Islamischer Antisemitismus muss ebenso wie rechtsextremer Antisemitismus bekämpft werden

Die Ereignisse dieser Woche, bei denen angeheizt von den Ereignissen zwischen Israel und Gaza mitten in Deutschland Juden und Synagogen bedroht wurden, Hass-Demonstranten „Scheiß Juden“-Rufe skandierten und Israelfahnen verbrannt wurden, machen erneut betroffen. Das Problem antisemitischer Einstellungen innerhalb des Islam muss endlich als solches benannt werden dürfen, ohne dass es sofort zu pauschalen Vorwürfen vermeintlicher „Islamophobie“ kommt. Es braucht dieselbe Klarheit, mit der auch rechtsextreme Übergriffe verurteilt werden.

Blicken wir zurück auf den Oktober 2019. An Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte Stephan B., bewaffnet in eine Synagoge zu gelangen. Der massiven Holztür ist zu verdanken, dass es innerhalb der Synagoge nicht zu einem Blutbad kam. Aus Frustration erschoss B. dann zwei Menschen außerhalb der Synagoge. Stephan B. hatte sich losgelöst von bekannten Strukturen im Netz radikalisiert. Er vertrat rechtsextreme Einstellungen. Die Schreckensereignisse von Halle wurden daher auch – richtigerweise – als rechtsextreme Tat aufgearbeitet.

Die klare Benennung solcher Kontexte ist wichtig, denn sie führt zu einem Problembewusstsein. Das Problembewusstsein führt wiederum dazu, dass sich eine Gesellschaft besser gegen problematische Entwicklungen schützen kann. Entsprechend folgte nach der Tat auch eine umfassende gesellschaftliche Diskussion, was man denn tun könne, um der Gefahr solcher rechtsextremen Entwicklungen zu begegnen. Das ist notwendig und richtig.

Während jedoch bei Antisemitismus, der aus rechtsextremen Motiven erwächst, das Problemfeld Rechtsextremismus diskutiert wird, diskutiert man Israelhass und Antisemitismus, der von Muslimen ausgeht, oft völlig losgelöst von dem Problemfeld des Islamismus. Dabei hat auch diese Ausprägung des Antisemitismus Ursachen, die die Gesellschaft in den Blick nehmen und gegen die sie sich stellen sollte.

Es geht dabei wohlgemerkt nicht um gefährliche Pauschalurteile. Es war unangebracht, nachfolgend der Schreckenstat von Halle kurzerhand die AfD zum Schuldigen zu erklären (wie es leider auf Kundgebungen in Hannover und andernorts geschah). Ebenso ist es auch unangebracht, pauschal Muslime oder den Islam für Judenhass, brennende Israel-Fahnen und Steinwürfe auf Synagogen verantwortlich zu erklären. Statt gefährlicher Kurzschluss-Behauptungen braucht es eine klare Einordnung, wie es zu extremistischen Einstellungen kommt. Es braucht eine sachliche Debatte, um Ursachen zu verstehen. Davon ausgehend lassen sich Strategien der Prävention entwickeln. Was für rechtsextremen Antisemitismus gilt, gilt auch für islamischen Antisemitismus: Er muss bereits in seiner Entstehung bekämpft werden.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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