„Wenn getroffene Hunde bellen“ – Zur umstrittenen Kampagne #GrünerMist

Dana Guth

Vertreter der Grünen sind recht eifrig, wenn es darum geht, dem politischen Gegner Attribute anzuhängen. Was nicht dem eigenen moralischen Eifer entspricht, wird schnell gebrandmarkt. Die Liste der moralischen Verurteilungen ist lang. Sie beginnt mit Begriffen wie sexistisch oder rassistisch, reicht weiter über Vokabeln wie homophob oder islamophob und vollendet sich in Worten wie „braun“, „rechts“, „nationalistisch“ und „rechtspopulistisch“… Sachlich untermauert werden die Vorwürfe regelmäßig nicht. Sie kommen aus der Hüfte geschossen und richten sich gegen alles, was die eigene grüne Vorstellungswelt in Frage stellt. 

Es ist ein Prinzip, das Edward Berneys, einer der Väter der Public Relations, bereits in den 1930er Jahren beschrieb: Klischees, Schlagworte oder Bilder sollen dafür sorgen, dass bestimmte Reaktionen entstehen. Bei der „Masse“ soll eine bestimmte Emotion ausgelöst werden. Auf dem Prinzip basiert nicht nur Produktwerbung, sondern auch politische Öffentlichkeitsarbeit. Tatsächlich beherrschen die Grünen dieses Handwerk auch recht gut. Umwelt, Klima, „Kampf gegen rechts“… Die Grünen emotionalisieren gekonnt, schaffen klare Feindbilder und teilen die Gesellschaft in Gut und Böse. Dass sie dies zeitgleich anderen vorwerfen, spielt dabei keine Rolle.

Nun richtet sich das Prinzip der Emotionalisierung jedoch einmal heftig gegen die Grünen. Eine Werbeagentur hat tausende Anti-Grün-Plakate in Städten aufgehängt.  Neben welken Sonnenblumen stehen Schlagworte wie „Klimasozialismus“ und „Wohlstandsvernichtung“.

(c) Screenshot Facebook Grüner Mist

So schlagworthaft und überzeichnend die Begriffe der Kampagne hier und dort sind: Offenbar wurde ein Nerv getroffen. Selbst die CDU, die den Grünen vor nicht allzu langer Zeit selbst sozialistisches Denken unterstellte, wirft sich plötzlich schützend vor die Grünen. Womöglich gehört sich das so unter potentiellen Koalitionspartnern.

Gleichzeitig wird versucht, unter keinen Umständen über die Begriffe der Kampagne zu reden. Stattdessen wird versucht, die Verantwortlichen der Kampagne zu suchen. Wenn sich ein „Kontakt nach rechts“ ausmachen lassen würde, könnten die Grünen darauf verweisen und die Kampagne mit den eigenen Kampfbegriffen bekämpfen. Schnell hieß es also: Die AfD steckt dahinter.

Die verantwortliche Agentur bekundet allerdings, keinen Auftrag von einer Partei zu haben und nennt keine „Hintermänner“. Ärgerlich für die Grünen, wäre es doch die einfachste Abwehr gegen die Kampagne gewesen, wenn sie am besten direkt von der AfD, Donald Trump oder Wladimir Putin käme. Nun stochert man verzweifelt im Dunkeln: Wen soll man beschimpfen, wenn nicht klar ist, wer hinter der Kampagne steckt? Die Antwort: Im Zweifel erst einmal die Agentur, die die Plakate verbreitet. So fordert gar ein grüner Minister aus Schleswig-Holstein, die verantwortliche Werbeagentur solle boykottiert werden, wenn sie nicht die Geldgeber der Werbekampagne nennt. Mit so einer Forderung unterstreichen die Grünen allerdings gleich mehrere Schlagworte, die die Kampagne gegen sie ins Feld führt.

Wer auch immer hinter der Kampagne steckt, kann sich angesichts solcher Reaktionen wohl genüsslich zurücklehnen. Es gilt die alte Volksweisheit, dass getroffene Hunde bellen. Je empfindlicher und getroffener die Grünen reagieren und je energischer sie fordern, die Urheber der Kampagne dingfest zu machen oder zu bestrafen, desto mehr wird über die Kampagne und die enthaltenen Vorwürfe gesprochen. Zwar wird mit dem Begriff „rechte Schmutzkampagne“ bereits ein Mitleidsgefühl gegenüber den Grünen erzeugt, aber die Plakate hängen und sie tun das, was Plakate immer tun: Mit Klischees, Schlagworten und Bildern Reaktionen erzeugen.

Eine gewisse Schadenfreude kann dabei durchaus aufkommen. Tatsächlich sind die Grünen der größte Gegner, den eine freiheitliche Politik in unserem Land derzeit hat – und das will bei der Politik von SPD und CDU durchaus etwas heißen. Keine Partei jedoch will mehr verbieten, bevormunden und drangsalieren als die Grünen. Keine Partei sitzt auf einem höheren moralischen Ross. Wenn die Grünen geglaubt haben sollten, ohne teils heftigen Widerstand ins Kanzleramt reiten zu können, haben sie sich jedoch offenbar getäuscht. Man kann die Kampagne gegen die Grünen also gemein oder überzeichnet finden, sollte dabei aber bedenken: Wer gegen den politischen Gegner derart heftig und überzeichnend austeilt, wie es die Grünen andauernd tun, der muss auch aushalten, wenn er selbst einmal unter harten Beschuss gerät.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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