BKA veröffentlicht “Bundeslagebild Waffenkriminalität 2020”

Screenshot: BKA Bundeslagebild Waffenkriminalität

Am 6. Mai hat das Bundeskriminalamt das “Bundeslagebild Waffenkriminalität” für das Jahr 2020 veröffentlicht.

Demnach haben sich im vergangenen Jahr die Verstöße gegen das Waffengesetz um 6,4% auf 36.208 Fälle reduziert. Ebenfalls rückläufig waren die Fälle von Schusswaffenverwendung: Gedroht wurden in 4.370 und damit 3,1% weniger Fällen als im Vorjahr, die Anzahl der Schussabgaben reduzierte sich um vier Prozent auf 4.454 Fälle.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnete das BKA dagegen bei Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetzt, diese stiegen um Satte 12,2% auf 633.

Offen ließ das Bundeskriminalamt die Frage, ob die Corona-Pandemie einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Schusswaffenkriminalität hatte.

Für die legalen Waffenbesitzer interessant ist die Aussage des BKA bzgl. der Verwendung bzw. Nichtverwendung legaler, erlaubnispflichtiger Schusswaffen bei Verstößen gegen das Waffengesetz:

Wenngleich die PKS keine Unterscheidung hinsichtlich der Art der jeweiligen Verstöße vorsieht, dürfte es sich nach polizeilicher Einschätzung überwiegend um Fälle des illegalen Erwerbs, des illegalen Besitzes, des illegalen Führens und der illegalen Einfuhr von Waffen handeln.

https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Waffenkriminalitaet/waffenkriminalitaetBundeslagebild2020.pdf;jsessionid=087C6F30AAA3C97340A4C88192BB8D94.live2291?__blob=publicationFile&v=2

Entsprechend benennt das BKA auch die Herkunft dieser illegalen (Kriegs-)Waffen, bei denen es sich oftmals um Relikte des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien handelt, die nun oft per Ameisenschmuggel den Weg nach Deutschland finden und dann in dunklen Kanälen verschwinden.

Wie unverhältnismäßig und überflüssig die letzte deutsche Waffenrechtsverschärfung war, offenbaren aber die alarmierenden Erkenntnisse des BKA bzgl. des professionellen Um- bzw. Rückbaus türkischer Schreckschuss- bzw. slowakischer Flobertwaffen in voll funktionsfähige, großkalibrige Schusswaffen.

Von besonderer Bedeutung ist das Phänomen des illegalen Umbaus von Schreckschusswaffen in letale Waffen. Insbesondere Schreckschusswaffen türkischer Herkunft scheinen sich aufgrund der verhältnismäßig günstigen Preise bei dabei hoher Qualität besonders für einen solchen illegalen Umbau in voll funktionsfähige Schusswaffen zu eignen. (…)
Kriminaltechnische Untersuchungen umgebauter türkischer Schreckschusswaffen belegen teils identische Umbautechniken, welche auf professionelle Werkstätten und Netzwerke schließen lassen. Neuere Sicherstellungen decken zudem auf, dass umgebaute türkische Schreckschusswaffen mit den Logos namhafter Waffenhersteller versehen werden. Hierdurch wird gezielt versucht, die Attraktivität und den Schwarzmarktpreis der Waffe zu steigern.

Und was macht währenddessen der deutsche Gesetzgeber? Der schreibt den Sportschützen eine völlig willkürliche Begrenzung der gelben Sportschützen-Waffenbesitzkarte auf zehn Waffen ins Gesetz. Auf die man ohnehin nur Schusswaffen der deliktisch vollkommen irrelevanten Kategorie C erwerben darf. Und verbietet ihnen “zu große” Magazine für ihre legal besessenen Schusswaffen, obwohl es damit so gut wie keinen nennenswerten Missbrauch für kriminelle Zwecke gegeben hat.

Dagegen scheint die massenhafte Verbreitung illgeal zurückgebauter Flobertwaffen den Gesetzgeber nicht ganz so zu beunruhigen, wie registrierte Waffen in Händen unbescholtener Jäger oder Sportschützen:

Am 14.02.2020 kam es im Berliner Tempodrom zu einem Streit zwischen mehreren Männern. Infolge eines sich daraus ergebenden Schusswechsels starb ein 42-Jähriger, weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Polizeiliche Anschlussmaßnahmen führten zur Sicherstellung einer scharfen Schusswaffe im Fahrzeug eines Tatbeteiligten. Zudem wurden bei Teilnehmern der wenige Tage nach der Tat stattfindenden Trauerfeier zwei weitere scharfe Schusswaffen beschlagnahmt. Die Ermittlungen ergaben, dass es sich bei zwei der drei sichergestellten scharfen Schusswaffen um ehemalige Flobertwaffen aus der Slowakischen Republik handelte. Diese konnten mit einem umfangreichen Ermittlungsverfahren der Berliner Polizei in Verbindung gebracht werden, in welchem seit 2017 ca. 800 solcher illegal in Umlauf gebrachten scharfen Schusswaffen festgestellt wurden.

Unterm Strich bleibt alles beim Alten: Das BKA benennt die illegalen Waffen als das Problem und die Politik “löst” dieses Problem in “bewährter Weise”, in dem man einmal mehr das Waffengesetz zu Lasten der ohnehin Rechtstreuen verschärft.

Download: BKA Bundeslagebild Waffenkriminalität

Ergänzung 07.05.2021:
Tatsächlich dürfte es sich bei den genannten “slowakischen Flobertwaffen” um die nach dortigem Recht deaktivierten und in großen Stückzahlen exportierten “Theaterwaffen” handeln. Diese konnte man, im Gegensatz zu den nach deutschen Standards dauerhaft unbrauchbar gemachten Dekowaffen, mit lächerlich geringem Aufwand wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzen und damit schießen. Die entsprechende Gesetzeslücke war der EU seit Jahren bekannt, ohne dass gehandelt wurde. Solche reaktivierten Waffen kamen dann z. B. bei den Terroranschlägen in Paris oder auch beim Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum zum Einsatz.

 

 


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Über den Autor

Benedikt Krainz
Boomer, Sportschütze, Blogger, Hobby-Waffenlobby-Aktivist. Staatlich regelmäßig überprüft hinsichtlich Zuverlässigkeit, persönlicher Eignung und neuerdings Verfassungstreue.

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