Öffentlicher AfD-Streit zwischen dem Bundestags-Spitzenduo und Parteichef Meuthen: Ein „Charakterkopf“ – Höcke ist auffallend ruhig

Im Jahr 2017 verließ die damalige Parteivorsitzende der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) Dr. Frauke Petry unmittelbar nach der Bundestagswahl die Partei. Zuvor zog die AfD erstmalig in den Deutschen Bundestag. Sie bildete sogleich die größte Oppositionsfraktion. Bereits zum damaligen Zeitpunkt war Prof. Jörg Meuthen ebenfalls Vorsitzender der AfD.

Vier Jahre später ereignen sich ähnliche Bilder. Wie Frauke Petry sitzt heute Jörg Meuthen sprachlos am Rande der Pressekonferenz der AfD. Prof. Meuthen wirft nicht hin. Der Streit innerhalb der AfD wird wie im Jahr 2017 öffentlich und damit auf offener Bühne ausgetragen.

AfD-Parteichef Meuthen wird mit der Bewertung des Bundestagsergebnisses seiner Partei so zitiert: Er spricht von „erheblichen Stimmenverlusten“. „Unter dem Strich wird man das als Erfolg nicht vermelden können“. Die AfD sei mit dem Slogan „Mut zur Wahrheit“ angetreten. Dazu gehöre es, „die Dinge nicht schön zu reden wie die Altparteien“.

Meuthens Hauptkritik richtet sich gegen das AfD-Spitzenduo Dr. Alice Weidel und Tino Chrupalla. Ihnen wirft er konkret vor, die „Kernklientel bedient“ zu haben, aber keine neuen Wählerschichten erschlossen zu haben.

Dabei sorgte die auf dem Dresdner Parteitag beschlossene Forderung nach einem EU-Austritt Deutschlands („Dexit“) „für ein erhebliches Akzeptanzproblem außerhalb der Blase“. Die einzige Partei, die Wähler an die AfD abgab, war „Die Linke“. SPD, Union, FDP und die Grünen konnten Wähler hinzu gewinnen, die bei der letzten Bundestagswahl die AfD wählten.

Mit 10,3 Prozent blieb die AfD zwar knapp zweistellig. Gegenüber dem Wahljahr 2017 verlor die Partei mehr als zwei Prozentpunkte. Nur in Thüringen konnte sie in absoluten Zahlen hinzugewinnen. Der AfD-Heimat von Björn Höcke.

In Sachsen wurde die AfD trotz Verlusten erneut stärkste Kraft und profitierte dort vom Absturz der Union. Sie ereichten in dem Bundesland 10 von 16 Direktmandaten.

Das Spitzenduo ertrug mit „gefrorenen Mienen“ die Ausführungen ihres Parteichefs Prof. Meuthen. Die Spitzenkandidaten dankten einander für den jeweiligen Einsatz im Wahlkampf. Hingegen bedankte sich Alice Weidel nicht bei Meuthen. „Ich lasse mir das Ergebnis nicht schlecht reden, von niemandem“, erregte sich Dr. Weidel. „Wir haben uns etabliert, ein stabiles Ergebnis eingefahren.

Tino Chrupalla verteidigte in Görlitz sein Direktmandat. In Ergänzung zu den Ausführungen seiner Parteifreundin Weidel informierte er, dass ihm kein Wähler gesagt habe, er könne wegen des „Dexit“-Beschlusses die AfD nicht wählen. Meuthen konterte: „Mir haben das viele Wähler gesagt.

Dr. Weidel erhob den Anspruch, im Duo mit Chrupalla erneut Fraktionsvorsitzende zu werden und die Spitze im Doppelpack wählen zu lassen. Prof. Meuthen hingegen empfahl auf Nachfrage, dass beide lieber getrennt antreten sollten. Alice Weidel hat in der Fraktion, die am Mittwoch entscheiden soll, eine Reihe von Gegnern.

Ob er selbst noch einmal Parteichef werden will, ließ Meuthen offen. Im Dezember steht die turnusmäßige Vorstandswahl an. Abschließend nannte Weidel Meuthen einen „Charakterkopf“. Es ist ein mit Bedacht gewähltes Wort. Man nutzt es gerne für einen politischen Nachruf auf innerparteiliche Gegner.

Insgesamt vermittelt die AfD einen zerstrittenen Eindruck. Einzig der Thüringer Björn Höcke äußert sich zur Bundestagswahl und zu den innerparteilichen Umständen nicht. Es kann der Eindruck entstehen, dass er sich auf den Dezember-Parteitag 2021 stillschweigend vorbereitet.


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