„Qualitätsjournalismus“ wird sich wandeln – applaudieren und schönreden der neuen Bundesregierung

Gerade die Differenzierung zwischen einer Nachricht und einer Meinung ist für das Textverständnis und die Bildung eines politischen Urteils unerlässlich. Die Leitmedien in Print, Radio und TV scheinen diese für die Kommunikation so wichtige Trennschärfe zwischen Sender und Empfänger einer Information vergessen zu haben. Jeder konnte dies im Bundestagswahlkampf 2021 und danach beobachten. Ein Hochjubeln von grünen Themen (Klima, Umwelt, Diversität etc.) gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk konnte festgestellt werden – Meinungsmache statt argumentative Berichterstattung.

Ein demokratischer Staat lebt davon, dass seine Bürgerinnen und Bürger ihre Rechte tatsächlich kennen, durchsetzen können und zu erweitern streben. An dieser Stelle kommt den Journalisten eine eminent wichtige Rolle zu, die sie in vielen Bereichen sträflich ausnutzen. Ein „mündiger Bürger“ ist nur dann in der Lage, sich politisch eine Meinung zu bilden, wenn er sachbezogen, neutral und mit validen Informationen objektiv ausgestattet wird. Das findet bedauerlicherweise in vielen Fällen medial nicht statt.

Zur Erinnerung: Eine seit 1973 vorliegende Sammlung journalistisch-ethischer Grundregeln (Pressekodex) bildet in 16 Punkten publizistische Grundsätze und bindet jeden Verleger und Journalisten im Sinne einer freiwilligen Selbstverpflichtung. Punkt 2 des Pressekodexes definiert etwa: „Recherche ist ein unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen […]“. So viel zur Theorie!

In der Praxis lässt sich zahlreich eine unzulässige Vermischung zwischen Nachricht und Meinung bei den täglichen Nachrichten beobachten. Die so dem Leser, Hörer oder Zuschauer gegenüber bewusst vorgenommene Manipulation bleibt für diesen häufig unerkannt. Eine demokratisch gefährliche Entwicklung zeichnet sich ab. Es bleiben die Fragen offen, welches Staatsverständnis liegt derartig agierenden Journalisten zugrunde? Weshalb bleibt der Deutsche Presserat als Kontrollorgan untätig?

Eine Nachricht bezeichnet das Grundelement der Kommunikation. Der Inhalt der Nachricht dient der Information. Für den Empfänger hat sie einen Neuigkeitswert und motiviert den Leser, Hörer oder Zuschauer zu einer eigenen interpretativen Reaktion. Unter einer Meinung wird die persönliche Ansicht, Überzeugung bzw. Einstellung verstanden, die jemand in Bezug auf eine Person oder Sache hat und die somit sein Urteil bestimmt. Diese Begriffsbestimmungen verdeutlichen die absolute Notwendigkeit, zwischen Nachricht und Meinung genau zu unterscheiden.

Vielfach macht sich das Gefühl breit, dass sich „Qualitäts-Journalisten“ als Erzieher der so genannten „mündigen Bürger“ aufspielen. Einem „Nürnberger Trichter“ gleich versorgen sich Journalisten nennende Berichterstatter die Menschen mit von ihnen selbst gefilterten Informationen. Ein in einer Demokratie unwürdiges Verhalten, das es auf das Schärfste zu kritisieren gilt. Genau diese Situation lässt sich in der Berichterstattung maßgeblicher Medien (Leitmedium) konstatieren.

In der Folge bleibt der Eindruck in unserem „aufgeklärten“ Land zurück, dass Nachrichten mit dem Ziel produziert werden, damit sich die Menschen danach richten sollen. Eine fatale Erkenntnis, die es zu korrigieren gilt.

Es wird in den nächsten Wochen zu beobachten sein, wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ARD, ZDF, Deutschlandfunk) zum Applaudieren und Schönreden der neuen rot-grün-gelben Bundesregierung verpflichtet sieht. Ebenso werden die Talkshows sich in einer positiven Begleitung der Regierungsarbeit befleißigen – natürlich erst nach der der Bundesregierung zugestandenen „100-Tage-Schonfrist“.


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