Anschein, dass sich Afghanistan in raschem Tempo in die Situation von vor über 20 Jahren zurückversetzt.


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