Gehts hier wirklich noch um Corona?

Seit nunmehr fast zwei Jahren beschäftigt uns das Thema Corona 24/7. Der Fairness halber muss gesagt werden, dass Anfang 2020 sicherlich niemand in der Haut der Verantwortlichen stecken wollte. Keiner wusste, was da kommt. Niemand konnte die Gefährlichkeit seriös einschätzen. Das war nicht zuletzt der Grund, warum anfänglich die meisten Menschen die Maßnahmen der Politik mitgetragen haben. Heute – fast zwei Jahre – nach endlosen Lockdowns, Hygieneregeln und Impfkampagnen stehen wir schlechter da als je zuvor.

Wer hätte es noch vor zwei Jahren für möglich gehalten, dass sich Politiker gegenseitig darin zu übertreffen versuchen, sich auszudenken, wie man Ungeimpfte aus der Gesellschaft ausgrenzen und drangsalieren könnte. „Die Pandemie der Ungeimpften“ ist ein Narrativ, das nach einem Blick in den Wochenbericht des RKI in sich zusammenfällt.

Schauen wir zurück. Das Jahr 2020. Die erste, zweite und dritte Corona-Welle. Mangels eines Impfstoffs mussten alle Menschen gemeinsam diese Zeit überstehen. Die ungeimpfte Verkäuferin ist ihrer Arbeit im Supermarkt nachgegangen, genauso wie die ungeimpfte Krankenschwester und der ungeimpfte Pfleger Patienten versorgt haben. Der ungeimpfte Polizist hat für Sicherheit gesorgt und die ungeimpfte Kassiererin hat in der Tankstelle abgerechnet. Wir hatten im Jahr 2020 eine Untersterblichkeit von 2,4%. Ja, man will es kaum glauben. In drei Pandemiewellen und ohne den Schutz einer Impfung sind weniger Menschen gestorben, als in den Jahren zuvor.
Natürlich gab es dabei die Maßnahmen, die Corona eindämmen sollten. Man versprach, sie zu beenden, wenn alle Menschen ein Impfangebot bekommen haben. Es ist eines der Versprechen, das leider gebrochen wurde, so wie viele andere Versprechen auch. Schaut man sich den heutigen Regelungsapparat an, fragt man sich ernsthaft, wie es möglich sein kann, dass viele Menschen dieses Vorgehen nach wie vor durchwinken. Ich habe dafür keinerlei Verständnis mehr!

Der ungeimpfte Arbeitnehmer „darf“ auf Arbeit gehen. Er wird regelmäßig getestet, kann von daher ohne weiteres als gesund gelten. Das schützt ihn jedoch nicht davor, auch an seinem Arbeitsplatz eine Sonderbehandlung zu erfahren. Ein Stichwort dazu lautet „getrennte Kantinen“. Der gesunde Arbeitnehmer wird allerdings außerhalb seiner Arbeitszeit von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen, sofern die 2G-Regel Anwendung findet.
Der geimpfte Kollege wird nicht getestet. Wie wir mittlerweile wissen, kann dieser sich ebenfalls mit Corona infizieren und das Virus weitergeben. Der eventuell erkrankte Arbeitnehmer unterliegt keiner Testpflicht und darf in der Freizeit alles tun was er möchte. Erkrankt der geimpfte Arbeitnehmer und hat Kontakt zu seinem ungeimpften Kollegen, muss letzterer in Quarantäne und bekommt keine Lohnfortzahlung. Ist doch vollkommen logisch, fair und nachvollziehbar, oder etwa nicht?

Der Lockdown für Ungeimpfte, der nun in aller Munde ist, ist also kein Lockdown, sondern eine Strafaktion. Eine Strafaktion für Ungehorsam. Wie nennt man Menschen, die außer arbeiten nichts dürfen? Und wie nennt man Menschen, die dankbar sind, dass sie arbeiten dürfen, wenn ihnen der Rest des gesellschaftlichen Lebens verwehrt wird?

