Das große Vorbild der Journalisten: Karl Eduard von Schnitzler

Meinungsjournalisten sind eigentlich keine Journalisten mehr, so wie man sie sich vorstellt. Ihre Vertreter waren beispielsweise Hanns Joachim „Hajo“ Friedrichs, der einmal gesagt hat: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört“. Oder der deutsch-französische Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour, der sich nicht scheute, auch die Medien für ihre einseitige Berichterstattung zu geißeln. Solche Charakterjournalisten sind deutschlandweit fast von der Bildfläche verschwunden.

Als Vorgänger und Vorbild der heutigen Meinungsjournaille kann der legendäre Chefkommentator des DDR-Fernsehens, Karl Eduard von Schnitzler, gelten. „Sudel-Ede“, wie von Schitzler spöttisch genannt wurde, galt als sozialistischer Hardliner, der allerdings auch gerne mal mit D-Mark in West-Berlin einkaufte oder die dortigen Nachtlokale besuchte. Nicht nur deshalb gehörte von Schnitzler bei der DDR-Bevölkerung zu den meistgehassten Systemvertretern.

In dem Propagandafilm „Die Grenze“, den von Schnitzler zur Rechtfertigung des Mauerbaus durch die SED – Machthaber produzieren ließ, beschrieb er einen seiner journalistischen Grundsätze: „Ist die Macht in guten Händen (filmisch mit Walter Ulbricht unterlegt), ist es eine gute Politik. Ist die Macht in schlechten Händen (filmisch mit Adenauer, Strauß und anderen Westpolitikern unterlegt), ist es eine schlechte Politik.“ Auf dieser Grundlage reihte er in „Der Schwarze Kanal“ – der immer montags im DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde – gelegentlich aus dem Zusammenhang gerissene Zitate des Westfernsehens aneinander, um sie dann zu „kommentieren“. In den 60er- und 70er-Jahren war von Schnitzler im Kalten Krieg eine scharfe Waffe. In den 80er-Jahren wurde er – inszwischen alt geworden – zunehmend zur Satirefigur. Anders als manchem halbgebildeten „Haltungsjournalisten“ waren von Schnitzler die Unterschiede zwischen Propaganda, Fake News und Wahrheit bekannt und er nutzte sie – wie man zugeben muss – virtuos.

Foto-Quelle: Von unbekannt – EinsExtra, Screenshot (19.12.2010), Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=6310330


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