Angst als Methode – Ein Volk im Panikmodus

Herbert Grönemeyer veröffentlichte 1986 seinen Song „Angst“. Nahezu prophetisch brachte er auf den Punkt, was sich Herrschende schon immer zu eigen gemacht haben, seit es Menschen gibt:

„Angst als Methode angewandt,
das Einschüchtern ist geplant,
Angst stellt ruhig, Angst kriegt klein!“

Angst ist eine, wenn nicht DIE Funktion, die in der Evolution für das Überleben der Menschheit sorgte. Als ein die Sinne und die Körperkraft aktivierender Mechanismus, der ein in Gefahrensituationen angemessenes Verhalten auslöst. Kampf oder Flucht. Dementsprechend haben wir es hier mit einem ganz natürlichen Verhalten zu tun. Dieser Mechanismus funktioniert allerdings nur so lange, wie weder zu viel Angst das Handeln blockiert noch zu wenig Angst reale Gefahren und Risiken ausblendet. 

Man sollte also meinen, dass verantwortungsbewusste Politiker vernünftig mit diesem Urinstinkt umgehen. Nur so kann eine Gesellschaft frei und selbstbestimmt agieren. Eine freie und selbstbestimmte Gesellschaft ist allerdings auch schwer zu lenken.

Diktaturen haben Angst schon immer als probates Mittel genutzt, ihr Volk gefügig zu halten. Angst vor finanziellen und körperlichen Strafen, Haft und in letzter Konsequenz dem Tod halten ganze Länder in Schach. Je brutaler die Durchsetzung, desto gehorsamer das Volk.

Demokratien reagierten schon immer mit Empörung auf solche Vorgänge. Der Duktus der Menschen in Demokratien ist: „Warum machen die das alle mit?“ Ja, warum?

Weil das eigene Überleben, die eigene Familie, die eigene Unversehrtheit immer den höchsten Stellenwert genießt. Erst wenn sich eine gewisse Menge an Menschen zusammenfindet und der Wunsch nach Veränderung den „Eigenschutzmechanismus“ aushebelt, kommt es zu einem Aufbegehren. Dieses Aufbegehren hat in der jüngsten deutschen Geschichte ein diktatorisches System zu Fall gebracht. Die DDR. Ein Staat, der in 40 Jahren ein System entwickelt hatte, in dem die politische Führungsriege vorgab, was zu denken und wie zu leben war. Gestützt durch staatliche Propaganda, abgesichert durch ein Bespitzelungssystem, geschützt durch die Angst der Menschen, mit der Staatsmacht in Konflikt zu geraten. Gesellschaftliche Ächtung, Verlust der eigenen Kinder und Haft waren Instrumente, mit denen man 16 Millionen Menschen gefügig hielt. „Angst stellt ruhig, Angst kriegt klein…“.

Die DDR-Bürger, die 1989 die friedliche Revolution, die Wende, einleiteten, die das Ende dieses Systems bewirkten, riskierten alles. Hätte die Staatsmacht sich zu einem Versuch entschieden, dieses Aufbegehren niederzuschlagen, hätte das für die Protagonisten tödlich enden können. Auf jeden Fall wären ihnen Haftstrafen und langfristige Repressalien sicher gewesen. Sie haben es trotzdem getan. Der Leidensdruck war stärker als die Angst. Man war bereit, für die Freiheit zu sterben. Das liegt bereits auch schon wieder über 30 Jahre zurück. Unzählige Male habe ich in diesen Jahren den Satz gehört: „Wieso haben die Leute im Osten sich das 40 Jahre gefallen lassen?“ Eine Frage, die getragen von dem Unverständnis ist, das freie Menschen empfinden, wenn sie von außen auf diktatorische Strukturen blicken. Wer das Gefühl von Freiheit verinnerlicht hat, frei denken und sprechen zu dürfen, sich frei bewegen zu können, keine Grenzen zu haben, außer die, die man sich selber setzt, der kann überhaupt nicht begreifen, dass man ganze Bevölkerungen mit einem Gemisch aus Regeln und Strafen lenken kann.

An diesem Punkt kommen wir zu den Schwächen demokratischer Gesellschaften. Sie sind schwer zu lenken. Die Freiheit des Individuums folgt dem Anspruch, sich selbst zu verwirklichen. Das Eigene wird stärker gewichtet als das Ganze. Wie nun also Politik machen? Was kann das Steuerungselement sein, um eine gewünschte Agenda durchzusetzen? Da war doch noch was. Angst!

