Der Schwarze mit dem weißen Privileg?

Foto: von Stilness - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48130082

Dave Chappelle ist ein US-Komiker, der – wie jeder andere gute Komiker – an die Grenzen der Dinge geht, die man so sagt. Und dann geht er nicht einen, sondern drei Schritte weiter. Der Mainstream hingegen geht an die gleiche Grenze und dann drei Schritte zurück. Das bedeutete in den 80igern, dass der Mainstream empört reagierte, wenn Komiker Witze über Jesus oder die Kirche machten. Es bedeutet heute, dass der Mainstream ganz genauso reagiert, wenn man Witze über Dinge oder Personen macht. die heute (vom Mainstream) als unantastbar gelten. Wer und was das ist, ändert sich eben jede Generation in unserer Kultur. Man möchte fast sagen, dass sie sich entwickle.

Dieser Umstand führt dazu, dass der Mainstream („Hauptströmung“) eben nicht wirklich lustig ist bzw. sein kann. Das Internet ging daher dazu über, den Mainstream als „Lamestream“ (etwa: die lahme Strömung) zu bezeichnen.

Die gleichen Personen, die heute in Schnappatmung verfallen, weil jemand einen Witz über Veganer macht, haben in einem früheren Leben genauso reagiert, wenn jemand einen Witz über Poseidon gemacht hat. Der Mainstream lacht nur über Dinge, die sich geziemen und diese Dinge sind nun mal nicht halb so witzig, wie die Dinge, die sich nicht geziemen.

Chappelle machte eine Karriere aus genau diesem Umstand und solange er sich nur über cracksüchtige Weiße lustig machte, war die Welt in Ordnung. Aber dann nahm er feministische, homosexuelle und transsexuelle Weiße aufs Korn. Und plötzlich war die Empörung groß.

Chappelle ist nicht nur witzig, er ist auch clever. Er beschäftigte sich mit dem gelebten Intersektionalismus (also die Idee, dass wir aufgrund von unveränderlichen Eigenschaften unterschiedlich stark unterdrücken und unterdrückt werden), der die Basis der postmodernen Linken darstellt, und theoretisierte, dass er als schwarzer Mann mit allem durchkommt was er sagt, und sei es auch noch so politisch inkorrekt, solange sein Ziel eben weiß ist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Chappelle das nicht tut, weil er Weiße hasst, sondern weil er verstanden hat, dass er damit ein Schutzschild vor sich aufbauen kann, das ihn dazu ermächtigt, Dinge zu sagen, die ein Bill Maher nicht sagen kann.

Und er hat offensichtlich Recht damit. Seine Kritiker sind gelinde gesagt verzweifelt und an dem Punkt, an dem sie ihm vorwerfen, vom Teufel besessen zu sein. – Verzeihung, das hätte man ihm vor 150 Jahren vorgeworfen, nein, heute nennt sich das „weißes Privileg“, das bedeutet aber im Grunde das Gleiche: Man stünde im Bund mit dem totalen Bösen und hätte was man hat nur weil man einen Deal mit dem Teufel gemacht oder geerbt hat. Chappelle beweist damit wie hohl diese Begriffe sind.

Es steht außer Frage, dass Chappelle Macht hat, aber Obama hatte und hat noch mehr Macht und ihm wurde nicht vorgeworfen „white Privilege“ zu besitzen, denn er sagte ja die Dinge, die dem Mainstream heute gefallen.

Komiker wie Chappelle waren schon immer ihrer Zeit voraus und er zeigt an wohin das Pendel schwingt. Die junge Generation lacht über die Werte der Alten. Das steht ja quasi in der Berufsbeschreibung “Jugendlicher”.

Der 40 jährige Lehrer mit den Tattoos auf dem Arm und seinem Kampf für soziale Gerechtigkeit ist nicht hip, er ist langweilig, Establishment, Lamestream und die Jugend sucht Mittel und Wege um mit diesen alten Ansichten in Konflikt zu gehen. Das ist der Lauf der Dinge.

Chappelle ist deswegen so schmerzhaft, weil er den Millenniales vor Augen führt, dass sie jetzt die Alten sind, nicht mehr hip, nicht mehr cool, sondern das langweilige Establishment. Und wie jedes Establishment vor ihnen stellt es den jungen Alten die Haare auf, wenn sie mit dem neuen Punk Rock konfrontiert werden.

Chappelle ist, was der Punkrock in den 80igern war: laut, gnadenlos, nicht angepasst und komisch für jene, die eben nicht mit aller Gewalt versuchen, brav zu sein, aber eine Manifestation des Bösen für jene die nicht akzeptieren können, dass sie und ihre Ansichten, alt werden.

Ein Gastbeitrag von Adam Stirner. Er ist Historiker in Wien.


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