Kein Abschluss aber anderen Vorschriften machen

Die meisten auch nur halbwegs politisch interessierten Menschen kennen Frau Katrin Göring-Eckardt und Herrn Paul Ziemiak. Die eine ist Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Der andere bekleidet die Funktion des Generalsekretärs der CDU Deutschlands und ist ebenfalls Mitglied des Deutschen Bundestages. Zwei wichtige Gemeinsamkeiten einen diese beiden auf den ersten Blick doch recht unterschiedlichen Persönlichkeiten. Als Mitglieder des Deutschen Bundestages beziehen sie jeweils annähernd fünfstellige monatliche Diäten, finanziert durch die Steuerzahler. Die Funktion als Fraktionsvorsitzende dürfte wohl noch einen recht passablen Zuschlag einbringen. Darüber hinaus werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam in der nächsten Regierungskoalition auf Bundesebene die Geschicke Deutschlands gestalten.

Doch da gibt es noch eine dritte Gemeinsamkeit. Weder Katrin Göring-Eckardt noch Paul Ziemiak verfügen über irgendeinen Berufsabschluss. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen hat ihr Theologiestudium ohne Abschluss beendet. Der Generalsekretär der CDU hat weder sein Jura-Studium noch den Studiengang Unternehmenskommunikation beendet.

Obgleich recht prominent sind beide Herrschaften keine Einzelfälle. Über Staatsministerin Annette Widmann-Maunz (CDU) kann man auf den Seiten des Deutschen Bundestages lesen: „…vor dem Abschluss vollkommen der Politik zugewandt“. Im September 2021 wird wohl ein gewisser Kevin Kühnert für die SPD in das höchste Deutsche Parlament einziehen. Auch dieser Student hat die Universität ohne Abschluss verlassen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Der Autor erwartet von niemandem eine Hochschulausbildung, um ihn für befähigt zu halten, als Volksvertreter zu wirken. Jedoch irgendeine abgeschlossene Ausbildung oder ein von der Politik unabhängiges Berufsleben darf schon gefordert werden. Diese Leute erhalten nicht allein eine fürstliche Entlohnung. Sie entscheiden auch tagtäglich über das Schicksal unseres Landes und über unsere ganz persönliche Lebensführung. Corona-Maßnahmen, der sogenannte Klimaschutz, Energiewende, Steuern, Abgaben – dies alles sind Entscheidungen von unmittelbarer Bedeutung für jeden Bürger in Deutschland.

Eine abgeschlossene Berufsausbildung zeigt zum einen, dass die Person über ein recht hohes Maß an Disziplin verfügt. Sie hat ein wichtiges Projekt auch erfolgreich zu Ende gebracht. Darüber hinaus garantiert eine eigenständige Erwerbsbiografie, also Berufserfahrung außerhalb der Politik dem Abgeordneten Unabhängigkeit. So mag der Verlust eines Bundestagsmandats persönlich schmerzen, er bedeutet jedoch nicht das Ende des Broterwerbs.

Zum anderen versteht ein Bundestagsabgeordneter beispielsweise die Konsequenzen einer weiteren Regulierung des Arbeitsmarktes wohl besser, wenn er selbst die Arbeitswelt außerhalb der Blase Politik einmal kennengelernt hat. Bundestagsabgeordnete und Regierungspersonal sind die Angestellten der Steuerzahler in Deutschland. Von ihnen sollte man ein Minimum an Qualifikation erwarten können. Kein Arbeitgeber würde schließlich in seinem eigenen Unternehmen einen Ungelernten einstellen und sich dann von ihm sagen lassen, wie er den Betrieb zu führen hat.


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