Deutschland wird wieder ein Land der offenen Diskriminierung

Deutschland wird wieder ein Land der offenen Diskriminierung. Im Land, das mit Moralansprüchen nur so protzt und immer wieder stolz bekundet, jeder Minderheit, sei sie auch noch so klein, zu Teilhabe und Gleichberechtigung zu verhelfen, wird offiziell und ungehemmt eine Barriere zwischen Gesellschaftsgruppen errichtet. Das Unterscheidungsmerkmal für strukturelle Diskriminierung ist inzwischen etabliert. Es lautet: „Impfstatus“.

War 2G (Zutritt nur für Geimpfte oder Genesene) zunächst nur eine immer und immer wieder politisch zurückgewiesene Idee, wurde sie analog zum Regierungsversagen mehr und mehr zu einer Forderung und schließlich gebietsweise auch schon zur Realität (beispielsweise in Sachsen). Nun kommt der Lockdown für Ungeimpfte bundesweit.

Die Verantwortlichen in Bund und Ländern setzen mit 2G einen Irrtum fort, der bereits im 3G-Modell veranlagt war. Beide Modelle, sowohl 3G als auch 2G, geben Geimpften und Genesenen einen Sonderstatus und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Dies führte bekanntermaßen aber bereits unter 3G dazu, dass es eine unbemerkte Streuung des Virus gab, weil nichtgetestete Genesene und nichtgetestete Geimpfte als Corona-Überträger fungieren konnten, ohne es selbst zu ahnen. Mit der Abschaffung der Tests für Geimpfte und Genesene hatte die Regierung den betroffenen Personen eine trügerische Sicherheit vermittelt. Geimpfte und Genesene wurden zu Annahme verleitet, eine Impfung würde sie per se vor Übertragung schützen.

Dementgegen wissen wir aber seit Monaten: Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung an andere wird durch die Impfung lediglich verringert und wir wissen immer noch nicht verlässlich, in welchem Ausmaß das der Fall ist. Das Virus hat also weiterhin die Möglichkeit, sich durch Geimpfte und Genesene auszubreiten. Daraus erfolgt auch mittelbar eine Weitergabe an den aktuellen Corona-Sündenbock, die Nichtgeimpften.

2G setzt dies Problem von 3G grundsätzlich fort. Zwar können in einem 2G-Bereich die nichtgetesteten Geimpften und die nichtgetesteten Genesenen nicht mehr die ausgegrenzten Ungeimpften infizieren, aber nichtgetestete Geimpfte und nichtgetestete Genesene können untereinander das Virus weitergeben, was zu einer unbemerkten Verbreitung des Virus in der Fläche führt. Das gilt umso mehr, wo unter 2G-Bedingungen auf Masken und Abstandsregeln verzichtet wird. Besonders wo eine Impfung oder Genesung schon länger zurückliegen, wird die Wahrscheinlichkeit von Impfdurchbrüchen so erhöht.

Kommen Nichtgeimpfte wiederum in Kontakt mit Geimpften oder Genesenen, was durch 3G am Arbeitsplatz oder im Privaten weiterhin möglich ist, kann es zur unbemerkten Weitergabe durch die nichtgetesteten Geimpften oder Genesenen kommen. Der negativ getestete Nichtgeimpfte, der sich so infiziert, darf dann als Dankeschön einen Ausfall seiner Lohnfortzahlung hinnehmen.

Die Begründung für 2G kann man nur perfide nennen. Behauptet wird, das Modell helfe gegen die  Überlastung der Krankenhauskapazitäten. Das mag zwar zu einem gewissen Grad tatsächlich stimmen, aber zu welchem Preis und in welchem Verhältnis? Natürlich können sich Menschen, denen man den Zugang zum gesellschaftlichen Leben verbietet, hier nicht mehr mit Corona anstecken. Aber rechtfertigt das die pauschale Ausgrenzung von Millionen Menschen, die ohnehin nur noch mit negativen Coronatests am gesellschaftlichen Leben teilnehmen durften? Wie steht es um den gesellschaftlichen Kollateralschaden dieser Politik?

Konsequent wäre, würde man alle, also auch Getestete und Genesene, zu Schnelltests verpflichten. Nicht nur würde man so die unbemerkte Verbreitung des Virus eindämmen, es wäre außerdem ein Weg, der nicht in die Diskriminierung von Millionen von Menschen führt. Wo nur Getestete sind, ist die Situation unabhängig vom Impfstatus kontrollierbar.

Dass man dies nicht will, hat mehrere Gründe. Da wäre einerseits die reine Menge an Schnelltests, die man bräuchte. Aktuell zeigt sich bereits wieder, wie schwer Schnelltests zu kaufen sind und natürlich hat Deutschland hier mal wieder nicht vorsorglich eine ausreichende Menge beschafft, geschweige denn eine eigene Produktion solcher Tests im Land hochgefahren (die Tests kommen zum Großteil aus China).

