Wenn man um den Regenbogen keinen Bogen mehr machen kann

Regen, der Sonnenstrahlen bricht, kann zu einem sehr schönen Ereignis führen: Dem des Regenbogens. Ein Schauspiel, zu dem Kinder wie Erwachsene gerne bewundernd aufblicken. Hört man heute „Regenbogen“, denkt man allerdings unweigerlich nicht mehr nur daran. Der Regenbogen wurde mit den Jahrzehnten zunehmend politisch und ist inzwischen ein Symbol der Macht. Was für Sozialisten einst die rote Fahne oder für Royalisten die Krone, ist für die Lobbygruppen, die sich um das Kürzel LSBTQI versammeln, heute der Regenbogen. Wer diesen Reigen um den Regenbogen unnötig oder übertrieben findet, läuft Gefahr, als homophob oder schlimmer zu gelten. Und so wird das Symbol besonders im sogenannten „Pride Month“ geradezu allgegenwärtig. Um sich als möglichst bunt und tolerant zu gerieren, werden Unternehmenslogos eingefärbt und Fahnenmaste umfunktioniert. Wie? Sie machen nicht mit? Sind Sie etwa intolerant? 

Vorsorglich, weil bei solchen Betrachtungen immer wieder ein Reflex aufkommt: Ich habe weder etwas gegen Homosexuelle noch gegen Menschen, die mit ihrem eigenen Geschlecht hadern. Menschen sind in der Gestaltung ihres Lebens frei. Punkt. Genauso frei ist aber auch jeder, sein Leben zu leben, ohne von ständigen Bekenntnissen „moralisch erzogen“ zu werden. Genau damit kommen wir zur Regenbogenthematik.

War die Regenbogenflagge in den Sechzigern ein Symbol der Friedensbewegung, wurde sie seit den Siebzigern zunehmend etabliert als ein Symbol der Schwul-Lesbischen-Bewegung. Inzwischen wird sie allgemein als Symbol der LGBTQI-Bewegung genutzt. Dabei hat sie sich allerdings verselbstständigt. Wer sich gerne in der eigenen Moral sonnt, für den sind die Regenbogenfarben der perfekte Bestätigungscode, zu zeigen, wie tolerant man ja ist. Es reicht nicht mehr, tolerant zu sein, man muss es aller Welt zeigen. Nicht auszudenken, wenn jemand auf den Gedanken käme, man sei nicht mindestens so tolerant wie die anderen Toleranten.

Ein solches Wettereifern um moralische Erhabenheit hat jedoch einen gravierenden Nachteil. Menschen, die auch ohne ein derartiges Zurschaustellen von Symbolen tolerant sind, laufen Gefahr, nicht mehr tolerant genug zu sein. Wieso hängt hier keine Regenbogenfahne? Sind Sie etwa intolerant?

Die gut gemeinte Absicht, gegen die Diskriminierung von Menschen ein Zeichen zu setzen, verkehrt sich in einen ultimativen Anspruch auf Applaus und Anerkennung. Sie fängt an, den Betrachter erziehen zu wollen. Gerade das trägt jedoch in sich wieder einmal die Gefahr gesellschaftlicher Spaltung. Man darf leben, ohne sich belehren zu lassen, was man zu denken hat. Man kann tolerant sein, ohne sich zu Bekenntnissen verpflichtet zu fühlen. Und wo bereits ein vermisstes Bekenntnis zum Vorwurf der Intoleranz führt, da wird der (Regen-) Bogen überspannt.

Ein Gastbeitrag von Dana Guth. Sie ist Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags für die LKR.


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