Wenn der ESC der bunten Botschaft den Mittelfinger zeigt

Ein hippelig umherspringender junger Mann in einem pinken, kurzärmeligen Blazer und einer knallblauen Hose. Umtanzt von einer Frau in einem überdimensionalen Finger-Kostüm, die abwechselnd Zeigefinger, Stinkefinger und Peace-Posen darstellt. Gesungen wird immer wieder: „I don’t feel hate. I just feel sorry.“

Das Lied, mit dem Jendrik stellvertretend für Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ antreten durfte (übrigens dank Ihrer GEZ-Beiträge), konnte zwar keinen europäischen Blumentopf gewinnen, versinnbildlicht dafür aber trefflich das Selbstbild heutiger Linker: Bunt sein wie ein Regenbogen, fröhlich wie ein Kindergeburtstag, gesegnet mit angeblich unendlicher Toleranz und geprägt von Mitgefühl, wo andere Hass empfinden. So stilisiert man sich gerne. Deutschlands Linke: fromm wie eine Nonne und humanistisch wie Voltaire. Wer’s glaubt…

Nun waren bei diesem Contest immer schon schräge, manchmal auch skurrile Vorstellungen dabei. Man kann also sagen, es war keinesfalls einmalig, dass sich hier jemand im Namen seines entsendenden Landes blamiert. Der ESC hat allerdings eine Gemeinsamkeit beispielsweise mit großen Sportveranstaltungen: Er übernimmt die Rolle einer „Visitenkarte“ für die jeweiligen Länder. Der ESC wird zudem – obwohl dafür nicht vorgesehen – durchaus auch als Plattform für politische Botschaften genutzt. Der portugiesische Beitrag “E depois do adeus” von 1974 soll angeblich sogar Revolutionen ins Rollen gebracht haben.

Die große Inszenierung, die europaweite Sichtbarkeit, der Vortrag im Namen des Landes, für das man am Ende Punkte „nach Hause“ holt (oder eben auch nicht). Man kann das für belanglos halten, wie man auch große Sportevents für belanglos halten kann. Kunst und Politik werden jedoch ebenso regelmäßig verbandelt wie Sport und Politik. Insofern stellt sich immer auch die Frage, ob Sänger deswegen entsendet werden, weil man sich von ihnen ein „politisches Statement“ verspricht. Hier stellt sich also ganz konkret die Frage: Hat sich der NDR in seinem intransparenten Auswahlverfahren für Jendrik entschieden, um mit „I don’t feel hate. I just feel sorry.“ eine Botschaft an Europa zu senden? Die Berliner Zeitung zitiert hierzu die NDR-ESC-Verantwortliche Alexandra Wolfslast, die nach dem Wettbewerb sagte:

„Das war ein perfekter Auftritt, eine in sich schlüssige Inszenierung mit einer wichtigen Botschaft. Dass Musik polarisiert und Geschmackssache ist, wussten wir auch. Trotz aller Enttäuschung – Jendrik hat seinen Traum vom ESC mit uns gelebt! Wir sind stolz auf ihn.“

Wir können also festhalten, dass es dem NDR mit der Auswahl des Songs um ein Statement, eine „wichtige Botschaft“, ging und man damit auch eine Polarisierung erwartete. Das eingangs erwähnte Selbstbild heutiger Linker wurde zur Botschaft an Europa erhoben. Von Deutschland geht kein Hass aus. Uns tut nur immer alles ganz schrecklich Leid.

Derweil mitten in Deutschland: Ein Land, dass zwischen links und rechts nicht mehr zur Ruhe kommt und in dem sich ein gegenseitiger Hass immer mehr hochschaukelt. Der Ausspruch „I don’t feel hate“ passt wenig zu einem Land, das sich im Selbsthass verzehrt und das in einer inneren Spaltung immer mehr polarisiert. Da hilft auch kein „I just feel sorry“.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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