WDR gesteht “Lücken” bei der Berichterstattung ein – mediales Versagen wird relativiert

Offiziell spricht der WDR von „Lücken“ bei der eigenen Berichterstattung zum Unwetter in Nordrhein-Westfalen (NRW). Der Hauptsender in NRW verpasste es, zeitnah und damit unmittelbar zu informieren.

In einer E-Mail für den internen Gebrauch vom 16. Juli 2021 schrieb der WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn: „Einige Beobachtungen kann ich gut verstehen. Trotz aller Anstrengung hatte unser Angebot Lücken. Das ist bedauerlich, weil es einen Schatten auf die große Leistung wirft.“ Eine sehr verquere Formulierung.

Die Kritik am Sender empfindet Schönenborn als “teilweise maßlos“. „Immer wieder erstaunlich, was alles veröffentlicht wird ohne nachzufragen, ohne Fakten zu checken. Wir müssen auf den Teil der Kritik schauen, aus dem wir lernen können. Dabei helfen uns die Maßstäbe von richtig oder falsch nicht weiter.“

WDR-Schönenborn relativiert das Versagen. Die Verhältnisse stellen sich objektiv so dar: Eine schwurbelige Wahrnehmung der entstandenen Situation durch den Programmchef des WDR. Warum wurde das Programm nicht unterbrochen? Wie schwerfällig sind die internen Abläufe? Wer trägt die persönliche Verantwortung? Weshalb äußert sich in diesem schweren Versagen nicht der Intendant Tom Buhrow (Jahreseinkommen über 400.000 Euro)?

Weiter faselte Jörg Schönenborn, dass für ihn die „wichtigste Erkenntnis“ darin besteht, „dass bei aller Konzentration auf’s Digitale in einer Lage wie jetzt die Begleitung durch lineare Programme ein sehr starkes Bedürfnis ist, auch nachts. Aktuelle Nachrichten und Reportagen im Viertel- oder Halb-Stunden-Takt sind gut, aber zu wenig.“ Am Ende seiner Ausführungen wurde der WDR-Programmdirektor emotional: „Gestern hatte ich immer wieder Tränen in den Augen.

Die Tränen in den Augen haben ebenso die Angehörigen der 170 Verstorbenen sowie diejenigen, die ihre Existenz bzw. ihr “Hab und Gut” verloren haben.

Es bleibt am Ende festzustellen, dass die veröffentlichte Meinung über die Funktionsfähigkeit des Staates und seiner Behörden mit der tatsächlichen öffentlichen Meinung nicht übereinstimmt. In der Praxis versagen die Institutionen, so zum einen das Warnen über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und eben genau die Information durch den Westdeutschen Rundfunk.

Die Verantwortlichen zeigen sich regelmäßig überrascht von den Ereignissen. Deutschland erweist sich erneut als technologisch und medial nicht zukunftsfest.


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