Gil Ofarim: Antisemitismus war bis 1945 links

Linke Historiker hören es nicht gerne: aber der deutsche Antisemitismus ist untrennbar mit dem deutschen Antikapitalismus verbunden. Seit jeher hasst man hierzulande Reiche und Kapitalisten, und hasste deshalb Juden. Denn bis 1945 galten sie als Sinnbild für Reichtum und Materialismus.

Die vermeintlich antisemitische Beschimpfung des Sängers Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel sorgt für Entsetzen. Schon bringen sich die ersten Schreihälse in Position, um lautstark vor der Gefahr durch Nazis zu warnen. Tatsächlich sollten sie besser vor der eigenen Türe kehren.

Martin Luther – ein lupenreiner Nazi?

Vom Boulevard wird er als „deutscher Gigant“ besungen, als „Erfinder der Deutschen“ gepriesen. Und tatsächlich: deutscher als Luther konnte man nicht sein. Denn Luther war glühender Antikapitalist – und glühender Antisemit.

„Siebenmal höher als Diebe sollte man sie hängen“, die jüdischen Wucherer; sie zu „harter körperlicher Arbeit“ zwingen, schrieb er. Sie, die Juden, die „von Silbersucht befallen“ seien. In seiner linken Hetzschrift „Von den Juden und ihren Lügen“ schreibt Luther 1543:

„Die Juden lassen uns arbeiten und schwitzen,

um Geld und Gut gewinnen,

sitzen derweil faul hinter dem Ofen,

braten Birnen, fressen, sauffen und leben gut

von unserm erarbeiteten Gut,

halten uns mit verfluchtem Wucher als Gefangene.“

Arte und die Weltverschwörung

Luther singt das alte Lied der deutschen Linken. Sie, die wackeren Arbeiter, wären ganz unten – ausgebeutet von den feinen Herren, ganz oben. Wobei „die feinen Herren“ für die Mehrheit der Bevölkerung bis 1945 die Juden waren. Oder Herrscher, die auf der Soldliste reicher Juden und „ihrer“ (Finanz-)Konzerne stünden.

Globale Konzerne, die nationale Regierungen unter Druck setzen, um die werktätigen Massen auszubeuten? Das erinnert fatal an den Hass marxistischer Organisationen wie Attac, Linke und Co. Oder an linke „Aufdecker-Filme“. So hetzt der Film „Blackrock – die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns“ des linken TV-Kanals arte bewusst gegen jene Banker, die angeblich die Welt beherrschten. Und stellt sie als Verbrecher im Stil der 1930er dar: mit Frack, Zylinder und fetter Zigarre. Anders wäre man das Thema 1933 auch nicht angegangen. Zumal Blackrock v.a. von Juden gegründet wurde und noch heute geleitet wird.

Karl Marx – der Jude als Antisemit

Kein Wunder, dass es ein Antisemit wie Martin Luther (im ZDF-Ranking ) auf den zweiten Platz der „100 größten Deutschen“ schaffte. Knapp vor seinem Genossen Karl Marx (auf dem 3. Platz). Auch bei Marx scheint sich der pathologische Hass auf Reiche und Banken auf die geistigen Wahrnehmungskraft niedergeschlagen zu haben. Nur so ist es zu erklären, dass Marx reiche Juden über alles hasste – obwohl er selber einer erfolgreichen jüdischen Familie entstammte.

Für Sozialisten verkörperten Juden schon immer alles „Unmoralische“: Gier, Reichtum und Materialismus (das sie bevorzugt „bei anderen“ sahen – statt bei sich selber). In seiner linken, antisemitischen Hetzschrift „Zur Judenfrage“ vermischt Karl Marx 1843 gezielt Antikapitalismus und Antisemitismus:

„Welches ist der weltliche Grund des Judentums?

Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz!

Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher.

Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld!“

Das kam nicht nur bei der Masse der Proleten gut an – es versinnbildlichte die Einstellung vieler Sozialisten auch in den 1920er-Jahren. Genau dort holte Adolf Hitler sie ab.

Wie Hitler Deutschland hinter sich brachte

Hitler musste nichts anderes tun, als den antikapitalistischen Deutschen zu erklären, dass nicht die Banken, die Konzerne und die Aktionäre ihre Feinde wären. Nein, dass jüdische Banken, jüdische Aktionäre und jüdische Konzerne (wie die Rothschilds) sich gegen sie verschwört hätten, um Löhne zu drücken.

So schreibt Richard Coudenhove-Kalergi, Vordenker der Europäischen Union, 1935 in seinem Buch „Judenhass von heute“:

„Zunächst schuf der allgemeine Neid der vielen Armen … gegen die wenigen Reichen die sozialistisch-kommunistische Welle. Bald aber … leiteten die Führer der Rechten den allgemeinen Hass und Neid gegen die Reichen in einen besonderen Hass und Neid gegen die reichen Juden um“.

Das ist der Grund, warum Hitlers Ideologie im roten Deutschland so heftig zündete wie der berühmte Funke im Pulverfass.

Historiker: eher links als wahrheitsorientiert

Tatsächlich wird diese schlüssige Erklärung aber so energisch verheimlicht, als ginge es um die aktuelle Lageadresse des heiligen Grals. Der Grund ist traurig: Teile der sozialdemokratischen Geschichtsschreibung scheinen sich weniger der objektiven Aufklärung verpflichtet zu fühlen denn dem Bestreben, „ihre Ideologie“ nachträglich von Schuld reinzuwaschen.

Und so tischen uns die Historiker pure Märchen auf, wenn sie von einem christlichen Antisemitismus sprechen. Dass die Christen Juden gehasst hätten, weil diese „ihren Jesus“ gekreuzigt hätten.

In Wahrheit waren die meisten Christen Kleinbauern bzw. Handwerker und von Gutsherren und Juden abhängig. Das machte sie zu Antikapitalisten. Ihre kümmerlichen Erträgnisse hatten sie an jüdische Händler abzuliefern, die auf Jiddisch auch gerne mal die Preise absprachen (daher der Begriff „mauscheln“ – von „Moses“). Nur so konnten sie die hohe Pacht ihrer Verpächter aufbringen. Wenn sie oder Handwerker vor der Pleite standen, dann liehen ihnen nur mehr jüdische „Wucherer“ Geld – was sich noch heute auf den schlechten Ruf von Banken auswirkt.

Einen christlichen Antisemitismus als solches gibt es genauso wenig wie einen „religiösen Konflikt“ in Nordirland. Es geht immer um Wohlstand, Macht und politische Kontrolle.

Der Antisemitismus zündete in Deutschland, weil der Sozialismus (als Sozialdemokratie verniedlicht) das Land gegen Reiche, Banken und Kapitalismus aufgehetzt hatte – und Hitler seinen teuflischen Hebel genau hier ansetzen konnte.

Nun ist der Zweite Weltkrieg 76 Jahre her. Eine Demokratie (wenn man das rote Deutschland als solche bezeichnen möchte), könnte nun endlich eine ehrliche Diskussion über Judenhass starten.

Den Auslöser dafür könnte der Skandal um Gil Ofarim machen.

Ein Gastbeitrag von Steven Garcia. Der Berliner ist Romanautor und hat das Buch “Orwell 2024” veröffentlicht. Bitte beachten Sie hierzu die Werbeanzeige auf unseren Internetseiten.


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