Wirre Agitation gegen Schießanlage: “Offenbach Solidarisch!” blamiert sich mit Protestbrief

Im linksgrünen Milieu westdeutscher Großstädte scheint die Angst umzugehen. Allerdings fürchtet man sich nicht vor Ereignissen, die das Leben oder die Gesundheit der Angsthabenden wenigstens mit einer statistisch relevanten Wahrscheinlichkeit gefährden.

In Krefeld, Blaulichtblog berichtete, fürchtet man sich vor Kindern, die mit einer Art leistungsschwachem Laserpointer unter der Obhut von für die Kinder- und Jugendarbeit ausgebildeter Trainer für den Bruchteil einer Sekunde einen Lichtimpuls auf ein elektronisches Zielmedium senden. Weil dieses Lichtblinkmodul in einem Gehäuse steckt, das einem Luftgewehr nachempfunden ist, hyperventiliert man nun aus einem harmlosen und sicheren Freizeitvergnügen für Kinder eine Art paramilitärischen Waffendrill herbei. Da dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis diese so enorm besorgten Bürgern angesichts des Trends zu Amokfahrten mit Kraftfahrzeugen Autoscooter-Verbote auf dem Rummelplatz durchsetzen, schließlich werden hier in voller Absicht andere “Verkehrsteilnehmer” gerammt.

Doch “Krefeld” scheint, im Vergleich zu den irrationalen Ängsten, die Teile der Offenbacher Bevölkerung auszustehen hat, geradezu Kindergeburtstag zu sein. Dort entsteht doch tatsächlich gerade auf einer alten Industriebrache unter anderem eine hochmoderne Indoor-Schießanlage, auf der auch noch, Skandal aber auch, mit echten, scharfen Feuerwaffen geschossen werden soll!

Das kann das korrekt gesinnte Offenbacher Besorgtbürgertum natürlich nicht unwidersprochen hinnehmen. Kaum war der erste Angstschweiß getrocknet und die Schockstarre überwunden, griff man mutig zu Papier und Tinte.

So schreiben die besorgten Genossen von “Offenbach Solidarisch!”:

Uns macht dieser Plan große Sorgen und wir stellen diese Fragen:

Warum wurde diesem Anliegen still und leise zugestimmt? Haben die das entscheidenden Politiker*innen gehofft, dass es keiner merkt?
Überwog der Stolz, einen so erfolgreichen Unternehmer in der Stadt zu haben die Bedenken dagegen?
Braucht die Polizei ein solches Zentrum überhaupt, wo sie doch jetzt einen großen Neubau hat?
Wurden die möglichen Risiken für die Wohnbevölkerung rund um die Hassia-Fabrik bei der Genehmigung berücksichtigt?

Klar, nichts ist in Deutschland einfacher zu bekommen, als die Genehmigung zur Errichtung einer Indoor-Schießanlage. Da füllt man ein Formular aus, holt sich einen Stempel und kann loslegen. So, ungefähr, scheint das in der Vorstellung von Leuten abzulaufen, die vermutlich in einer hübsch sanierten städtischen Wohnung mit Mietpreisbindung in einem hippen Kiez wohnen. Und noch nie in die Verlegenheit kamen, in Deutschland eine Baugenehmigung wenigstens für eine Garage zu beantragen.

Nur ein hochkomplexes Bauvorhaben wie eine nach deutschen Sicherheitsstandards zu bauende Schießanlage, bei der alleine die Hochleistungs-Lüftungsanlage den Wert eines Einfamilienhauses übertreffen dürfte, da stimmen alle in die Genehmigung involvierten Stellen “still und leise” zu?

Im direkten Umfeld und in der Nähe der Hassia-Fabrik befindet sich ein Wohngebiet mit z.B. einem Kindergarten, einem Einkaufszentrum, einer Kirche und einer Moschee.
Es wird in dem Schießzentrum nicht nur geschossen, Straßenkampf und Verhaftungen geübt. Die dort Trainierenden müssen auch durch das Wohngebiet fahren und ihre Waffen transportieren. Das ist ein Risiko für die Bevölkerung.

Sowas aber auch. Menschen auf dem Weg zu Schießständen benutzen öffentliche Straßen! Wo kommen wir da hin, wenn jeder Sportschütze oder Jäger auf dem Weg zum Schießstand seine Waffe in einem verschlossenen Behältnis im von Dritten nicht einsehbaren Kofferraum auf Straßen transportiert?

Millionen oder wenigstens ein Dutzend schwer traumatisierte Offenbacher, nur weil in einem vorbeifahrenden Auto möglicherweise eine Waffe gesetzeskonform transportiert werden könnte. Wenn diese Unsitte des Waffentransport über öffentliche Straßen Schule macht, dann dürfen vielleicht auch bald Tanklastwagen voll beladen mit Benzin auf ihrem Weg zu den Tankstellen öffentliche Straßen benutzen. Zum Glück ist noch keiner auf diese verrückte Idee gekommen. Was da alles passieren könnte!

Das Stichwort Sportschütz*innen ist spätestens seit den Morden durch Rechtsextremisten an vielen Orten damit verbunden, dass die Täter als Sportschützen in Schützenvereinen aktiv waren. Wie wollen unsere Politiker*innen verhindern, dass die Mitgliedschaft in einem Sportschützenverein als Vorwand dient und solche gewaltbereiten Menschen mit ihren Waffen durch unsere Stadt fahren, um in der Hassia-Fabrik ihre Fähigkeiten zu verbessern?

