Ausbildungsmarkt schlägt Alarm – so wenig Lehrverträge wie noch nie – Investitionen in die duale Berufsausbildung wichtiger denn je

Deutschland wird international um seine Berufsausbildung beneidet. Das in Deutschland lange etablierte so genannte System der Berufsausbildung führt zur Deckung des Fachkräftemangels und gleichzeitig zu einer europaweit sehr geringen Zahl an Jugendarbeitslosen.

Das System wird als dual bezeichnet, weil die Ausbildung an zwei Lernorten stattfindet. Zum einen werden Auszubildende in Ausbildungsunternehmen und zum anderen in der Berufsschule für den Beruf fit gemacht. Die Berufsausbildung hat zum Ziel, die notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen für die Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt zu vermitteln. Soweit, so gut – bzw. aktuell so schlecht!

Zum Ausbildungsstart im August 2020 begannen so wenige junge Menschen in Deutschland eine Berufsausbildung wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Der Rückgang ist stärker als 2009, als die Gesamtzahl der Neuverträge im Zuge der Finanzkrise um 7,6 Prozent zurückgegangen war. Außerdem zählten Statistiker deutschlandweit erstmalig seit 1991 keinen niedrigeren Stand an neuen Ausbildungsverträgen. Insgesamt befanden sich am 31. Dezember 2020 nach vorläufigen Ergebnissen rund 1,289 Millionen Personen in einer dualen Berufsausbildung. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Zahl damit ebenfalls rückläufig: Damals waren es noch 1,329 Millionen. Die Zahl der neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträge belief sich 2020 auf rund 465.200 – so wenig wie noch nie.

Im Bereich Industrie und im Handel gibt es eine deutlich geringere Anzahl an Lehrverträgen. So sinkt die Zahl der Ausbildungen in der Industrie und im Handel um 11,9 Prozent und im Handwerk um 6,6 Prozent. Lediglich die Landwirtschaft verzeichnet einen leichten Zuwachs.

Die Pandemie schlägt sich enorm auf dem Ausbildungsmarkt nieder. Dieser aktuelle coronabedingte Einbruch ist einzigartig. Die Pandemie macht eine normale Ausbildung für die Unternehmen organisatorisch fast unmöglich.

Wirtschaft und Politik dürfen jetzt die jungen Menschen mit ihrer Berufsplanung nicht alleine lassen. Neben den November- und Dezemberhilfen sowie den Überbrückungsgeldern sind insbesondere Programme für die duale Berufsausbildung aufzulegen. Die so investierten finanziellen Mittel sind Zukunftsinvestitionen. Unternehmen, die jetzt nicht ausbilden, fehlen in der Zukunft die Fachkräfte. Die jungen Menschen dürfen in der Pandemie nicht auf der Strecke bleiben!


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