Zahl der Berufsausbildungen sinkt erstmals unter 500.000 – Politik hat die berufliche Bildung nicht im Blick

Die Welt beneidet Deutschland um sein „System der Dualen Berufsausbildung“. Gemeint ist das deutsche Erfolgsmodell, junge Menschen über eine Lernortkooperation zwischen Unternehmen und Berufsschulen eine qualifizierte Berufsausbildung zu Teil werden zu lassen. In der Folge wird die Jugendarbeitslosigkeit minimiert und den jungen Menschen eine Zukunftsperspektive gegeben. Die aktuellen Zahlen – auch bedingt durch die Corona-Pandemie – lassen aufhorchen.

Im Jahr 2020 haben nur 465.700 junge Leute in Deutschland einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 ergibt sich eine Lücke von 47.600 oder 9,3 Prozent weniger Auszubildenden. Seit 1977 ist dies der größte prozentuale Rückgang. In diesem Jahr wurden als erstes die Zahl der Ausbildungsverträge statistisch erfasst. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist damit erstmals unter 500.000 gefallen.

Die Branchen Gast- und Verkehrsgewerbe sind besonders betroffen. Offenbar wirkt hier die Pandemie extrem, da hier der „Leidensdruck“ im Lockdown am höchsten war.

Der Frauenanteil an den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen liegt bei 36,2 Prozent. 2010 wurde noch ein Wert von 41,8 Prozent festgestellt. Insgesamt schlossen im vergangenen Jahr 52.100 Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit einen Vertrag für eine Berufsausbildung ab. Dieser Wert sinkt um 12,6 Prozent im Vergleich zu 2019.

Teilweise boten manche Branchen auch weniger Ausbildungsplätze an. Dennoch fällt der Rückgang an Ausbildungsplatzbewerbern um 35.000 extrem auf. „Weniger Bewerber wegen Corona!“ So werden die Zahlen interpretiert.

Die jungen Menschen wurden im Lockdown weniger persönlich in Schulen und Jobagenturen beraten. Es fanden wenigen Ausbildungsmessen und Praktika statt. Die Sorgen um einen sicheren Ausbildungsplatz nehmen zu.

Das Streben vieler Eltern und damit auch der Schülerinnen und Schüler hin zum Abitur und einem anschließenden Studium nimmt dramatisch zu. Dieser Trend zeichnet sich seit Jahren ab.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland „pfeift aus dem sprichwörtlichen letzten Loch“. Die berufliche Bildung liegt zunehmend darnieder. Es fehlen die Fachkräfte an allen „Ecken und Enden“. Handwerker sind kaum noch zu finden, Termine zu vereinbaren dauert Monate. Auf Baustellen hört man häufig nur nichtdeutsche Sprachen. Pflegekräfte sind kaum zu finden – diese werden teilweise in Mexiko mit mehr oder minderem Erfolg angeworben.

Die berufliche Bildung in Deutschland hat die Politik nicht im Blick.  Sie verspielt damit den Wirtschaftsstandort Deutschland. Gut ausgebildete Menschen garantieren qualitativ hochwertige Produkte, die auf internationalen Märkten verkauft den Wohlstand Deutschlands sichern. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen.

Ein trauriges Bild, das der Ausbildungsmarkt 2021 abgibt.


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