Bundeswirtschaftsministerium kalkulierte Strom falsch! Bekommt Deutschland den Strombedarf bis 2030 gedeckt und seine Klimaziele erreicht?

Das Ende einer Legislaturperiode wird in der Regel dazu genutzt, Bilanz zu ziehen, ein Resümee der getanen Arbeit in den fast vier letzten Jahren im Deutschen Bundestag. Digitalisierung, Infrastruktur, ökonomische Prosperität, Corona-Krise und die Energiewende stellen einige Politikfelder dar, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

Im letzten Feld, der Energiewende, werden eklatante politische Fehleinschätzungen in diesen Tagen erkennbar. Die Bundesregierung hat sich beim zukünftigen Stromverbrauch deutlich verkalkuliert. Das räumte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in dieser Woche im Rahmen einer Pressekonferenz ein. Auf Grund dieser Versäumnisse steht Deutschland damit vor einem enormen Energieproblem.

Die seitens der Bundesregierung und vom Deutschen Bundestag beschlossenen Klimaziele bewirken bis zum Jahr 2030 einen Anstieg des Stromverbrauches um 10 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium stützte sich bisher auf eine Vorhersage des Forschungsinstitutes „Prognos“ von Anfang 2020. Dort wurden 590 Terawattstunden aufgeführt.

Eine jetzt neu erstellte Studie sieht einen Verbrauch in Höhe von 645 bis 665 Terawattstunden bis zum Jahr 2030 voraus. Die Bundesregierung wies bisher einen Wert von nur 580 Terawattstunden aus.

Ein Grund für den großen Energiebedarf repräsentiert die stark wachsende Elektromobilität im Straßenverkehr. Im Jahr 2030 sollen bis zu 14 Millionen E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. Das Bundeswirtschaftsministerium ging bisher von lediglich 10 Millionen PKW aus. Sechs Millionen Wärmepumpen werden in den Häusern installiert, die wiederum mit Strom versorgt werden müssen. Die staatlichen Förderprogramme (z. B. Kaufprämie für E-PKW) wirken und sorgen so für die hohe Nachfrage nach E-Autos und weiteren den Strombedarf steigende Technologien.

Das Bundesumweltministerium, Bundesfinanzministerium und die Stromwirtschaft insgesamt warnten das Bundeswirtschaftsministerium. Diese empfahlen seit Längerem, die Erhöhung der Verbrauchswerte beim Strom vorzunehmen. Sie kommen sogar auf einen Strombedarf von 700 Terawattstunden. Im Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Bundesminister Altmaier fanden sie jedoch kein Gehör.

Durch das Missmanagement des Bundeswirtschaftsministeriums besteht die akute Gefahr, die festgelegten Klimaziele nicht erreichen zu können. Bis zum Jahr 2030 soll 65 Prozent des Strombedarfs durch Erneuerbare Energien (Wind, Sonne etc.) gedeckt werden. Der Ausbau der Windenergie und der Sonnenergie reichen nicht aus, um diesen Strombedarf zu erzeugen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss politisch nunmehr massiv vorangetrieben werden.

Gelöst werden soll dieses Problem durch mehr Windräder im On- und Offshore-Bereich, Solaranlagen (Hausdächer, Freiflächen) sowie zweier neuer Stromtrassen. Nun müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Deutlich mehr Investitionszuschüsse für Solaranlagen sind zu zahlen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte an, er wolle noch vor der Bundestagswahl 2021 in der Regierung einen Konsens finden, wie mit den Ergebnissen jetzt umzugehen sei. Die energiepolitischen Herausforderungen werden die neue Bundesregierung sofort fordern.

Eine Frage offenbart sich jetzt: Hat die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) nach Fukushima zu schnell den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 auf den Weg gebracht? Bereits jetzt wird der Strombedarf durch Atomkraft- oder Kohlekraftwerke aus anderen EU-Ländern kompensiert. Überkapazitäten werden nicht etwa in andere EU-Länder verkauft, nein, Deutschland zahlt noch pro Kilowattstunde Strom an die abnehmenden Ländern.

Parallel dazu bauen etwa Frankreich und Belgien neue Atomkraftwerke an der deutschen Grenze.


Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt BLAULICHTBLOG mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf
DE60 2905 0101 0082 9837 19 (BIC: SBREDE22XXX), Empfänger: BREPRESS UG,
Verw.-Zweck: Spende Blaulichtblog. Vielen Dank!

Kommentar hinterlassen zu "Bundeswirtschaftsministerium kalkulierte Strom falsch! Bekommt Deutschland den Strombedarf bis 2030 gedeckt und seine Klimaziele erreicht?"

Hinterlasse einen Kommentar