Rohrkrepierer: Joe Biden und die privaten Kanonen

Joe Bidens Blick auf die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika scheint nicht unbedingt durch Kenntnisse der historischen Begebenheiten geprägt zu sein. Anders lässt es sich nicht erklären, warum er 250 Jahre zurück liegende Vorgänge durch die Brille des frühen 21. Jahrhunderts betrachtet und rückwirkend Regularien angewandt sieht, die, wenn überhaupt, erst viele Jahrzehnte nach dem Schreiben der US-Verfassung und ihrer Zusatzartikel in Gesetzesform gegossen wurden.

So äußerte er sich am 23. Juni dahingehend, dass der zweite Verfassungszusatz von Beginn an das Recht, Waffen zu tragen und zu besitzen, auf bestimmte Personen und Waffentypen begrenzt gewesen wäre. Man hätte keine Kanone kaufen können.

And I might add: The Second Amendment, from the day it was passed, limited the type of people who could own a gun and what type of weapon you could own. You couldn’t buy a cannon.

https://www.whitehouse.gov/briefing-room/speeches-remarks/2021/06/23/remarks-by-president-biden-and-attorney-general-garland-on-gun-crime-prevention-strategy/

Die US-Faktenchecker von “PolitiFact” haben die Aussage des US-Präsidenten geprüft – und als eindeutig falsch befunden.

https://www.politifact.com/factchecks/2021/jun/25/joe-biden/joe-biden-gets-history-wrong-second-amendment-limi/

Danach äußern Historiker ernsthafte Zweifel an der Aussage des Präsidenten. Für entsprechende generelle Verbote, die den Bürgern den Besitz bestimmter Waffen bzw. Kanonen untersagen, gibt es schlichtweg keinerlei Belege.

Historians say they are doubtful that there were laws to bar individual ownership of cannons during the Revolutionary War period. “It seems highly unlikely that there were restrictions on the private ownership” of cannons, said Julie Anne Sweet, a historian and director of military studies at Baylor University.

David Kopel, the research director and Second Amendment project director at the free-market Independence Institute, agreed. “I am not aware of a ban on any arm in colonial America,” he said. “There were controls on people or locations, but not bans on types of arms.”

https://www.politifact.com/factchecks/2021/jun/25/joe-biden/joe-biden-gets-history-wrong-second-amendment-limi/

Übrigens hat Joe Biden die fast wortgleiche Behauptung schon im Wahlkampf vor etwas mehr als einem Jahr aufgestellt. Und bereits damals wurde sie eindeutig als falsch widerlegt.

https://eu.statesman.com/story/news/politics/elections/2020/06/30/fact-check-could-individuals-own-cannons-during-revolutionary-war/113951468/

Im Unabhängigkeitskrieg kam auf allen Seiten die damals modernste Waffentechnologie zum Einsatz, es gab keine Schusswaffen, die ausschließlich dem Militär vorbehalten waren. Private Handelsschiffe waren ebenso mit Kanonen bestückt, wie die Kaperschiffe von Freibeutern. Der Besitz von Kanonen war keine Frage von “erlaubt” oder “verboten”, es war schlichtweg eine Frage des Geldbeutels.

Die Gründungsväter wollten das Volk wirksam vor einer tyrannischen Regierung schützen. Schon der Gedanke, dass sie dann ausgerechnet nur “dem Staat” und damit eben einer möglichen tyrannischen Regierung den Zugriff auf “schwere Waffen” exklusiv vorbehalten wollten, ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Präsident Biden verbreitet hier bereits zum wiederholten Mal Fakenews. Vielleicht folgt er dem Motto, dass man eine Lüge nur oft genug wiederholen muss, damit sie als Wahrheit angesehen wird.

Eine, spezielle im Kampf gegen privaten Waffenbesitz, auch bei uns in Deutschland sehr populäre Methode. Auch wenn hier nicht der private Besitz von Kanonen vor 250 Jahren zur Debatte steht. Hierzulande versucht man eher das Märchen von “Jede illegale Waffe war einst eine legal Waffe” als Pseudo-Wahrheit zu etablieren.

Titelbild: “Molly Pitcher at the Battle of Monmouth”


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Über den Autor

Benedikt Krainz
Boomer, Sportschütze, Blogger, Hobby-Waffenlobby-Aktivist. Staatlich regelmäßig überprüft hinsichtlich Zuverlässigkeit, persönlicher Eignung und neuerdings Verfassungstreue.

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