Das Überzeugungszimmer – Ein Märchen über die freiwillige Impfung

Dana Guth

Es war einmal jemand, der sich nicht gegen Corona impfen lassen wollte. Die politisch Verantwortlichen, stets sehr bemüht, nahmen sich der Sache natürlich vorbildlich an. 

Der Impfunwillige wurde gebeten, in ein Überzeugungszimmer zu gehen, wo man ihn freundlich aufklärte, dass er sich doch bitte impfen lassen soll. Den Impfunwilligen überzeugte dies jedoch nicht. Also schickte man ihn erneut ins Überzeugungszimmer und appellierte diesmal an seine Solidarität: Auch wenn dies nur notfallzugelassene Impfstoffe sind und man ihm nicht versprechen könne, dass jeder die Impfung auch gut verträgt, sollte der Impfunwillige bitte nicht so egoistisch sein und an andere denken.

Nach dem zweiten Aufenthalt im Überzeugungszimmer fragte also die Regierung, freundlich aber bestimmt, ob der Impfunwillige nun doch bereit wäre, sich freiwillig impfen zu lassen. Dieser verneinte. Unzufrieden, aber stets nur auf das Beste besonnen, schickte die bemühte Regierung den Impfunwilligen darum ein drittes mal ins Überzeugungszimmer. Diesmal wurde ihm gesagt, dass die Pandemie nur enden werde, wenn sich alle impfen lassen. Die Herdenimmunität sei sonst nicht möglich. Die komplette Freiheit gebe es außerdem auch nur für Geimpfte zurück und Corona-Tests würden bald bestimmt auch nicht mehr kostenlos angeboten. Das sei alles auch keine Diskriminierung, belohne aber die, die sich freiwillig impfen lassen. Also wurde der Impfunwillige abermals gefragt, ob er sich angesichts all dieser Vorteile denn nun freiwillig impfen lassen will. Erneut jedoch verneinte der Impfunwillige – erneut wurde er darum in das Überzeugungszimmer geschickt.

Diesmal war die Stimmung im Überzeugungszimmer aufgeheizt. Der Impfunwillige wurde beschimpft: Nur dumme, asoziale und böse Menschen würden eine Impfung verweigern. Wer nicht „ja“ zur freiwilligen Impfung sagt, der dürfe sich daher auch nicht wundern, wenn man ihn wie einen Aussätzigen behandelt. Aber der Impfunwillige könnte, erklärte man ihm, sofort wieder zu den Guten und Anständigen gehören. Er müsse einfach nur „ja“ zu seiner freiwilligen Impfung sagen. Der Impfunwillige jedoch blieb weiter bei seinem „nein“ und wurde darum postwendend zurück ins Überzeugungszimmer geschickt.

Im Überzeugungszimmer erklärte man dem Impfunwilligen schließlich, dass bei so wenig Einsicht und so viel Impfskepsis die freiwillige Impfung sicher nicht mehr lange freiwillig bleiben kann. Es müsse dringend über eine Impfpflicht nachgedacht werden. Der Impfunwillige verstand das nicht. Hieß es nicht, es sei freiwillig? Man erklärte ihm, dass damit nicht gemeint war, dass man bei einer freiwilligen Entscheidung einfach so selbst entscheidet, etwas Freiwilliges einfach nicht zu tun. Freiwillig war die Impfung nur deshalb, weil man damit gerechnet hat, dass sie irgendwann schon jeder freiwillig mitmacht.

Wie steht es um Sie? Sind Sie schon geimpft? Nein? Dann gehen Sie bitte ins Überzeugungszimmer. Irgendwann sind auch sicher Sie bereit, sich – freiwillig – impfen zu lassen.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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