Virologe Stöhr: „Pandemie geht Richtung Ende“

Kaum hatten südafrikanische Wissenschaftler die Welt von der Identifizierung der Variante „B.1.1.529“ (Omikron) informiert, zog der Vorstandschef des Weltärztebundes, Prof. Frank Ulrich Montgomery, auch bereits einen Vergleich zur äußerst lebensbedrohlichen Infektionskrankheit Ebola.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wusste bereits Anfang Dezember 2021 zu berichten, dass “gerade die Omikron-Variante für Kinder besonders bedrohlich” sei.

Es war der Experte Prof. Klaus Stöhr der Lauterbach widersprach: “Aus meiner Perspektive gibt es aus den vorläufigen Daten keine Erkenntnisse, die auch nur annähernd den Schluss zulassen, Kinder wären von schweren Verläufen bei Omikron betroffen“.

Parallel dazu warnten vor allem auch südafrikanische Mediziner angesichts der in der Regel offensichtlich milden Krankheitsverläufe nach einer Omikron-Infektion von Beginn an vor einer ungerechtfertigten “Hysterie“.

Seither setzt sich zunehmend auch hierzulande die Erkenntnis durch, dass Omikron im Vergleich zur „Delta-Variante“ tatsächlich mildere Infektionsverläufe zur Folge hat. Doch allein die schiere Anzahl der positiven Testungen aufgrund des noch leichter übertragbaren Erregers könnte diesen ermutigenden Hoffnungsschimmer wieder zunichtemachen und dadurch zu einer Überlastung der Krankenhauskapazitäten führen. Prof. Stöhr zeigt sich überzeugt davon, dass es in Richtung Ende der Pandemie geht.

In Südafrika, aber auch in Großbritannien verwiesen Studien darauf, “dass ungefähr viermal mehr Fälle durch Omikron auftreten, aber gleichzeitig nur ein Viertel so viele Menschen in das Krankenhaus eingeliefert werden“. Trotz zunehmender Inzidenzen bleibe der “Druck auf die Krankenhäuser” somit gleich.

Virologe Stöhr wünscht sich von den Medien, wenn bei der Berichterstattung nicht nur über die zunehmenden Fälle gesprochen wird – das sind häufig milde Erkrankungen, asymptomatische – sondern auch gleichzeitig berichtet wird, so wie in Deutschland jetzt der Trend ist, der Druck auf die Intensivstationen abnimmt, die Hospitalisierungsrate zurückgeht.

Laut Stöhr gehe es nun darum, die weiteren Schritte in der Pandemiebekämpfung “sehr vernünftig” zu planen. Auf Grundlage aktueller Studien zu Omikron gelte es jetzt, die eigene Maßnahmenpolitik etwa in den Bereichen Quarantäne und Kontaktbeschränkungen anzupassen. “Die Durchseuchung ist natürlich keine Option“, hält Stöhr fest. Damit spricht er sich gegen eine Herdenimmunität aus.

Es sei jedoch entscheidend, sich nun mit der aktuellen Situation eines “besser an den Menschen angepassten Virus” auseinanderzusetzen – auch vor dem Hintergrund der nicht unerheblichen Impfquote und einer “natürlichen Immunisierung“.

Für Stöhr geht es darum, den Fokus auf “die Zahlen und Fakten” zu richten und weniger auf “Emotionen” und Vermutungen, die er auch auf “Regierungsseite” registriert habe.

Zurzeit gebe es keinerlei Hinweis auf eine Verschärfung der Situation auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, “weder aus Deutschland noch aus den Nachbarländern“.


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