Kestner ehrt Graf von Stauffenberg

Anlässlich des Jahrestages der nationalen Erhebung am 20. Juli 1944 in Deutschland ist es geboten, dass wir des Obersts Graf von Stauffenberg gedenken und ihn zu ehren.

Der Befehlshaber der Wehrmacht in Polen, Generaloberst Johannes Blaskowitz, beschwerte sich am 6. Februar 1940 schriftlich über die Terroraktivitäten von SS und anderen NS-Organisationen in dem besiegten und besetzten Land: „Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten verlangen und sie in der Öffentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewalttätige. Überraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich Angekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und pathologischen Instinkte auszutoben. Es besteht kaum noch die Möglichkeit, sie im Zaum zu halten, denn sie müssen sich mit Recht von Amtswegen autorisiert und zu jeder Grausamkeit berechtigt fühlen.“

Hitler löste Blaskowitz daraufhin von seinem Posten ab. Aber das Schreiben zog in der Wehrmacht weite Kreise, denn es machte erstmals einem Kreis von Offizieren der Wehrmacht deutlich, dass Hitlers Kriege keine herkömmlichen Kriege sein würden. Sebastian Haffner hat festgestellt, dass Hitler eben nicht nur ein Eroberer wie Attila der Hunnenkönig oder Napoleon war, sondern auch einen Platz in der Kriminalgeschichte neben dem Frauenmörder Kürten oder dem Knabenmörder Haarmann hat. Was diese „handwerklich“ betrieben, realisierte Hitler industriell. Hitler steht in keiner deutschen Tradition. Die Geschichte kennt keinen Vorgänger und keinen Nachfolger. Seine Erscheinung ist singulär. Insbesondere mit der Ethik des deutschen und besonders des preußischen Militärs war Hitlers Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen. Das betraf das Verhältnis zu den Juden, die in Preußen eine staatstragende Funktion hatten und sich als besonders eifrige Patrioten erwiesen. Einige blieben das sogar nach dem Holocaust. Der Entertainer Hans Rosenthal, der Journalist Gerhard Löwenthal oder der Universitätslehrer Hans-Joachim Schoeps sind nur drei von vielen. Nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 konnte Hitler nur eine politische Gruppierung in Deutschland wirklich gefährlich werden. Das waren die Konservativen. Die nationale Erhebung des 20. Juli 1944 zeichnet ein Bild der anständig gebliebenen Deutschen in den dunklen Jahren der Nazi-Herrschaft, um unserem Volk einen Rest von Menschlichkeit, Aufrichtigkeit und Mut zu bewahren. Ohne von Stauffenberg wäre es schwer, deutscher Patriot zu sein. Gerade weil von Stauffenberg ein bürgerlicher Patriot war, dürfen wir sein Andenken nicht den Deutschland-Hassern überlassen. Gewiss gab es andere Versuche, Hitler zu beseitigen, wie der im Bürgerbräukeller 1939. Aber sie litten neben ihrer Erfolglosigkeit unter dem Mangel, dass es keinen Plan gab, wie es danach weitergehen sollte. Was wäre „gewonnen“ gewesen, wenn Heinrich Himmler Adolf Hitler als „Führer“ gefolgt wäre? Vermutlich nichts.

Nur der Plan Henning von Tresckows und des Grafen von Stauffenberg versprach deswegen Erfolg, weil mit der Tötung des Tyrannen der notwendige Staatsstreich einhergehen sollte, der Deutschland wieder eine annehmbare politische Führung gegeben hätte. Beide sprangen – als Konservative – auch über den eigenen politischen Schatten. Sie hatten dafür Sorge getragen, dass Sozialdemokraten, Liberale, Gewerkschafter, Zentrumskatholiken und wer sonst noch damals in Deutschland gesellschaftliche Gruppen repräsentierte, an der neuen Regierung beteiligt werden sollten. Über die ungewissen Erfolgsaussichten des Attentates waren sich Tresckow und von Stauffenberg durchaus klar. Tresckow sagte dazu: „Das Attentat muss erfolgen, coûte que coûte. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem in Berlin gehandelt werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig.“

So waren es in erster Linie moralische Motive, welche die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 zum Handeln bewegten. Eine klare Trennlinie gab es: zum Landesverrat. Dieser kam nicht in Betracht. Die Bundeswehr hat sich bei ihrer Aufstellung auf kriegserfahrenes Personal gestützt. Eine positive Einstellung der Bewerber zum 20. Juli 1944 war ein entscheidendes Einstellungskriterium. Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus zu leisten war immer eine Entscheidung, die nur allzu oft tödlich endete. Der Betreffende ging ein hohes Risiko für sein eigenes Leben ein.

Von Stauffenberg erfährt heute von diversen Akteuren Ablehnung. Zum einen sind die linksextremen Antideutschen zu benennen, die versuchen, ihn und seine Tat mit zusammengeklaubten Lügen, Halb- und Viertelwahrheiten zu besudeln. Brüder im Geiste sind die alten und die neuen Nazis, die – auch wenn einige Medien versuchen, einen anderen Eindruck zu erwecken – politisch unbedeutend sind. Mit solchen Personenkreisen kann es keine Gemeinsamkeiten geben. Da darf es auch keine Kompromisse geben. 

Ein Gastbeitrag von Jens Kestner. Er ist Mitglied des Bundestags und AfD-Landesvorsitzender in Niedersachsen.


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