Am Tag der Umwelt: Merkel freut sich auf Plastiktütenverbot

Ab dem 1. Januar 2022 gilt in Deutschland ein Verbot für Plastiktüten. Wann immer man in den letzten Jahren über die kommende Abschaffung der Tragetaschen diskutierte, gab es immer nur ein Argument der Tüten-Gegner: Die Vermüllung unserer Weltmeere durch Plastik müsse gestoppt werden. Denn jedes Jahr werden 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere eingeleitet.

So richtig die Mengenangaben auch sein mögen, so falsch ist das eigentliche Argument. Denn es impliziert überspitzt gesagt, dass die Deutschen ihre Plastiktüten nach dem Einkauf in die Bäche und Flüsse werfen würden, die dann in die Nord- und Ostsee und später in die Ozeane einfließen. Das ist aber völliger Blödsinn. Denn die Ursache dieser schlimmen Plastikverschmutzung der Weltmeere ist nicht in Deutschland zu suchen. Und deshalb gibt es auch keinen Kausalzusammenhang zwischen der Verunreinigung der Ozeane und der Frage, ob wir in Deutschland Plastiktüten verbieten müssen. Aber unsere Politiker suggerieren das natürlich. Und das ganz geschickt. Denn den Deutschen konnte man schon immer ein schlechtes Gewissen einreden.

Stellen Sie sich vor, die politisch Verantwortlichen hätten bei ihren Verbotsplänen damals lediglich öffentlich verkündet: „In zwei Jahren werden alle Plastiktüten abgeschafft“ – ohne diese krude Begründung der Meeresverschmutzungen nachzuschieben. Dann hätte sich jeder normal denkende und mülltrennende Bürger dieses Landes gefragt, ob es in Berlin keine wichtigeren Dinge zu regeln gäbe. Und um genau solche Diskussionen und den damit verbundenen Unmut der Bevölkerung zu vermeiden, hat man das Argument der plastikverschmutzten Meere einfach als „schlechtes Gewissen“ missbraucht und hinterhergeschoben. Und kein Verbraucher hat dem etwas entgegenzuhalten, denn saubere Meere wünscht sich natürlich jeder gerne.

Das Problem der Plastikverschmutzung unserer Ozeane liegt aber ganz woanders. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf haben bereits 2017 in einer umfassenden Studie 1350 Flüsse weltweit untersucht und festgestellt, dass zehn Flusssysteme rund 90 Prozent des Plastiks, das jedes Jahr aus Flüssen ins Meer gelangt, transportieren. In dieser „TOP 10“ sind acht asiatische Gewässer vertreten. Der längste Fluss Asiens, der Jangtse-Fluss, führt beispielsweise die Liste der „Dreckschleudern“ an. Am zweitschlimmsten für die Plastikbelastung der Weltmeere ist der pakistanische Fluss Indus, der ins Arabische Meer mündet. Auf Platz drei folgt der Gelbe Fluss Chinas.

Foto-Quelle; Screenshot Homepage Bundeskanzleramt

Heute ist der Internationale Tag der Umwelt. Und passend dazu hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Videobotschaft an die Nation gewandt. Unter anderem sagte sie:

„Das Motto des Umwelttages heißt in diesem Jahr: Nein zu Wegwerf-Plastik – ja zu Mehrweg. Tatsächlich ist der Kampf gegen den Plastikmüll weltweit eines der wichtigsten Umweltthemen. (…) Und ab 2022 dürfen auch leichte Plastiktüten nicht mehr in den Umlauf gebracht werden. Wir werden feststellen, der Verzicht wird leichtfallen und unsere Umwelt sehr entlasten.“

Quelle: Videobotschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ach so, wird es das wirklich? Die Deutschen sind übrigens europäischer Weltmeister in Mülltrennung und -verwertung, hatte ich das schon einmal erwähnt? Warum lassen wir uns dennoch ständig ein schlechtes Gewissen einreden, das uns das Gefühl gibt, die größten Umweltsünder dieses Planeten zu sein? Anstatt die Deutschen immer wieder mit strengeren Umweltregeln zu gängeln, die unseren Wohlstand und unsere wirtschaftliche Stabilität ins Wanken bringen, sollten die politischen Eliten unseres Landes vielmehr den Druck auf die diejenigen Staaten erhöhen, die ihre Plastikabfälle in die Flüsse kippen. Damit wäre den Weltmeeren deutlich besser geholfen, als ein Plastiktütenverbot in Deutschland.


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