Gescholten, gedemütigt, gegängelt – Das „3G“ für Ungeimpfte

Formal betrachtet mag die Impfung freiwillig sein, rein praktisch wendet die Regierung aber ein „3G“ an, von dem sie nicht offen spricht. Lautet das offizielle 3G-Credo: „geimpft, genesen, getestet“, gibt es für Ungeimpfte ein spezielles 3G: „gescholten, gedemütigt, gegängelt“.

Gescholten:
Wer sich, aus welchen Gründen auch immer, gegen eine Impfung entscheidet oder gar ausspricht, muss zunächst mit einem rechnen: Er wird gescholten. So beginnt die erste Stufe des moralischen Drucks. Man stellt die Personen für ihre Entscheidung in eine Ecke, aus der heraus sie ihre Entscheidung möglichst direkt widerrufen sollen. Selten jedoch werden Menschen überzeugt, indem man sie scheltet.

Gedemütigt:
Mit der Diskussion um besondere Beschränkungen oder gar einen Lockdown nur für Ungeimpfte nahm die Entwürdigung Ungeimpfter ein neues Ausmaß an. Dass Nicht-Geimpfte eine Infektion mit Corona als selbstbestimmtes Lebensrisiko einzugehen bereit sind, wird nicht akzeptiert. Es soll keine „Pandemie der Ungeimpften“ geben, ganz egal, dass Geimpfte vor den Ungeimpften grundsätzlich geschützt sind und Ungeimpfte ihr Corona-Risiko selbst tragen wollen. Wo also auch kindische Lockversuche mit Bockwurst und Gutschein nicht zum Impf-Erfolg führen, soll für Ungeimpfte das Recht zur gesellschaftlichen Teilhabe gegebenenfalls eingeschränkt werden. Besonders mit der Diskussion um „2G“ geht eine Demütigung einher. Ungeimpfte sollen strukturell ausgegrenzt werden, damit sich ihre Bereitschaft zur Impfung erhöht. Selten jedoch überzeugt man Menschen, indem man sie demütigt.

Gegängelt:
In was aber mündet diese Situation? Die Antwort: In eine Gängelung. Sollte 2G eintreten, wäre die  Ansage an den Bürger wie folgt: „Sie wollen Ihre grundgesetzlich verbrieften Rechte zurück? – Dann müssen Sie sich impfen lassen.“ Damit ist jede behauptete Freiwilligkeit hinfällig, denn ein Leben im Zustand einer teilweisen Entrechtung ist eine Zumutung. Das wissen wir nach Monaten der Lockdowns eigentlich alle. Selten jedoch überzeugt man Menschen, indem man sie gängelt. Es verstärkt stattdessen Vorbehalte und Misstrauen. Ein „3G“ für Ungeimpfte im Sinne von „Gescholten, Gedemütigt, Gegängelt“ wird nur eins erzeugen: Noch mehr Zweifel an den ohnehin umstrittenen Entscheidern und ihrer ebenso umstrittenen Corona-Politik.

Folgerung:
Die zunehmend stagnierende Impf-Kampagne leidet nicht an grundsätzlich „renitenten“ Bürgern, sondern vor allem an einer Politik, die über die gesamte Corona-Krise immer mehr Vertrauen verspielt hat und beim Impfen das fehlende Vertrauen nun mit dem Holzhammer einfordert. Bürger, die unsicher sind, wie sehr sie neuartigen Impfstoffen mit bedingter Zulassung vertrauen, werden von Politikern bedrängt, die ihrerseits schon zu viel Vertrauen verspielt haben. Das schadet der Impfkampagne mehr als es ihr nutzt. Das grundsätzliche Misstrauen gegenüber einer als unfähig und unehrlich empfundenen Regierungspolitik projiziert sich negativ auf das offensive Impf-Marketing. Ganz davon ab: Wenn man von einer freiwilligen Impfung spricht, ist zu akzeptieren, dass Menschen frei und selbstbestimmt entscheiden, ob sie sich der Behandlung unterziehen.

Erhält der Bürger das Gefühl, die Politik ist unstimmig, widersprüchlich und sogar überzogen, muss sich die Politik fragen, warum sie genau auf diese Weise wahrgenommen wird. Statt also Ungeimpfte zu schelten, demütigen und zu gängeln, ist die eigentliche Frage, warum unsere CDU-SPD-geführte Regierung so wenig überzeugt – das liegt meines Erachtens an dieser Regierung und ihren Mitgliedern selbst. Es wäre eine Frage, der man im Rahmen des Bundestagswahlkampf durchaus stärker nachgehen könnte.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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