Terror von Würzburg – Warum wir nicht einfach so zur Tagesordnung zurückkehren dürfen!

Es ist nicht einmal zehn Tage her, dass Deutschland von einer abscheulichen Tat des Terrors heimgesucht wurde. Diesmal forderte sie drei Todesopfer und fünf Menschen, die noch in Lebensgefahr sind. Wie unser Land und seine Regierenden mit dieser Tat umgingen und umgehen, lässt tief blicken und ist aus meiner Sicht ein Skandal. Man gewinnt den Eindruck, die Rückkehr zur Tagesordnung kann manchem gar nicht schnell genug gehen. Mir scheint, dass gewisse Aspekte hinter der Tat sogar bewusst an den Rand der öffentlichen Wahr- nehmung gedrängt werden sollen. Lassen Sie uns dagegen klar aufstehen und sagen: Es darf keine einfache Rückkehr zur Tagesordnung geben! Diese gab es schon zu oft!

Am Anfang der Woche konnte ich meine Wut kaum halten: Da schickte Bundeskanzlerin Merkel doch tatsächlich ihren Regierungssprecher Seibert vor, um in ihrem Namen die Morde von Würzburg zu verurteilen. Nicht nur hatte die Kanzlerin in den ersten Tagen nach der Tat keine Worte gefunden, sie schickt anschließend jemanden vor, um sie auszusprechen. Respektloser kann man sich als Regierungschefin und Hauptverantwortliche der deutschen Flüchtlingspolitik nicht gegenüber den Angehörigen der Opfer einer solchen Tat verhalten.

Wie das anders und besser geht, das konnte man sich diese Woche bei dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz anschauen. In unserem Nachbarland ereignete sich am letzten Wochenende eine nicht minder abscheuliche Tat. Mehrere Afghanen hatten ein dreizehn- jähriges Mädchen unter Drogen gesetzt, vergewaltigt, ermordet und dann wie einen Gegenstand an einem Baum abgelegt. Kanzler Kurz schickte nicht wie Merkel seinen Pressesprecher vor und wählte hierfür ein angemessenes Wort: Barbarisch. Dieses Wort trifft es genau!

Jenen, die im Zusammenhang mit der Tat über „Traumatisierungen“ der Täter spekulieren wollen, sagte Kurz wortwörtlich: „Dies lehne ich zutiefst ab“. Er verurteilte damit nicht nur klar die Tat, sondern auch diejenigen, die es als ihre Hauptaufgabe sehen, nach entschuldigenden Umständen für solche Taten zu suchen. Kurz‘ Botschaft war gut und richtig: Nichts entschuldigt eine solche Tat. Weder eine mögliche Traumatisierung, noch ein mögliches Gewaltumfeld im Heimatland.

Derweil in Deutschland: Seit dem Terror von Würzburg überschlagen sich Kolumnen und Kommentatoren in der Frage, ob denn der Täter nicht möglicherweise schuldunfähig aufgrund einer psychischen Störung sei. Überall versucht man, in den Kopf des Täters zu blicken und die Tat erklärbar zu machen. Überall liest man: Das Motiv sei weiter unklar. Zeitungen schreiben vom „mutmaßlichen Täter“, als ob es einen Zweifel an der Täterschaft des Mannes gäbe, der nur mit einem Beinschuss von der Fortführung seines Mordens abgehalten werden konnte.

Auch hat man den Eindruck, es soll möglichst nicht über Islamismus gesprochen werden. Zeugen sagten zwar aus, der Mörder habe „Allahu Akbar“ gerufen. Schon entgegnen manche, dieser Ruf mache nicht automatisch zum Islamisten. Was für ein unerträglicher Unfug! Jemand, der beim Ermorden von Menschen „Allah ist groß“ ruft, entspricht der Bilder- buchdefinition eines Islamisten, also eines islamistischen Terroristen. Die Frage ist allein, ob man diese Zeugenaussagen glaubt oder sie von vornherein für Unglaubwürdig hält. Warum aber sollte man das tun? Und überhaupt: Nehmen wir einmal an, der Täter wäre kein Islamist gewesen. Macht das die Morde besser? Macht das die Umstände besser? Dann wäre die bestialische Tat keine islamistisch motivierte, aber immer noch eine zutiefst bestialische. Oder um den Begriff von Sebastian Kurz zu wählen: barbarisch.

Gegen solche Taten muss man als Gesellschaft unabhängig vom Motiv ein klares Zeichen der Abscheu setzen. Leider passiert das oft halbherzig. Das Beispiel unserer Kanzlerin, die sich schweigend in ihr Kanzleramt verkriecht, ist da nur eines von vielen. Ein öffentliches Zeichen hätte sein können, als Nationalelf beim Länderspiel in London mit Trauerflor aufzulaufen und der Opfer solchen Terrors ein Zeichen zu setzen. Aber für diese Botschaft fehlte offenbar jedes Bewusstsein. Soviel zum „Respekt“ derer, die für Respekt werben.

Stattdessen erhalte ich den Eindruck, man geht schnell zurück zur Tagesordnung. Als wäre es mit niedergelegten Blumen, Lichterketten und Verdienstorden für mutige Helfer getan. Dies ist alles wichtig, aber es reicht nicht! Wir sind es den Opfern von Terror auch schuldig, den Terror zu thematisieren. Und damit meine ich nicht die Täterpsyche, der wir bei einer Tat ausgeliefert sind, sondern die politische Dimension der inneren Sicherheit – die Frage: Was wurde versäumt, dass es zu so einer Tat kommen konnte und was können wir politisch tun, damit sich etwas wie in Würzburg (und anderswo!) nicht wiederholt? Dazu müssen sowohl Fragen des Erkennens und des Umgangs mit Gefährdern, als auch Fragen über unkontrollierte Grenzen und ausbleibende Abschiebungen thematisiert werden. Thematisieren wir endlich ernsthaft diese Fragen!

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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