Parteien geben Ratschläge für den Umgang mit dem Wähler – hier ein Überblick am Beispiel der AfD

Die Parteien rüsten sich für die „heiße“ Wahlkampfphase. Alle Parteimanager wissen, dass Bundestagswahlen in den letzten vier Wochen vor dem Wahltermin von den Wählerinnen und Wählern entschieden werden. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Osten Deutschlands und die weiblichen Wähler maßgeblich für den Ausgang der Bundestagswahlen sind.

Damit besonders die Wahlkreiskandidaten, also diejenigen, die mit der Erststimme am 26. September 2021 zur Wahl stehen, sich optimal ihren Wählern „verkaufen“ können, geben die Bundesparteien in der Regel ein „Handbuch für Kandidatinnen und Kandidaten“ aus, in dem das persönliche Verhalten an z. B. Informationsständen empfohlen wird, Spendenakquise, Tipps für Wahlfotos oder die Nutzung von „Social Media“.

So gibt die Parteispitze der Alternative für Deutschland (AfD) ebenso Hinweise in Form eines 76-seitigen „Leitfadens“ für ihre Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer vor Ort (als PDF im Internet). Zu diesen Ratschlägen zählen exemplarisch:

  • Straßenwahlkampf: „niemals eine böse Bemerkung hinterherrufen“ oder „einen Passanten mit mehreren Standbetreuern ‚bedrängen‘
  • Wahlkämpfer sollen gepflegt an Ständen auftreten, es wird zu gepflegter Kleidung und „Ausgeschlafen-Sein“ geraten, rasieren und nicht mit fettigen Haaren erscheinen
  • Wahlkampfstand: eine „Armlänge“ Abstand (Fluchtdistanz) zum Wähler einhalten
  • inhaltliche Diskussionen: positiv besetzte Wahlgründe zur Sprache bringen, denn „niemand fühlt sich dauerhaft motiviert, wenn er für negative Ziele kämpft
  • innerhalb von Diskussionen: „man kann gegen etwas sein, aber nur weil das, was es zu erreichen (oder zu erhalten) gilt, dann umso besser gilt (Beispiele: Sozialismus, Religion)
  • Wahlkämpfer sollen sich auf Gegendemos vorbereiten
  • halten sich zu wenig Wählerinnen und Wähler (Interessenten) am Wahlkampfstand auf, so sollen Parteimitglieder „Passant“ oder „Interessent“ spielen, um weitere Menschen anzulocken
  • über Rettungsmaßnahmen von Flüchtlingen soll positiv gesprochen werden. „Das Wort ‚Rettung‘ ist ein positives Wort. Es verkörpert Menschlichkeit. Niemand will kalt und herzlos sein, weil er ‚Rettung‘ verweigert“. Man soll nicht gegen „Rettungsmaßnahmen“ argumentieren, sondern lediglich „gegen weitere Zahlungen Deutschlands an die EU
  • Umgang mit Gegendemonstranten: Stand er „auf den letzten Drücker“ anmelden, das erschwert der Antifa ihre Organisation
  • Tipps für Plakatfotos: Friseurbesuch und ein bisschen Sommerbräune, Bärte gehören gestutzt, eine Krawatte sei heutzutage kein Muss mehr, Fussel sollten vom Jackett entfernt werden, bevor man sich ablichten lässt
  • Wahlkampf in den Sozialen Medien unbedingt nicht nach Alkoholkonsum, „erst denken, dann tippen“, „bedenken Sie, dass Ihre Nutzer kaum 1,5 Sekunden Zeit haben, um Ihren Post zu sehen und zu verstehen“, „alles, was älter als einen Monat ist, automatisch zu löschen“, Formulierungen im Stil der „BILD“-Zeitung erwünscht
  • die etablierten Medien sollen kontaktiert werden – mit klassischen Pressemitteilungen, „der Vorwurf der Lücken- oder Lügenpresse ist für den Aufbau von Vertrauen nicht zielführend“, Formulierungen möglichst kurz und prägnant, einfache Sprache

Häufig erscheinen diese Tipps wie selbstverständlich. In der Praxis ist es offenbar dennoch hilfreiche, diese noch einmal in Erinnerung zu rufen. Ob sich die Wahlkämpfer daran halten, sehen wir in den nächsten Wochen.


Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt BLAULICHTBLOG mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf
DE60 2905 0101 0082 9837 19 (BIC: SBREDE22XXX), Empfänger: BREPRESS UG,
Verw.-Zweck: Spende Blaulichtblog. Vielen Dank!

Kommentar hinterlassen zu "Parteien geben Ratschläge für den Umgang mit dem Wähler – hier ein Überblick am Beispiel der AfD"

Hinterlasse einen Kommentar