„Gutes“ Geld ist Freiheit

Lassen Sie mich mit dem Begriff „Freiheit“ anfangen: Sowohl für Konservative, als auch für Liberale gehört Freiheit zu den bürgerlichen Rechten, aber Freiheit (lateinisch= Libertas) ist – wie wir in der aktuellen politischen Lage erleben müssen – nicht selbstverständlich. Die allgemeingültigste Begriffsbestimmung dürfte die Möglichkeit sein, ohne Zwang zwischen allen Möglichkeiten auszuwählen.

Komplexer wird es, wenn Immanuel Kant von negativer und positiver Freiheit spricht. Für die alten Griechen war Freiheit ein Privileg der Oberschicht. Für Walter von der Vogelweide waren die Gedanken frei. Friedrich August von Hayek war als klassischer Liberaler für ökonomische Freiheiten und für den Esoteriker Rudolf Steiner ist Freiheit zunächst einmal die Freiheit der Gedanken. In unserem Grundgesetz finden wir den Begriff der Meinungsfreiheit. Unser BGB kennt den Begriff der Vertragsfreiheit und in meinem Testament habe ich meinen freien Willen aufgeschrieben.

Nun zum zweiten Begriff in der Überschrift. Was ist “Geld”? Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Die Tauschmittelfunktion ist die einzige Funktion, die Geld ausübt. Dies ist die wichtigste Erkenntnis, weil meist auch die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion genannt wird, die Geld ebenfalls erfüllt. Ware wird gegen Geld und Geld gegen Ware getauscht. Geld ist also ein Gut, wie jedes andere Gut auch, lässt sich aber einfacher eintauschen als Kamele, Schweinehälften oder Goldbarren etc.

Das freie Marktgeld haben sich unsere Obrigkeiten natürlich nicht ewig angeschaut, denn Gold und Silber bedeuten Freiheit für die Untertanen und waren für den Staat, der z.B. einen Krieg führen oder viele Beamten besolden will, nicht beliebig verfügbar. Also kam – um ein Beispiel für ein Papiergeldsystem zu nennen – ein Schotte namens Law im 18. Jahrhundert auf die Idee, das auf Gold und Silber basierende Währungssystem Frankreichs zu ersetzen, indem er das Papiergeld einführte. Wie dieses und bisher jedes andere ungedeckte Papiergeldsystem endete, ist bekannt: im Desaster.

Damit bin ich schon beim Euro angekommen. Auch der Euro ist Zwangsgeld, welches von den Markteilnehmer angenommen werden muss, also gesetzliches Zahlungsmittel. Und natürlich hat auch die schwelende Eurokrise ihre Ursache in unserem Papiergeldsystem. Der Euro wird von den Zentral- und Geschäftsbanken aus „dünner Luft“ geschöpft.

Bis 1971 galt in der westlichen Welt das System von Bretton Woods. Es zeichnete sich durch 3 Merkmale aus:

1. Gold-Devisen-Standard

2. Feste Wechselkurse

3. Konvertibilität der Währungen

Das System von Bretton Woods sah vor, dass 35 US-Dollar gegen eine Goldunze eintauschbar und die übrigen Währungen mit einem festen Tauschkurs an den Dollar gebunden waren.

Richard Nixon hat vor 50 Jahren, am 15.8.1971, den Goldanker des Dollars gekappt und das sogenannte „Goldfenster“ geschlossen. Seitdem ist nicht nur der US-Dollar ohne Anker. Der Weg war frei für ein entfesseltes, ungedecktes Papiergeldsystem. Ohne eine ständig wachsende Geldmenge, die sich immer weiter von den realen Gütern und Dienstleistungen entfernt, könnte der Staat sich nicht immer weiter verschulden und könnten in der Welt kaum noch Kriege geführt werden, weil den Staaten das Geld dafür fehlte.

Wer Geld gibt steht über dem, der Geld nimmt.

In unserem Geldsystem ist Geld = Schuld. Wer Geld nimmt wird zum Schuldner. Für die Schulden des Staates sind wir alle, die Schuldner und die Zinssklaven, verantwortlich. Was eigentlich jeder weiß wird ständig verdrängt: der Staat sind wir Staatsbürger, also sind wir nicht nur Bürger, sondern Bürgen auch für die Verpflichtungen des Staates. Seriöse Berechnungen gehen von über 8 Billionen Euro Schulden aus, die Deutschland inkl. aller Zahlungsverpflichtungen hat. Das sind für jeden von uns über 100.000 Euro. Wer soll das jemals tilgen?

Das Problem aller Probleme sind die Zentralbanken, denn diese steuern die Geldmenge und damit die Schulden. Mit der Verschuldung tritt automatisch die mathematische Grundregel des Zinseszinses in Kraft, und diese kann kein Politiker und keine Zentralbank außer Kraft setzen. Ein Reset, also Währungsreformen sind unvermeidbar und das gilt auch seit Jahr 1971, als man die Geldbindung an Gold abgeschafft hatte. Die Währungsreform-Perioden liegen international im Schnitt zwischen 45 und 65 Jahren. Wir Deutschen dürfen also davon ausgehen in den kommenden Jahren die dritte Währungsreform nach 1923 und 1948 zu erleben. Allerdings ist die Fallhöhe diesmal wesentlich größer.

