China “vor dem Sturm”

Immer mehr China-Kenner warnen vor dem Bestreben des Reichs der Mitte, sich von den westlichen Staaten wirtschaftlich weitgehend zu entkoppeln. Davon werden sowohl Betriebe betroffen sein, die derzeit viel nach China exportieren als auch solche, die – meistens im Rahmen sogenannter „Joint Ventures“ – im Lande selbst investieren. Chinas Streben nach Unabhängigkeit wird zunächst mit dem Energiebereich und der Telekommunikation jene Bereiche betreffen, die für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung und Sicherheit von existentieller Bedeutung sind. Doch bald darauf wird es zu einer branchenübergreifenden Entwicklung kommen, schätzen die Fachleute.

Zunächst wird die chinesische Staatsführung mit einer gezielten Marktabschottung und entsprechenden staatlichen Hilfen dafür sorgen, dass auf dem heimischen chinesischen Markt die einheimischen Unternehmen eine beherrschende Stellung erreichen. Es wird gewissermaßen zu einer Bildung staatlich geförderter Monopole oder zumindest Oligopole kommen, die in einer zweiten Stufe angestammten US-amerikanischen oder europäischen Betrieben weltweit Konkurrenz machen sollen. Und es gibt bereits zahlreiche Branchen, in denen chinesische Betriebe rein technologisch dazu längst in der Lage sind. Einem jahrelangen Technologietransfer von den USA und Europa nach China sei Dank!

In großen Teilen der deutschen Exportindustrie scheint man von dieser voraussichtlichen Entwicklung nichts wissen zu wollen. Man freut sich aktuell lieber über im Zuge der weltweiten Nachfrage- steigerungen kräftig zunehmende Exporte nach China – zuletzt um mehr als 30 % im Vorjahres- zeitraum (als vor einem Jahr die chinesische Wirtschaft allerdings Corona-bedingt kurzzeitig fast zu Erliegen gekommen war). Noch kann also Deutschland von der in China stark anziehenden Konjunktur profitieren. Doch dies dürfte nur noch eine Art Schönwetterfront vor dem Sturm sein, der auch die deutschen Exporteure mehr als bisher beuteln dürfte!

Der Artikel ist zuerst in den Vertraulichen Mitteilungen erschienen. Wir danken dem Verlag Arbeit und Wirtschaft für die Veröffentlichungsgenehmigung.  


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