Stinkbombe und Wendehals in der Berliner CDU?

Mario Czaja

Der Berliner Abgeordnete und Ex-Senator Mario Czaja gibt sich gern als Linksausleger seiner Partei und Interessenverwalter der Menschen „aus dem Osten“. Er ist Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Wuhletal und kritisiert seine Partei: „Kai Wegner ist aus meiner Sicht dichter an den Positionen von Hans-Georg Maaßen als an denen von Angela Merkel und denen unseres Bundesvorsitzenden Armin Laschet. In einer Großstadt wird das zum Problem…Die Berliner CDU sollte schleunigst zeigen, dass sie gleichermaßen für Sicherheit, sozialen Frieden und eine moderne Metropole steht…Die Berliner CDU ist in den letzten Jahren weit nach rechts gerückt… Monika Grütters musste als Landesvorsitzende gehen. Und unserem liberalen Generalsekretär Stefan Evers wurde von erzkonservativen Kräften in seinem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erst als Vorsitzendem, dann als Abgeordnetem das Vertrauen entzogen.“

Der Generalsekretär Evers meinte hingegen, Czajas Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. „Vielleicht wüsste er besser, wovon er spricht, wenn er sich in den letzten Jahren häufiger im Abgeordnetenhaus hätte sehen lassen oder sich inhaltlich in die CDU eingebracht hätte“, sagte Evers: „Kai Wegner hat viel für die inhaltliche und personelle Modernisierung der CDU getan“.

Czajas Angriff auf Berlins CDU-Spitze könnte darauf zurückzuführen sein, dass der Landeschef Kai Wegner ihn nicht für einen Platz auf der Kandidatenliste für den Bundestag empfohlen hatte. Bei der Bewerbung um den 4. Platz auf der Landesliste verlor Czaja gegen den früheren Berliner Justizsenator Thomas Heilmann.

Aber Czaja hatte früher ganz andere Überzeugungen – oder sagen wir besser: „Meinungen“ – vor sich hergetragen. 1993 engagierte er sich gegen das Verbot des öffentlichen Zeigens der Reichkriegsflagge. Es sei „widersinnig, eine Fahne, unter der im ersten Weltkrieg Millionen für das deutsche Vaterland gestorben sind, einfach zu verbieten, nur weil sie von Radikalen mißbraucht wird“. Czaja gab sogar gegenüber der linken Tageszeitung TAZ zu, Kontakte zu Republikanern zu haben: „Natürlich gibt es Gespräche zwischen einzelnen Personen der JU und der Jugendorganisation der Republikaner“.

Czaja trat auch beim konservativen „Dienstagsgespräch“ des Unternehmers Hans-Ulrich Pieper auf. Dieser stellte ihn als hoffungsvollen Nachwuchspolitiker vor und ließ Geld für seinen Kommunalwahlkampf sammeln. Pieper: „Er war mehrmals da. Daran kann ich mich gut erinnern. Wir haben Geld zur Unterstützung seines Wahlkampfes gesammelt. Meistens kam bei solchen Aktionen einiges zusammen.“ Zahlreiche Teilnehmer der Veranstaltung können sich an Czajas Teilnahme erinnern. 2013 wurde Czaja im Parlament vom Piraten-Abgeordneten Oliver Höfinghoff nach seinen Kontakten zu Pieper befragt: „Ich habe das erste Mal in der Zeitung erfahren, daß ich den Herrn kennen soll. Ich kenne den nicht.“ Pieper kandidierte 2011 als Parteiloser erfolglos für die NPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.

Als die linke Opposition 2013 gegen seinen Parteifreund Michael Büge eine mediale Hetzjagd organisierte, weil dieser Alter Herr der Berliner Burschenschaft Gothia war, feuerte Czaja ihn als Staatssekretär. Im Nachherein stellte sich heraus, dass Czaja in den 90er Jahren gern gesehener Gast auf dem Haus dieser Burschenschaft in Berlin-Zehlendorf gewesen ist. Gegenüber dem linken Tagesspiegel gab Czaja schließlich zu „einst tatsächlich im Gothia-Haus gewesen“ zu sein. Eine Nähe zur Burschenschaft habe aber nie bestanden, ließ er seine damalige Senatssprecherin erklären. Mitglieder der Gothia erklärten damals gegenüber der Berliner Wochenzeitung “Jungen Freiheit”: „Mario Czaja war damals öfters bei uns auf dem Haus und hat sich dort auch wohl gefühlt“.

Ist Czaja ein Wendehals, nur charakterlos oder hat er tatsächlich seine Überzeugungen geändert? 1997 sollte Czaja, den seine Freunde in der Jungen Union „Mario Nationale“ nannten, seinen Wehrdienst ableisten, beging Fahnenflucht und wurde deswegen zu einer Geldstrafe verurteilt. Peinlicherweise suchten ihn in jenen Tagen die Feldjäger im Büro des BVV-Vorstehers Peter Winkel (PDS) Berlin-Hellersdorf. Der ließ sich natürlich die Gelegenheit zur Profilierung nicht entgehen: „Als Kommunalpolitiker hat Czaja eine Ausstrahlung auf die Jugend“. Er selbst fand nun: „Im übrigen entspräche die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland nicht mehr „den zeitlichen Gegebenheiten“.

Später im Berliner Abgeordnetenhaus gab Czaja an, Abiturient zu sein. Tatsächlich verließ er das Gymnasium aber ohne Abitur, feierte, jobbte und lernte Versicherungskaufmann. In seinem Kreisverband Berlin-Hellersdorf fanden im Westen „abgemeierte“ linke CDU-Leute Unterschlupf. Erst Elmar Pieroth dann Monika Grütters.

Foto-Quelle: Von Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64776865


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