Wer Freiheit sagt, der muss auch Marktgeld sagen. Das ungedeckte Papiergeld muss weg. Wir brauchen gutes Geld und ein Bankensystem, in dem das Einlagengeschäft sauber vom Kreditgeschäft getrennt ist. Wir müssen vor allem die Zentralbanken als Geldmonopolisten abschaffen, damit die Geldschöpfung aus dem Nichts (Fiat-Money) mit all ihren schlimmen Folgen der Vergangenheit angehört. Ob sich dann Gold, Silber, Bitcoins, Vollgeld oder irgendwas anderes als Mittel zum Tausch von Gütern und Dienstleistungen durchsetzen, wird sich zeigen, aber eines ist jetzt schon klar: Gutes Marktgeld wird keine staatliche Rettungspolitik, keine Bürgschaften zu Lasten unserer Sparguthaben und unserer Zukunft und damit keine Bürger brauchen, die ohne Ihren freien Willen von ihren sogenannten Volksvertretern zu Schuldsklaven des Staates gemacht werden. Deshalb ist gutes Geld auch Freiheit. Und zur Freiheit gehört natürlich auch Bargeld.

Was wir nicht brauchen ist eine Weltwährung, denn die führt zu einer Weltregierung und damit zur Unfreiheit. Was wir auch nicht brauchen ist ein Geldsystem nach den Vorstellungen von Rudolf Steiner (den sich die junge Partei dieBasis als Vordenker gewählt hat). Zu den Kernpunkten seiner sozialen Dreigliederung gehört in letzter Konsequenz die Herstellung einer brüderlichen Weltwirtschaft und damit der Verlust an staatlicher Souveränität. Was wir jedoch brauchen ist ein demokratisches und souveränes Geld.

„Falls das amerikanische Volk jemals die Kontrolle über die Herausgabe ihrer Währung auf Banken übertragen sollte, werden diese und die Firmen, die sich um sie bilden, unter dem Einsatz von Inflation und Deflation, dem Volk solange ihr Eigentum wegnehmen, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent, den ihre Väter einst in Besitz nahmen, aufwachen. Die Herausgabe von Geld soll von den Banken weggenommen werden, und zurück auf den Kongress und das Volk übertragen werden. Ich glaube aufrichtig, dass Banken, mit dem Recht Geld herauszugeben, gefährlicher für die individuellen Freiheitsrechte sind als eine stehende Armee.“

Thomas Jefferson, 3. Präsident der USA

Mit unserem Geldsystem, welches von einer Finanzelite kreiert wurde, stimmt einiges nicht. Wer Geld aus dem Nichts erzeugen kann, wie es die private FED oder jede Bank bei der Vergabe von Krediten tut, lässt andere für sich arbeiten und sammelt immer mehr Reichtum und damit Macht an. Die private Geldschöpfung ist auch ein wesentlicher Baustein des Euro. Gem. Art 20 Abs. 2 GG geht alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Daraus folgt: die Geldschöpfung ist ein Kernelement staatlicher Souveränität und gehört nicht in die private Hände, denn die haben andere Interessen als das Allgemeinwohl.

Unser Finanzsystem ist instabil und ca. 95 Prozent des umlaufenden Geldes dient nicht der Bezahlung von Gütern oder Dienstleistungen, sondern zum Zocken an den Börsen dieser Welt. Nur unser Bargeld wird von der Zentralbank erzeugt, aber 87 Prozent unseres umlaufenden Geldes erzeugen Geschäftsbanken nach ihren eigenen Profitinteressen. Das Welt-Bruttosozialprodukt beträgt ca. 85 Billionen USD, aber rund 1.500 Billionen USD werden an den weltweiten Derivaten-Märkten, also zum Spekulieren investiert. Das allermeiste Geld dient also der Finanzspekulation und nicht dem Wohl der Bürger. Aber es gibt Lösungen, wie Geld wieder für das Gemeinwohl gestaltet werden kann. Egal ob Bargeld, privates Giralgeld, digitales Zentralbankgeld oder Krypto-Währungen wie Bitcoins als mögliches Geld: aus Sicht der Bürger müssen alle Geldmöglichkeiten rechtssicher, stabil, ausfallsicher und vor Partikularinteressen geschützt sein.

Souveräne Geldschöpfung wurde in der Geschichte nur durch Revolutionen möglich, womit wir bei den Grenzen des Art 20 unseres GG wären. Beim Thema Geld geht es hoffentlich um eine friedliche Revolution, denn freiwillig wird die Finanzelite ihre Macht, Geld zu schöpfen, nicht hergeben. Der Standardfall ist, dass eine Nation ihre eigene Währungseinheit besitzt. Die Europäische Währungsunion ist die Ausnahme und die Probleme die es gibt, wenn Währung und Nation voneinander getrennt sind, erleben wir seit einem Jahrzehnt unter der Überschrift Eurorettung. Deshalb sollten wir zurück zu einer nationalen Währung. Die deutsche Bundesbank braucht einen klaren Handlungsrahmen, der von demokratisch gewählten Gremien kontrolliert werden muss.

Selbstverständlich ist ein offen geführter Diskurs unabdingbar, denn die Ausgestaltung eines neuen Geldsystems ist ein wesentlicher Bestandteil einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Die Änderung unseres Geldsystem bedarf einer demokratischen Entscheidung, denn Geld hat dem Wohle der Allgemeinheit und nicht den Interessen von einer Finanzelite zu dienen. Am Ende einer öffentlichen Debatte muss ein Volksentscheid über ein sozial gerechtes, demokratisches und souveränes Geld stehen.

Ein Gastbeitrag von Gerhard Bartel.


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