Zweitens wäre es ein enormer Aufwand, ausreichend Testkapazitäten zu schaffen. Diese wären aber nötig, da der Staat bekanntlich den eigenen Bürgern misstraut und deshalb bis heute keine unbeaufsichtigten Selbsttests als Nachweis anerkannt werden.

Drittens würde eine Testpflicht für alle den Druck auf Ungeimpfte reduzieren, während man diesen Druck noch weiter erhöhen will. Die Diskriminierung ist gewollt, um ein Verhalten der Ungeimpften zu erzwingen.

Viertens – und am wichtigsten – scheint mir aber, dass man die Bürger mit dem Versprechen „ihr impft euch eure Freiheit zurück“ zur Impfung gelockt hat. Nun gilt es zu vermeiden, dass die Menschen diese versprochenen Vorteile der Impfung hinterfragen. Damit es also unter einer allgemeinen Verschärfung aller Regeln weiterhin Vorteile für Geimpfte gibt, baut man eine Impf-Klassengesellschaft auf und verfügt lieber einen drakonischen Lockdown für Ungeimpfte, als dass man den Geimpften oder Genesenen mehr Testpflichten auflastet.

Wenn eine Testpflicht für Geimpfte und Genesene diskutiert wird, dann nicht etwa deshalb, um die Diskriminierung und Ausgrenzung getesteter Nichtgeimpfter zu beenden. Niedersachsens strengeres Modell „2G-Plus“ ändert beispielsweise nichts am Status Nichtgeimpfter. Sie bleiben Ausgegrenzte, ganz egal wie viele Negativtests sie vorweisen. Man führt das Modell 2G-Plus aus einem anderen Grund ein. Dadurch, dass man mit der Auffrischungsimpfung die Testpflicht wieder aufhebt, schafft man das, was die niedersächsische Regierungssprecherin Anke Pörksen einen „zusätzlichen Anreiz zum Boostern“ nennt. Jetzt werden also sogar Genesene und Geimpfte gegenüber aufgefrischt Geimpften diskriminiert, um sie zu einem bestimmten Verhalten zu erziehen.

Es mag vordergründig eine einfache Lösung sein, Menschen aufgrund ihres Impfstatus zu  diskriminieren, auszugrenzen und zum Sündenbock zu erklären. Die Lösung hat aber einen fatalen Preis: Unser Gemeinwesen erodiert. Wo Ausgrenzung und Nötigung zur Staatsräson erhoben werden, schafft man ein Klima, aus dem nichts Gutes gedeiht. Auch wenn Menschen unter diesem vergifteten Klima nachgeben, ihr Misstrauen gegenüber der Impfung beiseite Stellen und sich den „kleinen Piks abholen“, werden sie nicht vergessen, dass man ihre freie Entscheidung und ihre Bedenken gegen eine Impfung dermaßen mit Füßen trat. Sie werden nicht vergessen, wie man sie drangsaliert, denunziert und ausgeschlossen hat. Ein Gefühl wird bleiben: Das Gefühl, dass eine gesellschaftliche Mehrheit gegenüber einer Minderheit übergriffig geworden ist. Diejenigen, die übergriffig werden, sehen ihr Verhalten jedoch nicht als übergriffig. Wo Nichtgeimpfte als eine gefährliche Gruppe ausgerufen werden, wird der Übergriff zur Tugend. Wie unter dieser Bedingung gesellschaftliche Versöhnung stattfinden soll, dürfen wir uns schon jetzt gemeinsam fragen.

Am Ende der ganzen Geschichte ist die allgemeine Corona-Impfpflicht zu erwarten. Ich hatte das  bereits im August in meinem Märchen über die freiwillige Impfung angedeutet (hier nachzulesen). Die Impfpflicht bricht mit einem Versprechen der Regierung. Noch vor einem Jahr bis hinein in den Wahlkampf wurde sie kategorisch ausgeschlossen. Wer sich nächstes Jahr noch darauf beruft und frei über seinen Körper entscheiden will, begeht damit Ungehorsam gegen den Staat. Das Spannungsfeld, das damit entstehen wird, hat erneut einiges an gesellschaftlicher Sprengkraft.

Manchmal möchte man vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen resignieren. Man fühlt sich ohnmächtig und ausgeliefert. Resignieren ist jedoch keine Antwort. Resignieren Sie nicht. Vernetzen Sie sich. Stehen Sie für Ihre Meinung ein. Unterstützen Sie Menschen, die sich für die Grundrechte und gegen Diskriminierung einsetzen. Aber vor allem: Lassen Sie sich nicht auf ein Niveau herab, das derzeit unsere Gesellschaft spaltet.


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