Werte-Union steht vor der Spaltung

Foto-Quelle: Screenshot Homepage WerteUnion

Gestern wurde Prof. Dr. Max Otte zum neuen Bundesvorsitzenden der Werte-Union gewählt. Der streitbare Ökonom erhielt auf der Wahlversammlung in Fulda 115 von 223 Stimmen und setzte sich damit gegen die Finanzbeamtin Juliane Ried aus Bayern durch, die 103 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Ebenfalls zur Wahl gestellt hatte sich auch Eugen Radtke, der fünf Stimmen bekam.

Das Zustimmungsergebnis von gerade einmal etwas mehr als 50 Prozent der Anwesenden ist wenig schmeichelhaft für den Tausendsassa Otte und zeigt nicht nur die Zerrissenheit in der Werte-Union in dieser Personalfrage, sondern lässt auch erahnen, welchen steinigen Weg die etwa 4.000 Mitglieder starke konservative CDU-Basisbewegung vor sich hat.

Und so gab es bereits kurz nach der Wahl Ottes erste Kritik an dieser Personalentscheidung. Ganz offen wurde dem Ökonom gebetsmühlenartig vorgehalten, er habe eine AfD-nahe Vergangenheit, die dem Verband schaden und diesen auch gegenüber der CDU isolieren würde. Zumal sich die Werte-Union öffentlich gegen jegliche Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen habe. Otte solle daher den Weg für Neuwahlen frei machen. Einige Landesverbände drohten sogar damit, erst dann wieder in der Werte-Union mitzuarbeiten, wenn Otte den Bundesvorstand verlässt.

Wie tief die Ablehnung und das Misstrauen gegenüber dem neuen Vorsitzenden der konservativen Basisorganisation sitzt, wird an einem öffentlichen Facebook-Posting des bayerischen CSU-Mitglieds Thomas Jahn deutlich, der auf Facebook seinem Unmut Luft macht.

Der BLAULICHTBLOG veröffentlicht nachfolgend die Kritik in Gänze:

Wir fordern Max Otte und den heute neu gewählten Bundesvorstand der WerteUnion auf, zeitnah zurückzutreten und damit den Weg für eine einvernehmliche Lösung unter Einbeziehung aller Landesverbände freizumachen!

Mit Max Otte, der von 2018 bis 2021 im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung tätig war, ist leider eine völlige politische Neuausrichtung der WerteUnion verbunden, die mit unserem wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Gründungsmanifest nichts mehr zu tun haben wird.

Aufgrund der Wahl von Max Otte haben die bisherigen bayerischen Amtsinhaber und Kandidaten beschlossen, sich für kein Amt im Bundesvorstand mehr zur Verfügung zu stellen. Als Gründungsmitglied und stellvertretender Bundesvorsitzender habe ich heute daher mein Amt niedergelegt mich für eine Neuwahl nicht mehr zur Verfügung gestellt, ebenso wie meine Kollegen Alexander Opfolter im Amt des Beisitzers und Dr. Jörg Uhlig.

Die Mitglieder der Landesverbände Baden-Württemberg, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind Bayern gefolgt und haben ihre Kandidaten ebenfalls zurückgezogen und größtenteils die Tagung in Fulda so wie wir vorzeitig verlassen.

Dieser Schritt war vor folgendem Hintergrund leider unvermeidbar:

Als WerteUnion in Bayern hatten wir bereits im März 2021 mit Juliane Ried eine kompetente und langjährige Mitstreiterin als neue Bundesvorsitzende der WerteUnion nominiert. Juliane Ried hatte sich seitdem bundesweit in einer Vielzahl von Videokonferenzen vorgestellt. Darüber hinaus hatten wir auch Max Ottes Landesverband Nordrhein-Westfalen eine enge personelle Einbindung und Abstimmung angeboten.

Leider mussten wir feststellen, dass das faire und transparente Vorgehen Bayerns von Verbänden wie Nordrhein-Westfalen ausgenutzt wurde, um unsere Kandidatin Juliane Ried und die WerteUnion in Bayern zu diskreditieren und wenige Tage vor der Mitgliederversammlung in Fulda mit Max Otte einen nicht konsensfähigen Kandidaten zu präsentieren. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen ließ darüber hinaus bis zum Wahltag am 29.05.2021 nichts unversucht, diverse Mitglieder gegen Juliane Ried zu mobilisieren, um sich die Mehrheit in der Mitgliederversammlung zu sichern.

Max Otte selbst war bislang nur mit gegen die Grundsatzpositionen der WerteUnion gerichteten, widersprüchlichen politischen Aussagen in Erscheinung getreten, wie mit der absurden Forderung „Bitte erhöht meine Steuern!“ (siehe hier: https://jungefreiheit.de/…/bitte-erhoeht-meine-steuern).

Leider haben uns auch umgehend nach der Wahl von Otte Nachrichten aus mehreren Landesverbänden über zahlreiche Austritte erreicht.

Die Frage einer Spaltung oder Auflösung der WerteUnion liegt jetzt allein in der Hand von Max Otte und dem, unter mehr als ungewöhnlichen Umständen neu gewählten Bundesvorstand der WerteUnion. Als CSU-Mitglieder und Mitglieder der WerteUnion in Bayern appellieren wir an Max Otte und den neu gewählten Bundesvorstand:

Treten Sie so schnell wie möglich zurück und machen Sie den Weg für faire Neuwahlen, unter Einbeziehung aller Landesverbände frei. Die WerteUnion braucht dringend einen neuen, von einer Vielzahl von Mitgliedern akzeptierten Vorsitzenden! Das für die Zukunft unseres Landes unverzichtbare Projekt einer Erneuerung der Unionsparteien auf christlich-wertkonservativer und wirtschaftsliberaler Basis darf nicht durch die Egoismen einzelner geopfert werden!“

Quelle: Facebook-Posting Thomas Jahn

Der Werte-Union stehen also stürmische Zeiten ins Haus. Eine Spaltung ist wahrscheinlich, der damit zwangsläufig verbundene Abstieg in eine „bedeutungslosere Bedeutungslosigkeit“ ebenso. Mit Max Otte als Insolvenzverwalter.


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