Möchtegern-Belästigung

Laura Himmelreich kann mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, eine PionierIn der unappetitlichen „#Me Too“-Bewegung zu sein. Nachdem die damalige Mitarbeiterin des STERN sich das Vertrauen des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle erschlichen hatte, so dass er sie sogar im eigenen Auto zu Terminen mitgenommen hatte, machte sie sich am 24. Januar 2013 in dem „Magazin“ STERN mit angeblichen oder tatsächlichen „sexuellen Belästigungen“ wichtig. Wir erinnern uns: Das Blatt veröffentlichte 1983 gefälschte Hitler-Tagebücher. Damals war das noch ein Skandal. Heute geht man über Redakteure, die in Artikeln bewusst die Unwahrheit schreiben, wie beispielsweise der SPIEGEL-Journalist Claas Relotius, einfach hinweg.

Himmelreichs Aktion ist im Zusammenhang mit der Bundestagswahl vom 22. September 2013 zu sehen, bei der die FDP an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Weite Teile der Meinungsindustrie wollte damals eine rot-rot-grüne Mehrheit herbeischreiben.

Die 1883 in München geborene Himmelreich gehörte am 6. Januar 2012 zu dem engen Kreis von Journalisten, die beim traditionellen Dreikönigstreffen der FDP die Nähe des Bundeswirtschafts- ministers suchten und fanden. Brüderle habe ihr in die Bluse geschaut und bemerkt: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Diesen Satz skandalisierte Himmelreich. Anders als es in der CDU bei einem ähnlichen Vorfall zu erwarten gewesen wäre, solidarisierten sich fast alle führenden FDP-Politiker mit Brüderle. Wolfgang Kubicki sowieso, aber auch die links gestrickte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Wegen des Zusammenhaltes der Liberalen fand Himmelreichs Geschreibsel wenig Resonanz. Die „ZEIT“, die „TAZ“, die „Süddeutsche Zeitung“ – eben die Organe, von denen nichts anderes zu erwarten war, lobten Himmelreich. Das war‘s dann aber auch. 2016 ging sie angeblich freiwillig vom Stern weg. Dann wurde sie Chefin eines Lifestyle- und Jugendmagazins, das aber in Deutschland nicht gedruckt wird, sondern nur online verfügbar ist. Im Sommer 2019 war auch dort Schluss. Der US-Mutterkonzern Vice Media hatte Anfang des Jahres einen Sparkurs vorgegeben. „Auf eigenen Wunsch“ verließ Himmelreich Vice: „Für mich ist es jetzt ein guter Zeitpunkt, weiterzuziehen“. Wo sie recht hat, hat sie recht.


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