WerteUnion wählt neuen Vorstand in Niedersachsen

Foto-Quelle: Screenshot Homepage WerteUnion

Eine alte politische Weisheit besagt, wer als Konservativer Erfolg haben will, muss in Niedersachsen Erfolg haben. Denn die dortigen Wählerinnen und Wähler gelten als Inbegriff des Strukturkonservatismus. Das bedeutet nicht, dass man besonders konservative Parteien wählt, sondern man wählt die Partei, die man schon immer gewählt hat. Das bekam etwa die AfD zu spüren, die 2017 mit einem weit unterdurchschnittlichen Wahlergebnis von 6,2 Prozent nur knapp in das Landesparlament in Hannover eingezogen war und deren Fraktion sich innerhalb von drei Jahren infolge interner Grabenkämpfe auflöste.

Auch die konservative Werteunion hatte es in Niedersachsen bisher nicht leicht. Obwohl mit Hinrich Robohm eine der treibenden Kräfte der Gründung der Werteunion von Anfang an dabei war, gelang es dem Verein hier nicht, innerhalb der CDU Fuß zu fassen. Robohm, der als Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der Werteunion fungierte, trat im September 2020 aus (und machte damit auch die Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein führungslos, da er diesen kommissarisch vorgestanden hatte). Der Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Stade, der im Nebenberuf Reporter der Wochenzeitung Junge Freiheit ist, hatte innerhalb der Werteunion einen konsequenten Abgrenzungskurs nach rechts propagiert und war als Autor der „Frankfurter Erklärung“ in Erscheinung getreten, mit der die WerteUnion eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen hatte. Es könne nicht folgenlos bleiben, dass diese Vereinbarung unterlaufen werde, hatte Robohm anlässlich seines Austritts erklärt und damit einigen Raum für Spekulationen gelassen.

Da gemeinsam mit Robohm auch der übrige Vorstand austrat, blieb die Werteunion in Niedersachsen führungslos. Schließlich übernahm der Bundesvorsitzende Alexander Mitsch selbst die kommissarische Leitung des Landesverbands bis zur Wahl eines neuen Vorstands. Im März 2020 hatte Mitsch allerdings überraschend erklärt, der Interessengruppe zukünftig nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung stehen zu wollen, da er sich mit der Mutterpartei nicht mehr identifizieren könne. Die Zukunft der Werteunion scheint seitdem, nicht nur in Niedersachsen, ungewiss.

Die Neuwahl des niedersächsischen Vorstands wurde nun jedoch am gestrigen Abend erfolgreich durchgeführt. Eine Doppelspitze soll zukünftig die Geschicke des Landesverbandes lenken. Gewählt wurden der Bad Pyrmonter Nuklearmediziner Wolfgang Bergter (60) sowie der Politikstudent Milo Rose (20) aus Vechta. Bergter gilt als harter Kritiker der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, ansonsten jedoch als politisch unbeschriebenes Blatt. Gleiches gilt für seinen Co-Vorsitzenden, der bisher lediglich im Studentenparlament seiner Universität für den Ring-Christlich-Demokratischer-Studenten in Erscheinung trat. Beide, Rose und Bergter, sind erst seit wenigen Jahren CDU-Mitglied. Ebenfalls in den Vorstand gewählt wurden Dietmar Pedersen und Stephan Schierhölter aus Osnabrück sowie Anne-Luise Delventhal aus Celle. Delventhal, die sich außerhalb der Politik kirchlich engagiert, ist dabei die einzige der Gewählten, die bereits im vorherigen Werteunion-Landesvorstand vertreten war.

Keines der neuen Vorstandsmitglieder verfügt über Mandate oder einen Vorstandssitz auf Landes- oder Bundesebene. Laut Informationen aus dem Umfeld des CDU-Landesvorstands, der sich bisher nicht offiziell zur Wahl des Werteunion-Vorstands äußerte, gelten alle Gewählten innerparteilich als “völlig isoliert”. Die Werteunion dürfte es in Niedersachsen sehr schwer haben, Akzente in der CDU zu setzen. Von einer dringend notwendigen Kurskorrektur einmal ganz zu schweigen.


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