Kieler Panzer-Posse: Ohne Ketten und im Keller gen Russland?

Bild von Hands off my tags! Michael Gaida auf Pixabay

In Kiel steht derzeit ein älterer Herr vor Gericht, dessen Sammelleidenschaft für militärisches Großgerät einer Staatsanwältin wohl ein Dorn im Auge war.

Schon die vor sechs Jahren bundesweit für Schlagzeilen sorgende “Bergungsaktion” war mehr als fragwürdig. Damals rückte die Bundeswehr an, um mit großen Aufwand und Kosten unter anderem einen 40 Tonnen schweren “Panther”-Kampfpanzer aus dem Kellergeschoß des scheinbar sehr geräumigen Wohnhauses des Besitzers zu verbringen. Der Einsatz der Bundeswehr wurde damals mit einem Amtshilfeersuchen der örtlichen Polizei begründet, private Unternehmen wäre dazu angeblich nicht in der Lage gewesen.

Bereits damals stellte man sich als noch halbwegs in vernünftigen Kategorien denkender Mensch die Frage, wozu man einen in einem Keller deponierten Stahlkoloss, zu dessen Bergung nur die Bundeswehr in der Lage sein soll, nicht einfach hat an Ort und Stelle hat belassen können.

Hat da womöglich dem Amtsschimmel den Bürokratiehengst zugewiehert, dass man befürchtet, dass der betagte Eigentümer sich in seinen Panzer setzt, den Motor anlässt und damit in seinem Keller bis nach Russland fährt? Und zwischendrin den unbrauchbar gemachten Verschluss ersetzt, das Rohr mit einer nicht erhältlichen Panzergranate lädt und dann, immer noch im heimischen Keller “fahrend”, das Feuer eröffnet? Das Ganze auch noch ohne Ketten?

Oder hatte man gar die Befürchtung, dass der Sammler einen privaten Bergungsdienst beauftragt, in einer Nacht- und Nebelaktion den Panther still und heimlich weg zu schaffen? Einen privaten Bergungsdienst mit der Fähigkeit zum Panzerbergen, den es ja laut Bundeswehr überhaupt nicht gibt und weswegen ja extra das Militär anrücken musste…

Wahrscheinlich muss man Oberstaatsanwältin in Kiel oder Staatssekretär im Verteidigungsministerium sein, um die dem zu Grunde liegende Logik und Verschwendung von Steuergeldern nachvollziehen zu können.

Zurück zum Prozess. “War der Panzer aus dem Keller eines Senioren einsatzbereit?” titelte z. B. die “FAZ” über die Frage aller Fragen. Der vom Gericht bestellte Sachverständige eiert zumindest herum, um sich nicht festlegen zu müssen:

Und der Panzer mit dem verschweißten Patronenlager, dem fehlenden Verschlusskeil und dem ebenso fehlenden hydraulische Richtantrieb? Der Sachverständige formuliert es vorsichtig, schränkt ein und weicht aus, und doch wird klar, dass aus seiner Sicht aus dem Kanonenrohr wieder geschossen werden könnte. Wenn man nur will und es sich leisten kann. Der Richter will wissen, was so ein Panzer dann noch leisten könnte. „Wenn ich damit schießen kann, dann hat das auch Wirkung“, sagt der Sachverständige.

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/panzer-im-keller-eines-senioren-war-die-kriegswaffe-einsatzbereit-17383063.html

Könnte. Wenn man will und es sich leisten kann.
Wenn das ein Grund für eine Verurteilung sein sollte, dann wird wohl demnächst jeder Besitzer eines Waschvollautomaten oder eine Kaffeemaschine vor Gericht landen. Denn wenn man will und es sich leisten kann, könnte man daraus auch bestimmt ganz wirkungsvolle Interkontinentalraketen oder Kampfhubschrauber bauen.

So bleibt abzuwarten, wie das Gericht entscheiden wird. Ob man ebenso hart urteilt wie bei den beiden kroatischen, mit einem Kofferraum voller scharfer Kriegswaffen und Munition erwischten Waffenschiebern “Militariahändler”, denen man saftige 1.000 Euro Strafe und zudem eine lange, zwölfmonatige Bewährungsstrafen aufbrummte.

Oder ob das Gericht doch eher Milde walten lässt wie bei dem deutschen Lehrer, dem eine einzelne, im Rahmen einer Waffenamnestie zur Polizei gebrachte Gewehrpatrone Dank das gnädig gestimmten Gerichts nur eine wohl eher symbolisch gemeinte Geldstrafe von nur 2.800 Euro einbrachte.

Es wird in jedem Fall spannend, wie das Gericht das Bedrohungsszenario durch einen kettenlosen Kellerpanzer mit unbrauchbarem Kanonenrohr ansehen wird.


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Über den Autor

Benedikt Krainz
Boomer, Sportschütze, Blogger, Hobby-Waffenlobby-Aktivist. Staatlich regelmäßig überprüft hinsichtlich Zuverlässigkeit, persönlicher Eignung und neuerdings Verfassungstreue.

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