Skurril: Katholische Kirche bietet Missbrauchsopfern Gespräche an – Kardinal Woelki lehnt Rücktritt ab

Missbrauch in der katholischen Kirche. Das ist kein neues Thema. Im Jahr 2010 hieß es aus dem Berliner Canisius-Kolleg, die Kirche in Deutschland sei wie in anderen Ländern „in ein System aus Missbrauch und Vertuschung verstrickt” und habe es “über Jahrzehnte verstanden, die Öffentlichkeit darüber zu täuschen.” Im Jahr 2018 wurde festgehalten, dass sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche in der Vergangenheit weit verbreitet sei und weiterhin andauere.

Zwischen 1946 und 2014 seien dort 3.677 sexuelle Vergehen protokolliert worden. Statistisch sind in diesem Zeitfenster 4,4 Prozent aller Kleriker der deutschen Bistümer mutmaßliche Missbrauchstäter. In absoluten Zahlen entspricht dies 1.670 kirchlichen Tätern. Mehr als jedes zweite Opfer sei höchstens 13 Jahre alt gewesen, in jedem sechsten Fall sei es zu Formen der Vergewaltigung gekommen.

Der seinerzeit für Missbrauchsfragen zuständige Bischof äußerte, die Kirche wisse um das Ausmaß des Missbrauchs, es sei für die Kirche bedrückend und beschämend. Soweit zur Historie. 2021 handelt es sich freilich immer noch nicht um ein überwundenes Thema.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass die hier angesprochenen Kirchenvertreter nicht etwa aus der Kollekte oder gar auf Grund der Trennung von Kirche und Staat (Säkularisierung) von der Kirche bezahlt werden. Die Zahlungspflicht liegt beim Staat. Ursächlich hierfür ist die Enteignung der Kirchen im Jahr 1803. Die Bezahlung der Bischöfe aus dem Fiskus dient als Entschädigung für die damalige Enteignung.

Die staatliche Leistungspflicht beruht darüber hinaus auf einer Vielzahl von Verträgen zwischen den Bundesländern und der Kirche. Zudem ist sie vom Grundgesetz gedeckt. Geschichtlich mussten die geistlichen Fürsten mit der beginnenden Säkularisierung ihre Besitztümer an die weltlichen Fürsten abgegeben.

Um der staatlichen Zahlungspflicht zu entgehen, müssten die Länder eine „Ablöse“ zahlen. So sieht es das Grundgesetz vor. Diesen Milliardenbetrag sahen sich die Länder bisher nicht in der Lage auszugleichen.

In diesen Tagen wurde ein neuerliches Missbrauchsgutachten für das Erzbistum Köln vorgestellt. Dessen Kardinal Rainer Maria Woelki gestand persönliche Fehler. Ihm selbst wurde kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Kardinal Woelki präzisierte den Fall des Düsseldorfer Priesters Johannes O. Auch in einem weiteren schweren Missbrauchsfall hätte er einen beschuldigten Geistlichen schon viel früher suspendieren sollen, als es tatsächlich geschah. Diesem wurde Missbrauch vorgeworfen.

Jetzt wird es skurril. Die nachfolgende Argumentation können vermutlich nur streng Gläubige oder Kirchenvertreter inhaltlich und empathisch nachvollziehen. Einen Rücktritt schließt Kardinal Woelki selbst aus. Er äußerte schließlich: „Ich habe zwar laut dem Gutachten pflichtgemäß und rechtssicher gehandelt, ich hätte jedoch den Fall nach Rom melden können und sollen. Ich habe es aber nicht getan, anders wäre es besser gewesen.“ Weiter merkt Woelki an, er könne „die moralische Verantwortung nicht einfach mitnehmen und gehen zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche. Das ist mir zu einfach. Und in meinen Augen ist es auch falsch.” Weiter meinte er: „So ein Rücktritt wäre nur ein Symbol, das nur für eine kurze Zeit hält.” Er könne es nur aus seinem Amt heraus besser machen. Er werde in Zukunft alles dafür tun, dass möglichst keine Fehler mehr passieren können.

Nicht nur die Düsseldorfer Gemeinde erhebt in dem Fall schwere Vertuschungsvorwürfe gegen den Erzbischof. Auch Kirchenrechtler forderten ihn auf, dem Papst deswegen seinen Rücktritt anzubieten. Als Gründe werden eine chaotische Verwaltung sowie ein System aus Schweigen, Geheimhaltung und mangelnder Kontrolle von Kardinal Woelki angeführt. Nach Woelki fehlt es generell an Mitgefühl und an Empathie.

Im Ergebnis bot Woelki jedem der Opfer ein persönliches Gespräch an. Kardinal Woelki im Wortlaut: „Kommen Sie, wenn Sie möchten und ich will versuchen, ihnen zuzuhören.” Ferner wies er daraufhin, dass er jeden verstehen könne, der nach seinen schlimmen Erfahrungen nicht mit einem Vertreter der Kirche reden wolle.

Es bleibt dem Leser überlassen, wie er die Argumentation des Kardinals Woelki interpretiert und einordnet.


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1 Kommentar zu "Skurril: Katholische Kirche bietet Missbrauchsopfern Gespräche an – Kardinal Woelki lehnt Rücktritt ab"

  1. Woelki ist an einer lückenlose Aufklärung überhaupt nicht interessiert! Er deckt Pädophile! Verstehe nicht ,warum die Mitglieder der Katholischen Kirche nicht Sturm laufen!!

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