Computerspiele bald „Kulturgut“?

Geht es nach der FDP-Bundestagsfraktion, dann sollen Computerspiele bald als „Kulturgut“ anerkannt und gefördert werden. Die Lindner-Truppe hat einen Antrag (19/14059) in den Bundestag eingebracht, in dem sie sich für eine Förderung von Computerspielen durch den Bund ausspricht.

So sind sich die Freien Demokraten sicher, dass Deutschland eine „Gamingnation“ sei. Deshalb sei die Anerkennung von „eSports“ als Sportart ein längst überfälliger Schritt. Und dann holt die Lindner-Truppe zum ganz großen Wurf aus:

„Dass Training, Fleiß und hervorragende motorische Fähigkeiten ebenso dazugehören, steht außer Frage und rundet das Bild des heutigen Gamers erst ab. Gamer sind so vielfältig wie die Spiele und Genres selbst.“

Ja, Sie haben richtig gelesen: Gamer sind quasi Spitzensportler – meint zumindest die FDP. Geht es vielleicht noch etwas dicker aufgetragen? – Natürlich geht das. Denn die FDP schreibt in dem Antrag weiter:

„Richtig eingesetzt können sich die Spiele gerade auch im medizinisch-therapeutischen Bereich nach einhelliger Meinung auf die soziale Kompetenz und auf verschiedene körperliche Fähigkeiten positiv auswirken.“

Echt klasse, wozu das Zocken nach Ansicht der FDP so alles gut ist. Vielleicht gibt es dann auch bald die „gesundheitsfördernden“ Ballerspiele auf Rezept? – Mal ernsthaft, liebe FDP: Natürlich wollt Ihr die Computerbranche unterstützen, denn Ihr seid nun mal DIE Partei für das Unternehmertum! Das ist ja auch in Ordnung. Aber versucht doch dabei bitte nicht, die Bürger mit Eurer schwurbeligen Antragsbegründung an der Nase herumzuführen. Denn was Ihr bewusst ausblendet bei Eurem politischen Werbefeldzug für die Zocker-Branche: Gaming bedeutet heute für viele Jugendliche nicht nur Spaß, Abwechslung und Entspannung, sondern oftmals auch Übergewicht (Bewegungsmangel), Konzentrationsschwierigkeiten, Sucht, schulischer Leistungsabfall, Nervosität, Verdauungs- und Kreislaufproblemen, Haltungsfehler, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Diese ganzen negativen Begleiterscheinungen sind Euch gerade einmal einen einzigen Satz (!) in Eurem zweiseitigen Antrag wert. Achtung: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie deshalb nicht die FDP!

Und sprecht gerne mal mit Lehrkräften von weiterbildenden Schulen, die Euch bestätigen werden, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler nicht einmal mehr eine Schulstunde lang (entspricht 45 Minuten) durchgehend beschulen können, sondern nach 20 Minuten abbrechen und die Kinder „bespaßen“ müssen. Denn ansonsten läuft der Akku in der Birne heiß. Natürlich ist daran nicht ausschließlich das „Gaming“ schuld, aber es trägt zu diesem Problem nicht unerheblich bei.

Und daher passt es irgendwie gar nicht, dass Ihr bei so vielen negativen Begleiterscheinungen nun das Gaming als Kulturgut anmelden wollt. Genauso könntet Ihr das Rauchen als Kulturgut präferieren, denn dort gibt es neben dem Genuss ebenso gesundheitliche Nebenwirkungen – die Tabakindustrie würde Euch für eine solche Initiative allerdings danken. 

Aber wie wäre es denn, wenn Ihr Euch dafür einsetzen würdet, beispielsweise Brett- oder Kartenspiele als Kulturgut zu fördern? Nicht nur wegen der Tradition, sondern weil diese Gesellschaftsspiele auch viel mit sozialer Kompetenz zu tun haben. Und die negativen Begleiterscheinungen beschränken sich höchstens auf einen leicht erhöhten Blutdruck, wenn man mal ein Spiel verliert.

Ein Gastbeitrag von Laura Beermann.


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