Staat bitte Rentner zur Kasse – die Steuern auf die Renten steigen

Jahr für Jahr werden mehr Rentner steuerpflichtig. Dabei ist die Unsicherheit groß, wann der Fiskus zuschlägt. Die Steuerexpertin Maike Backhaus erläuterte im „Münchner Merkur“, unter welchen Umständen Rentner Steuern zahlen müssen.

Rentner sind alljährlich zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Zum Einkommen gehören alle Renteneinnahmen sowie Einnahmen aus Betriebsrenten und Pensionen, Zinsen und Dividenden, Vermietung und Verpachtung. Der Grundfreibetrag für 2021 liegt für Ledige bei 9744 Euro und für 2022 bei 9984 Euro. Bei Verheirateten verdoppelt sich dieser Freibetrag, also 19 488 bzw. 19 968 Euro. Aber: Je nach Rentenbeginn bleibt ein Teil der gesetzlichen Rente steuerfrei!

Für jeden neuen Rentenjahrgang bleibt weniger steuerfrei. Bis zum Jahr 2040 soll eine hundertprozentige Besteuerung der „Neurenten“ erreicht sein. Für Neurentner des Jahrgangs 2021 beträgt der steuerpflichtige Anteil ihrer Altersbezüge 81 Prozent, das heißt: 19 Prozent der Rente sind steuerfrei. Bei Neurentnern des Jahres 2022 steigt der steuerpflichtige Anteil auf 82 Prozent (18 Prozent steuerfrei). Für alle, die bis 2005 Rentner wurden, sind 50 Prozent der Rente von 2005 steuerfrei.

Weil die Renten ständig steigen, muss man jedes Jahr aufs Neue prüfen, ob eine Jahresabrechnung beim Finanzamt nötig ist. Die jährliche Rentenerhöhung ist zu 100 Prozent zu versteuern, hier gibt es keinen steuerfreien Anteil. So kann es passieren, dass man auch als bisher von der Steuer befreiter Rentner in die Steuerpflicht rutscht. Selbst durch die geringe Rentenerhöhung zum Juli 2021 (0,72 Prozent im Ost, im Westen gab es 2021 keine Rentenerhöhung) müssen weitere Rentner erstmals Steuern zahlen.

Mehr als ein Drittel aller Rentnerinnen und Rentner in Deutschland muss Steuern zahlen: Die Bundesregierung geht für das Steuerjahr 2021 davon aus, dass die rund 7 Millionen Betroffenen zusammen knapp 43 Milliarden Euro Einkommensteuer aufbringen werden.

https://player.glomex.com/integration/1.670.0/iframe-player.html?integrationId=2b9h6ryj2201rvm&playlistId=v-chkwgkbrruch-st&playlistIndex=0&origin=glomex-player&pageUrl=https%3A%2F%2Fwww.merkur.de%2Fwirtschaft%2Frente-steuern-freibetrag-steuerpflichtig-warum-wie-viel-wer-fragen-rentner-deutschland-news-91284380.html Der Neurentner mit einem steuerpflichtigen Rentenanteil von 81 Prozent muss 19 Prozent von seinem Bruttorentenbetrag von 2021 abziehen. Zum so errechneten Betrag muss er seine weiteren Einkünfte (Betriebsrente, Mieteinnahmen etc.) addieren. Davon zieht er dann seine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und den Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 (bzw. 72) Euro ab. Liegt das Ergebnis unter dem Grundfreibetrag von 9744 Euro (19 488 Euro für Verheiratete) muss der Rentner keine Steuern zahlen. Wie hoch die Bruttorente war, steht in der „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“.

https://embeds.fanmatics.com/?campaignId=59554702&referrer=https%3A%2F%2Fwww.merkur.de%2Fwirtschaft%2Frente-steuern-freibetrag-steuerpflichtig-warum-wie-viel-wer-fragen-rentner-deutschland-news-91284380.html Wenn zu erwarten ist, dass Sie nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden, weil Ihre gesamten Einkünfte unter dem Grundfreibetrag (Ledige: 9744 Euro; Paare: 19 488 Euro) liegen, können Sie sich durch eine Nichtveranlagungsbescheinigung von der Abgabepflicht einer Steuererklärung befreien lassen. Außerdem können Rentner, bei denen es zu keiner Steuerpflicht und Steuerfestsetzung kommt, die Kapitalertragssteuer (Abgeltungssteuer) sparen, indem sie diese Bescheinigung vorlegen. Damit werden Zinsen und Dividenden brutto ausbezahlt, ohne dass Steuer einbehalten wird.

Ja, zumindest bei den Fällen, in denen eine mögliche Doppelbesteuerung vorliegt. Dazu gab es eine Musterklage vor dem Bundesfinanzhof. Darin ging es nicht um die Besteuerung der Renten nach der Umstellungsphase von der vorgelagerten auf die nachgelagerte Besteuerung, also die Besteuerung ab 2040. Es ging nur um die Besteuerung während der Übergangsphase und die Frage, ob es dabei zu einer Doppelbesteuerung kommt.

Ende Mai 2021 wurden die Urteile veröffentlicht: Der BFH hält die Übergangsregelung an sich weiterhin für verfassungsmäßig. Das Thema ist aber noch nicht abgeschlossen, denn inzwischen haben beide Kläger beim Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde eingelegt (Az.2BvR 1143/21 und 2 BvR 1140/21). Laut Experten der Stiftung Warentest lohnt sich ein Antrag auf Prüfung einer Doppelbesteuerung für ehemals angestellte Rentner kaum. Betroffen sind eher ehemals Selbstständige.

Das Bundesfinanzministerium informiert auf seiner Internetseite detailliert über die Besteuerung der Rentner in Deutschland.

https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Schlaglichter/Rentenbesteuerung/Rentenbesteuerung.html


Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt BLAULICHTBLOG mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf
DE60 2905 0101 0082 9837 19 (BIC: SBREDE22XXX), Empfänger: BREPRESS UG,
Verw.-Zweck: Spende Blaulichtblog. Vielen Dank!

Kommentar hinterlassen zu "Staat bitte Rentner zur Kasse – die Steuern auf die Renten steigen"

Hinterlasse einen Kommentar