Na klar, die Morde durch Rechtsextremisten an vielen Orten, bei denen die Täter Sportschützen waren! Die ganze, lange Liste. Angefangen von Hanau über Hanau bis Hanau. Um Hanau nicht zu vergessen! Einer von einer Million. Nach Offenbacher Maßstäben also gefühlt mindestens jeder Zweite. Und die wollen alle in die Hassia-Fabrik, um ihre Fähigkeiten zu verbessern, Menschen zu ermorden. Tief in der vom Bundesverwaltungsamt genehmigten Sportordnung des DSB wird sie sich sich schließlich verstecken, die Disziplin “Heimtückischer Kurzdistanz-Kopfschuss”, vermutlich irgendwo zwischen 2.53 und 2.59. Aus einer Entfernung von weniger als zwei Metern unschuldige Menschen zu erschießen, diese Fähigkeiten verbessert man natürlich nirgends besser, als auf einem behördlich abgenommenen Schießstand.

Eine solche kommerzielle Schießanlage ist in Offenbach fehl am Platz.

Der Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung muss Vorrang haben vor dem Profit eines Waffenhändlers.

Genau! Kein Kommerz in Offenbach! Offenbach braucht keine mittelständigen Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen und Gewerbesteuern zahlen. Offenbach, dieser antikapitalistische Hort der Ruhe und des Friedens! Vermutlich war es nur der Gedanke an eine im Bau befindliche Schießanlage, der Gewaltverbrecher im vergangenen Jahr zu 764 Körperverletzungen und 129 Fällen von Gewalt gegen Einsatzkräfte motiviert hat. Sonst wäre womöglich dieses Jahr der Vorstand von “Offenbach Solidarisch” stellvertretend für alle verängstigten Offenbacher*innen nach Oslo gefahren, um dort den Friedensnobelpreis in Empfang zu nehmen.

Wir fordern, die Planungen und Bauarbeiten sofort zu stoppen.

Logo, es ist ja auch nur ein vollkommen unwesentlicher Unterschied zwischen “Planung” und “Kurz vor Fertigstellung”. Die Schadensersatzforderungen in der Folge eines völlig willkürlich angeordneten Baustopps dürften sich ja auch nur in einem zweistelligen Millionenbereich bewegen. Peanuts für eine reiche Stadt wie Offenbach, in der man getrost auf Unternehmertum, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen verzichten kann.

Dieses Protestschreiben wird unterstützt vom Bündnis Bunt statt Braun Stadt und Kreis Offenbach, dem DGB Stadt und Kreisverband Offenbach, dem Heinrich-Heine-Club, der Offenbacher Friedensinitiative, Offenbach Solidarisch LOS und der Kreisvereinigung der VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Nur noch mal zur Erinnerung: Es geht um den Bau und den Betrieb einer kommerziellen Schießanlage, die von (behördlichen) Dienstwaffenträgern und Bürgern mit einer entsprechenden waffenrechtlichen Erlaubnis genutzt wird. Nicht um die Errichtung einer Adolf-Hitler-Gedenkstätte oder um die Aushebung einer SS-Panzerdivision. Wer von derart irrationalen Ängsten getrieben wird, der holt sich dann Verstärkung aus der eigenen Blase. Da müssen dann irgendwelche selbst ernannten “Antifaschistinnen und Antifaschisten” mit ins Boot geholt werden. Mitsamt dem “Heinrich-Heine-Club”, dessen Mitglieder*innen vermutlich nie die “Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen” gelesen haben, sonst würden sie sich nicht ausgerechnet vor Waffen in den Händen von mündigen Bürgern fürchten.

Für manche Offenbacher Vereine und Initiativen scheint es eine ziemlich abstruse Vorstellung zu sein, dass man bald über einen Ort verfügt, an dem i. d. R. nur regelmäßig behördlich auf ihre Zuverlässigkeit, persönlichen Eignung und neuerdings auch auf ihre Verfassungstreue überprüften Menschen verkehren, die über keinerlei Vorstrafen verfügen und die sonst höchstens durch ihre überdurchschnittliche Rechtstreue auffallen.

Gerade, diejenigen, die sich selbst für so bunt und solidarisch und tolerant wähnen und, sofern von den “Richtigen” verübt, jedes Verbrechen als tragischen Einzelfall schönreden, hetzen und diffamieren in übelster Weise gegen unbescholtene Bürger und pauschalisieren wegen tatsächlicher Einzelfälle.

Früher hieß es, Stadtluft mache frei. Heute scheint Offenbacher Stadtluft bei manchen eher völlig irrationale Ängste auszulösen.

Titelbild: Screenshot von https://offenbachsolidarisch.blackblogs.org/2021/06/23/protestschreiben-schiesszentrum/


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Über den Autor

Benedikt Krainz
Boomer, Sportschütze, Blogger, Hobby-Waffenlobby-Aktivist. Staatlich regelmäßig überprüft hinsichtlich Zuverlässigkeit, persönlicher Eignung und neuerdings Verfassungstreue.

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