Ist der Begriff Mohrenkopf rassistisch?

Kürzlich um 07.15 Uhr in der Bäckerei meines Vertrauens: „Ich hätte gerne zwei Mohnbrötchen“, nuschele ich noch etwas verschlafen der Verkäuferin entgegen. Während sich die freundliche Bedienung von mir abwendet, um die Semmel in die Tüte zu packen, schweift mein Blick durch die angeschrägte Glasscheibe des Verkaufstresens an den Kuchenblechen vorbei und stoppt direkt vor zwei schokoladenüberzogenen Schaumwaffeln. „Und ich nehme noch bitte die beiden Mohrenköpfe dazu“, sage ich eilig, bevor die Verkäuferin gerade zur Kasse gehen will.

Leicht schockiert schaut mich die junge Bedienung an, beugt sich etwas über den Tresen in meine Richtung und flüstert mir fast belehrend durch ihre Gesichtsmaske zu: „Herr Böger, das sagt man aber nicht mehr. Das sind doch jetzt Schaumküsse“. Perplex schaue ich erst die Verkäuferin, dann die unschuldigen Mohrenköpfe an. „Wie bitte? – Wissen Sie eigentlich, wer der Namensgeber dieser leckeren Süßspeise war?“ frage ich verdutzt.

Dann beginne ich mit einem Schnelldurchlauf in biblischer Geschichte: „Ursprünglich war der Mohrenkopf das Portrait des Heiligen Mauritius. Dieser wurde auch St. Maurice, Moritz oder schlichtweg Mohr genannt und lebte im 3. Jahrhundert. Als Anführer der Thebanischen Legion Roms weigerte er sich, Christen ihres Glaubens wegen zu töten. Diese Weigerung wurde ihm zum Verhängnis, er wurde ermordet. Mauritius war Afrikaner. Sein dunkles Konterfei ziert als Standbild den Magdeburger Dom. Und im Wappen des Bistums München und Freising ist er als Schutzheiliger abgebildet, als solcher ist er auch in das Wappen Papst Benedikt XVI. gewandert. Da er auch als Heilkundiger galt, wurde er zum Patron der Apotheker. Heute erinnern Moritzkirchen, Moritzapotheken oder Mohrenapotheken an den mutigen Afrikaner, der sich der Christenverfolgung entgegenstellte. Auch der Mohrenkopf als Gebäck ist von dieser Tradition abgeleitet. Und nun hätte ich gerne von Ihnen gewusst, aus welchem sachlichen Grund ich bei dieser Süßspeise den ehrbaren Namensgeber verschweigen sollte?“

Stille in der Bäckerei. Selbst die Bauarbeiter mit ihren Mettbrötchen in der Tüte, deren Duft sich langsam im Verkaufsraum verteilt, lauschen bedächtig meinen Ausführungen und grinsen zustimmend unter ihrer Gesichtsmaske, was man an den kleiner werdenden Augen erkennen kann.

Und ich fahre fort: „Man muss sich in biblischer Geschichte nicht auskennen. Aber die Kombination von Unwissenheit und moralischem Überlegenheitsgetue, wie sie insbesondere von linken Parteien im Streit um den Namen Mohrenkopf an den Tag gelegt wird, ist unerträglich und auch der Geschichte unwürdig. Es ist daher wichtig, nicht alles unbedacht zu konsumieren, sondern kritisch zu hinterfragen und selbst zu recherchieren. Und jetzt hätte ich bitte gerne die beiden Mohrenköpfe dort aus der Auslage.“


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