Ich stelle mir lebhaft vor, was passieren würde, wenn alle ungeimpften Arbeitnehmer von jetzt auf gleich die Arbeit niederlegen würden. Wenn sich einfach alle selbst „lockdownen“ würden. Aus purer Rücksicht auf die Geimpften, dass sich die doppelt Immunisierten nicht bei den Impfverweigerern anstecken. Gesundheitsminister Spahn hatte diesbezüglich wohl schon eine Vorahnung und lehnt deswegen nach wie vor die Debatte über eine Impfpflicht im Gesundheitswesen ab. Laut unserer Gesetzeslage darf in Deutschland niemand zum Arbeiten gezwungen werden, verhungern lassen darf man die Menschen ebenfalls nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass die Ungeimpften nicht mehr lange das Feindbild der Politik wären.

Natürlich könnte ich die Zahlen wiederholen, wie gering der tatsächliche Anteil der Coronapatienten im Jahr 2020 in deutschen Kliniken war, wie sich die Zahl der Intensivbetten kontinuierlich – mitten in einer Pandemie – verringert hat, wie hoch die steigenden Zahlen der sogenannten Impfdurchbrüche sind, wie viele Corona-Tote in den vulnerablen Gruppen Ü60 vollständig geimpft waren…  Ich lasse es. Es ist alles hundertfach veröffentlicht. Jeder, der es wissen will, weiß es.

Die einzige Lösung, die fair wäre und tatsächlich dem Infektionsschutz gerecht würde, wären Tests für alle unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus. Unter diesen Umständen könnte man auf alle weiteren Maßnahmen verzichten, da alle negativ Getesteten gesund und alle positiv Getesteten in Quarantäne wären. Lösungen dazu wären online möglich, wenn sich jeder alle 2-3 Tage online kostenlos selbst testen würde (ohne Strafmaßnahmen im Fall eines positiven Tests befürchten zu müssen), hätte man die Infektionslage mit Sicherheit schnell im Griff und alle Menschen könnten wieder ein normales Leben führen.

Das Problem – wie erklärt man das Millionen Geimpften? Menschen, die sich vermeintlich ihre Freiheit mit den kleinen Piksen erkaufen wollten. Menschen die solidarisch sein wollten und nun bereits feststellen, dass die versprochene Immunisierung keine ist. Sonderrechte sind der einzige Weg, diese Menschen ruhig zu halten. Keine Tests und bei 2G keine Abstands- und Maskenpflicht. Wie verantwortungslos das ist, sieht man daran, dass auch „2G-Events“ immer wieder zu Ausbruchsherden werden.

Menschliche Größe zeigt sich auch darin, gemachte Fehler zugeben zu können. Das hat die Politik allerdings vollkommen verlernt. Einmal einen Weg eingeschlagen, gibt es nur ein „weiter so“. Auftauchende Fehler werden ignoriert, bestritten oder mit weiteren Fehlern überklebt. Haben zwei Impfungen nicht gewirkt, wird „geboostert“. Wer glaubt eigentlich das nach der dritten Impfung Schluss ist? Nachweisliche Verbreitungen des Virus durch Geimpfte werden mit dem Lockdown für Ungeimpfte bekämpft.

Ich bin sicher, dass auch gerade die meisten geschmähten Ungeimpften sich einer Lösung, die logisch, fair und für alle gleich ist, nicht verschließen würden. Mit dem jetzigen Weg verwandelt die Politik jedoch eine nicht unerhebliche Bevölkerungsgruppe in eine Radikalopposition, die vielleicht irgendwann verzeihen, aber ganz sicher nie vergessen wird. Die Politik muss sich schnellstmöglich besinnen. Wir sind nicht Geimpfte, Genesene und Verschwörungstheoretiker, wir sind ein Volk. Wer dazu gehört entscheidet nicht die Pharmaindustrie, sondern nur wir ganz allein.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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