Weltuntergangsglaube im Jahre 2022

Die Chance, dass mir ein Klavier aus heiterem Himmel auf den Kopf fällt, ist gering. Die mathematische Wahrscheinlichkeit liegt nicht bei null Prozent, aber sie ist eben klein. Wenn ich den ganzen Tag ängstlich nach oben blicken und ständig einen Helm tragen würde, so würde mir ein anerkannter Psychologe vermutlich eine Neurose diagnostizieren. Diese Neurosen werden nicht selten medikamentös behandelt, vor allem dann, wenn die Handlungen, die man wegen der Neurose setzt, das Leben beeinträchtigen.

Wenn plötzlich eine ganze Horde von Menschen mit Helmen herumlaufen und jedem erzählen, dass das Klavier sie gleich erschlagen wird, sprechen wir von einer Massenneurose. Historische Beispiele wären Massenängste vor Hexen, Invasionen und so weiter. Ein bekanntes Beispiel ist das Hörspiel „Krieg der Welten“ in dem im Radio von einer Alien-Invasion berichtet wurde und dieses Hörspiel zu Massenpaniken führte. Es ist dabei egal, ob der Anlassfall mit einer realen Gefahr verbunden ist oder mit einer Erfindung -wenn die Reaktion unangemessen hoch ist, dann ist die Reaktion nicht gesund.

Im Fall einer Massenhysterie wird es zudem oftmals rasch gefährlich oder sogar brandgefährlich, wenn sich rund um die Neurose ein Glaubenssystem bildet.

In der aktuellen Situation sind etwa 50% der Menschen fest davon überzeugt, dass sie die Zielgruppe eines Virus sind, der unter 0,5% der Menschen nach einer Infektion tötet. Teile dieser Gruppe sind der felsenfesten Überzeugung, dass ein Virus der – tut man absolut gar nichts, noch immer nicht ein Prozent der Menschen tötet – uns alle ausrotten würde.

Egal wie oft man darauf verweist, dass die Slums in Indien noch immer überbevölkert sind, obwohl es dort keine Impfungen, keine Masken und kein Händewaschen gibt – sie bestehen darauf, dass das Ende nah ist, wäre da nicht die Regierung, die uns zu unserem Glück zwingt.

Sie verhalten sich damit genauso wie absolut alle anderen Weltuntergangssekten in der Geschichte der Menschheit: ängstlich, fanatisch, neurotisch und völlig entkoppelt von jeder Vernunft. Und Nichts wünscht sich der Guru mehr als solche Gläubigen: ängstlich, hörig und völlig davon überzeugt, dass alles was zwischen ihnen und dem Untergang steht, der Guru sei. Das einzige Problem für den Guru sind die Ungläubigen. Aber dafür gibt es ja bekanntlich Flamme und Schwert.

Die Religion ist in einem neuen Gewand zurück und sie hat die weltliche Macht in atemberaubender Geschwindigkeit übernommen. Kommt irgendjemand umhin das nicht als fürchterlich und beeindruckend zu gleich zu empfinden?

Ein Gastbeitrag von Adam Stirner. Er ist Historiker in Wien.


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