Was ist überhaupt Diskriminierung?

Das Wörterbuch definiert uns Diskriminierung als „die ungerechtfertigte Benachteiligung oder Ungleichbehandlung von Personen oder Gruppen aufgrund nicht veränderlicher Merkmale.“

Wenn also zwei Männer, einer davon groß und einer davon klein, eine Frau zum Date am Mittwochabend bitten und sie nur einen davon, basierend auf ihrer eigenen Größenpräferenz, wirklich trifft, dann ist das eine Diskriminierung. Die beiden Männer können ihre Körpergröße ja nicht ändern. Der Kämpfer für soziale Gerechtigkeit spricht vom sogenannten „heightism“, also einer Diskriminierung aufgrund von Körpergröße.

Was ist also die Lösung? Die Lösung kann sein, dass sie keinen von beiden trifft, oder beide gleichzeitig und exakt gleich viel Zuwendung beiden teil werden lässt, denn schon eine Reihung würde ja wieder eine der Personen diskriminieren. Die einzige realistisch gangbare Möglichkeit ist also für die Frau, zuhause zu bleiben und sich sieben Katzen zuzulegen, denn jede Interaktion mit Menschen wird stets zu Diskriminierung führen.

https://www.fischundfleisch.com/iframe/text_body_inject/video/politik Der intellektuelle Ausweg aus diesem Dilemma, wenn auch nicht ganz sauber, ist sich auf das Wörtchen „ungerechtfertigt“ zu versteifen und zu argumentieren, dass man große Männer ruhig diskriminieren dürfte, weil so halt. Oder Kleine, je nachdem, wo die eigene Vorliebe eben ist und welche eigene Handlung man als gerechtfertigt darstellen möchte. Menschen sind da ja sehr flexibel.

Sehen wir uns aber einen anderen Aspekt an: die unveränderlichen Merkmale. Körpergröße ist weitgehend unveränderlich. Hautfarbe ist weitgehend unveränderlich.

Die politische Einstellung oder aber der Glaube ist aber alles andere als unveränderlich.

Wenn jemand ausgelacht wird, weil er sich öffentlich dazu bekennt, ein Fan der Twilight-Filme zu sein, dann ist das per Definition nicht Diskriminierung, weil seine Identität als Twilight-Fan, so wichtig diese der Person auch sein mag, durchaus veränderlich ist.

Das Gleiche gilt für Fans von Göttern, Führern und Propheten. Kritik an Ideologie, Glauben und Ansichten im Allgemeinen können, laut Textbuch, nicht wirklich Diskriminierung sein. Diskriminierung ist es erst dann, wenn glaubhaft gemacht werden kann, dass eine Person seine Ansicht niemals ändern könnte (Ob sie sich ändern will oder nicht ist dabei unerheblich, wichtig ist, ob eine Änderung theoretisch möglich wäre)

In der Realität werden aber Menschen jeden Tag aufgrund von unveränderlichen Merkmalen diskriminiert. Die Hässlichen werden nicht gedatet, die Langsamen werden bei Teamspielen nicht ins Team gewählt und die Doofen bekommen keinen Nobelpreis.

Keiner dieser Leute haut es auch ausgesucht hässlich, dumm oder langsam zu sein. Sie können nix dafür. Fakt ist aber, dass wir eben nicht gleichzeitig alle Menschen heiraten können, die uns heiraten wollen. Das ist kein Problem, das am Willen scheitert, sondern an Elementen unserer kausalen, realen, physikalischen Welt. Wir müssen uns aussuchen, mit wem wir spielen, Kinder bekommen oder arbeiten. Jeder priorisiert und dort, wo sich Prioritäten überschneiden, entstehen Interaktionen. Der Arbeitgeber etwa will möglichst nichts zahlen und der Arbeitnehmer möchte möglichst unendlich viel haben aber genau dort, wo sich die Bereitschaft trifft, entsteht eben Interaktion und diese wird begünstigt, wenn die Überschneidung besonders groß ist. Auf der Strecke bleiben also immer jene, die mit ihrem Gegenüber besonders kleine Überschneidungen haben.

Individuelle Diskriminierung ist also Teil der realen Welt. Ein Problem wird die Sache erst, wenn sie verordnet ist. Wenn der Staat etwa deklariert, dass Rothaarige nicht den Gehsteig benutzen dürfen, haben wir es mit einem Problem zu tun das gelöst werden muss. Wenn jemand aber rothaarige Frauen vor allen anderen bevorzugt, dann ist das kein Problem, das gelöst werden muss.

Das bedeutet:

Systematische Diskriminierung, also Behandlung aufgrund von Regeln, die der einfache Bürger befolgen muss, ist abzulehnen. Dazu gehören Konzepte wie die Apartheit oder Quotenregeln.

Individuelle Diskriminierung hingegen ist eine Gegebenheit, die schlicht nicht lösbar ist, weil wir eben Prioritäten setzen müssen und diese Prioritäten führen unweigerlich zu einer Reihung in der manche Personen, basierend auf unveränderlichen Merkmalen, weiter oben und andere weiter unten stehen.

Weil Menschen aber eben nicht alle das Gleiche mögen, der eine mag rote Haare und der andere nicht, gleicht sich das aus und Menschen mit spezifischen Merkmalen finden sich mit Menschen mit den dazu passenden Präferenzen zusammen. Deswegen leben Gruppen eben recht gern unter “Ihresgleichen”. Das ist natürlich, das ist gut.

Selbst in einer Welt, in der wir alle Klone wären, würden Menschen weiterhin den einen Klon einem anderen vorziehen. Das ist kein Problem, das ist Teil der Realität. Die Bergklone würden auf die Talklone schimpfen und umgekehrt. So ist die Welt eben.

Und das ist wie gesagt gut so, denn wäre es anders dann müsste der kritische Leser jedem Autor die gleiche Menge an Lob und Kritik entgegenbringen, anstatt es so zu tun, wie wir alles es tun: jene zu loben, die sagen was wir uns denken, und jene zu kritisieren, die uns widersprechen und damit unsere Unterschiedlichkeit zu betonen und zu feiern. Diese Unterschiedlichkeit ist gut, bereichernd und erhaltenswert.

Die Vision einer Welt ohne Präferenzen hingegen erscheint düster, grau und depressiv und nur etwas, dass Menschen vorschieben, um der Realität nicht ins Auge blicken zu müssen: der Grund für ihr Unglück liegt eben in 9 von 10 Fällen nicht an systematischer Diskriminierung, sondern an ihnen selber und an Dingen, die sie ändern könnten.

Ein Gastbeitrag von Adam Stirner. Er ist Historiker in Wien.


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