Parteien jedweder Couleur haben dieses Instrument für sich entdeckt und nutzen es in den letzten Jahren mit zunehmender Vehemenz für den eigenen Machtgewinn. Die Linken nutzen die Angst, dass der Kapitalismus die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer macht, die Rechten schüren Ängste vor Überfremdung und Identitätsverlust, verbunden mit wirtschaftlichem Niedergang und dem Verlust des eigenen Wohlstands. Die Grünen haben ihr eigenes Weltuntergangszenario „Klimawandel“ geschaffen, in dem sie mit der Urangst um den eigenen Lebensraum spielen und spätestens mit Corona haben nun auch die CDU und die SPD ihr eigenes Angstinstrument: Angst vor Krankheit und Tod.

Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn man sie über Jahre in einem Dauerpanikmodus hält? Man zerstört sie. Eine dauerhafte Spaltung in verschiedene Lager, eine Verhärtung der Fronten und ein immer radikaleres Vertreten der eigenen Position – die unverrückbar für richtig gehalten wird – macht jeden Andersdenkenden zu einem Gegner, den es unerbittlich zu bekämpfen gilt. Man zerstört den Grundgedanken der Demokratie, einen offenen und freien Meinungsaustausch, das Ringen um Mehrheiten und das Finden einer Konsensposition. Man schafft ein gesellschaftliches Klima, in dem Verbote kein Tabu sondern gelebte Politik sind, in dem Ausgrenzung und Diffamierung an die Stelle langwieriger Diskussionen treten.

Jeder schafft sich seinen Meinungskreis und innerhalb dieses Kreises wird jeder, der es wagt, einen Zweifel oder gar eine abweichende Vorstellung zu äußern, aus diesem Kreis ausgestoßen. Hart und brutal. Die Kreativität der Begriffsfindung sucht ihresgleichen: Raubtierkapitalisten, Klimaleugner, Ausländerhasser, Islamophobe, Aluhüte, Corona-Leugner, Covidioten… Sind Sie in eine dieser Kategorien eingeordnet, ist gesellschaftlich gegen Sie alles erlaubt. Man setzt sich inhaltlich mit Ihren Argumenten gar nicht auseinander. Man gibt sich noch nicht einmal die Mühe, sie sachlich inhaltlich zu widerlegen. Sie sind einfach nur raus. Ob nun Linksextreme ihr Auto anzünden, Rechtsextreme ihre Scheiben einschmeißen, Sie Ihren Job verlieren, Ihre Kinder gemobbt werden, Ihr Verein Sie rauswirft oder Sie im Internet beleidigt werden – der Meinungskreis zuckt nur mit den Schultern. Sie sind ja selbst schuld. Warum denken Sie etwas Anderes? Und warum sprechen Sie es auch noch aus? Ja, wir haben (noch) Meinungsfreiheit in Deutschland. Niemand wird Sie – wie in Diktaturen üblich – wegen einer Meinungsäußerung verhaften oder einsperren. Die Strafe ist das „soziale Echo“, das es auszuhalten gilt. Davor haben die meisten Menschen – da ist sie wieder – Angst.

Gesellschaften, in denen Menschen in Angst leben und Angst haben, ihre Meinung zu sagen, entfernen sich von demokratischen Grundsätzen. Auch ich habe Angst. Angst vor den politischen Folgen und Angst vor einem endgültigen Zerfall unserer Gesellschaft. Fühlt man sich im Osten zunehmend an alte Zeiten erinnert und meint als Lösung dagegen immer weiter nach rechts wählen zu müssen, setzt sich im Westen eine geradezu infantil-selbstzerstörerische grün-linke Orientierung durch. Beide Wege garantieren eine Zukunft, die nichts von dem Deutschland, das konservativ, wirtschaftlich erfolgreich und im Inneren stabil war, übrig lassen wird. Die Alternativen aus Sozialismus mit nationalem Pathos oder Ökodiktatur werden weder das Leben der Menschen verbessern, noch für mehr Demokratie sorgen.

Der Garant für Frieden und Freiheit in der Gesellschaft ist eine konservative und trotzdem liberale Politik. Nur eine Bündelung aller Kräfte aus diesem Bereich könnte unserem Land zurückgeben, was es einst stark gemacht hat: Optimismus, Lebensfreude, Erfindergeist, Zuversicht, Pluralität und Freiheit – ohne Angst.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersachsischen Landtags für die LKR.


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