Stromausfall in Deutschland wahrscheinlichste Katastrophe – Politik will klima- und energiepolitisch die Welt retten

Die Zukunft der Energieversorgung ist ein zentrales Thema für Deutschland. Von daher hat es einen wesentlichen Raum in einem neu zu formulierenden Koalitionsvertrag einzunehmen. Nicht das Lastenfahrrad und die mantraartige Wiederholung des energiepolitischen Zieles, bis 2035 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt zu werden, sind das Gebot der Stunden, sondern die Beantwortung der Frage, wie ein totaler Stromausfall in Europa durch die Energiewende auch in Deutschland verhindert werden kann?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz schätzt diese Situation als wahrscheinlichste Katastrophe ein. Zweimal in diesem Jahr 2021 war es schon fast Realität. Am 08. Januar 2021 kam es um genau 13:04 Uhr in Österreich zu einem starken „Frequenzabfall im Stromnetz“. Ursächlich dafür war ein Kraftwerkausfall in Rumänien.

Der Verband europäischer Übertragungsnetzbetreiber rief die dritte von vier Warnstufen aus. Beim niederösterreichischen Stromversorger EVN melden sich Großkunden, weil sensible Maschinen die Frequenzabsenkung bereits gespürt haben. Wenn die Schwankungen zu hoch sind, schalten sich Maschinen aus Selbstschutz ab. Das kann ebenso bei Kraftwerken geschehen. Ist dies der Fall, dann wird es kritisch. Sodann entsteht aus einem Ausfall eine Kettenreaktion. Das bedeutet, dass in Europa nicht nur die Lichter ausgehen.

Für Deutschland gilt: Ein flächendeckender Stromausfall führt zu schwerwiegende Folgen.

Nahezu unser gesamter Lebensbereich hängt vom Strom ab. Fiele dieser ein paar Tage über mehrere Länder hinweg aus, kämen die Menschen schnell an ihre Grenzen. Experten sprechen davon, dass diese Situation nach dem dritten Tag erreicht ist.

Viele Versorgungssysteme brächen zusammen, zum Beispiel die Trinkwasserversorgung oder die Versorgung mit Dieselkraftstoff für die Notstromaggregate. Ohne gleichbleibenden Strom existieren kein Licht, keine Toiletten, keine Heizung, kein Telefon, keine Züge und Straßenbahnen, keine Supermarktkasse, keine Aufzüge.

Schließlich passierte noch ein Beinahe-Blackout im Frühsommer. Die Störungen im europäischen Stromnetz haben sich insgesamt verzigfacht. Diese führten jedoch nicht zu spürbaren Stromausfällen.

Zu verantworten hat diese Stromausfälle Deutschland. Das schrittweise Abschalten der Kraftwerke hat sich das Risiko eines Blackouts extrem erhöht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in Bonn hat in seiner aktuellen Übersicht die Wahrscheinlichkeit, dass in Deutschland eine durch einen Stromausfall verursachte Katastrophe eintritt, höher als jede andere Gefahr bewertet.

Auch die Schäden bewerten die Bevölkerungsschützer höher als beispielsweise einer neuerlichen Pandemie oder von Regenfluten, wie sie im Hochsommer Westdeutschland heimsuchten. Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag warnt seit Jahren vor einem Blackout: „Die Folgenanalysen haben gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden.

Verantwortlich dafür, dass das nicht passiert, ist ein internationales System, in dem sich 43 Unternehmen aus 36 Ländern zusammengeschlossen haben. So werden Schwankungen in Verbrauch und Erzeugung ausgeglichen. Ein System, das die Stromversorgung normalerweise stabilisiert, in dem sich jedoch inzwischen lokale Störungen hochschaukeln und ausdehnen können, weil in der Energieversorgung kein Stein auf dem anderen geblieben ist.

Die Energiewende, die nur mit langen Transportwege und einer gut abgestimmten IT funktioniert, macht Europa anfälliger für Blackouts. Dazu kommt die Sorge vor Lieferengpässen im Strom- und Gasbereich.

In Großbritannien haben bereits massiv angestiegene Gaspreise eine Reihe von Energieanbietern zum Aufgeben gezwungen, weil sie die um 70 Prozent in die Höhe geschnellten Einkaufspreise durch eine gesetzliche Gaspreisdeckelung nicht weitergeben können. Der britische Wirtschaftsminister bereitet die Verbraucher auf Engpässe im Winter vor.

In Deutschland sehen Versorger und Politik das Thema ebenfalls kommen. Bereits in diesem Januar hatte das Bundeswirtschaftsministerium unter Minister Peter Altmaier (CDU) unter dem Eindruck des Beinahe-Blackouts einen Gesetzesentwurf zur „Spitzenglättung“ vorbereitet.

Dahinter steckt, was auch die Briten jetzt vorhaben: Wenn es eng wird beim Strom, sollen große Verbraucher wie E-Autos und Wärmepumpen zeitweise keinen Strom erhalten. Wer sein E-Mobil an der heimischen Ladestation „auftanken“ will, schaut dann zu den Hochlastzeiten in die Röhre.

In Großbritannien wird dieser Plan jetzt aller Voraussicht ab nächstem Frühjahr Wirklichkeit. In Deutschland scheiterte Altmeiers Ministerium unter anderem am Widerstand der Autohersteller, die um den Verkauf ihrer funkelnagelneuen E-Autos fürchten.

Sie konnten auf eines verweisen: Trotz aller Schwarzmalerei, erhöhten Risiken und Warnstufen – bisher ist alles weitgehend gutgegangen. Stromausfälle in Deutschland haben nach Angaben der Bundesnetzagentur abgenommen. 2020 bekam jeder Haushalt und jedes Unternehmen im Schnitt rund 10,73 Minuten lang keinen Strom. Bundesweit war die Dauer der so genannten Versorgungsunterbrechungen damit um 1,47 Minuten kürzer als im Vorjahr.

Der Präsident der Netzagentur, Jochen Homann, lobt deswegen „die Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistung haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.

Es bleibt zu hoffen, dass die neue Bundesregierung den Blick auf die tatsächlichen Probleme in Deutschland lenkt. Eine schlichte Politik a la „wir retten klima- und energiepolitisch die Welt“ scheint nicht geboten.


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