Wirtschaftskrise in Deutschland – ist der Osten härter betroffen?

Der Deutsche Mittelstand steht in Deutschland vor dem Kollaps. Gas, Benzin, steigende Preise für Lebensmittel, es herrscht Krisenstimmung im Land. Das treibt die Menschen auf die Straßen, besonders im Osten, weil dort offenbar die Betroffenheit von den ökonomischen Entwicklungen großer ist als im Westen. Trifft es die Menschen im Osten also härter?

Rein ökonomisch kann man nicht sagen, dass der Osten dramatisch viel stärker betroffen ist von den aktuellen internationalen Entwicklungen aus dem Ukraine-Krieg oder den Gaspreissteigerungen. Die ökonomischen Fakten sprechen gegen eine stärkere Betroffenheit. Die Konjunktur ist in den östlichen Bundesländern stabiler als im Westen. Die ostdeutsche Produktion soll demnach dieses Jahr um 1,5 Prozent wachsen und somit etwas stärker als in Deutschland insgesamt. Im nächsten Jahr 2023 soll der erwartete Rückgang der Wirtschaftsleistung mit 0,1 Prozent im Osten schwächer ausfallen als bundesweit (minus 0,4 Prozent).

Anders als in der Corona-Krise ist jetzt vor allem die energieintensive Industrie berührt, und die ist vor allem im Westen stark vertreten. Im Osten ist die Wirtschaft tendenziell eher auf Dienstleistungen ausgerichtet, und das wirkt in der Krise dämpfend.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), sieht das anders. Seiner Meinung nach ist die aktuelle Preisentwicklung, nicht nur für Energie, für die Menschen in Ostdeutschland besonders bedrohlich. Die aktuellen Herausforderungen treffen den Osten somit mehr.

Die nachfolgenden Gründe sprechen laut der Partei „Die Linke“ für eine stärkere ostdeutsche Betroffenheit: Löhne und Alterseinkommen sind im Osten circa 20 Prozent niedriger. Energiepreise seien durch höhere Netzentgelte vielfach teurer. Weil viele Menschen auf dem Land wohnen, schlügen Spritpreise stärker zu Buche. Betriebe im Osten hätten oft weniger Rücklagen und Eigenkapital. Auch private Vermögen seien geringer. Der Osten sei auch traditionell abhängiger von russischem Gas und russischem Öl.

Wirtschaftsforscher sehen eine tiefe Energiekrise und die Gefahr einer Gasmangellage. Krisen wecken bei Ostdeutschen böse Erinnerungen an wirtschaftliche Brüche und Massenarbeitslosigkeit.

Andererseits ist Ostdeutschland auch näher an einer Lösung. Die Energiewende ist vielerorts weiter. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg könnten sich bereits heute rechnerisch zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. In Thüringen und Sachsen-Anhalt liegen die Anteile weit über dem Bundesdurchschnitt. Die Krise könne dazu beitragen, dass der Ausbau noch attraktiver werde. Ostdeutschland hat daher ein großes Potenzial, weil die Bevölkerungsdichte geringer ist. Aus demselben Grund zog der Osten zuletzt große Investitionen an, etwa Intel in Magdeburg und Tesla in Grünheide.


Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt BLAULICHTBLOG mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf
DE60 2905 0101 0082 9837 19 (BIC: SBREDE22XXX), Empfänger: BREPRESS UG,
Verw.-Zweck: Spende Blaulichtblog. Vielen Dank!

Kommentar hinterlassen zu "Wirtschaftskrise in Deutschland – ist der Osten härter betroffen?"

Hinterlasse einen Kommentar