Zu Ende gedacht: Grüne Waffenverbotsfantasien in der Praxis

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Die “Grünen” träumen davon, privaten Waffenbesitz komplett oder zumindest in weiten Teilen zu verbieten. Der entsprechende Passus steht in ihrem Wahlprogrammentwurf und ist klar und unmissverständlich formuliert:

Wir streben ein Ende des privaten Besitzes von tödlichen Schusswaffen an.

https://www.gruene.de/themen/innere-sicherheit

Einen Kommentar dazu habe ich bereits in dem Artikel Jäger, Sportschützen und andere Terroristen veröffentlicht.

An dieser Stelle soll nun der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen eine, hoffentlich hypothetische, Umsetzung der grünen Waffenverbotsfantasien in die Realität hätte. Dazu müssten die Grünen bei der kommenden Bundestagswahl ein überragendes Ergebnis erzielen und dürften nicht zu viel von der SPD und der Linkspartei kannibalisieren, damit es für “Grün-Rot-Rot” reichen würde. Nach erfolgreichem Durchlaufen des Gesetzgebungsverfahrens würde das “Waffenbesitzverbotsgesetz” dann zu einem bestimmten Zeitpunkt in Kraft treten. Die sich auf verschiedenen Ebenen entwickelnden Auswirkungen für die direkt und auch indirekt von diesem Waffenverbotsgesetz Betroffenen wären erheblich:

Die Waffen
Nach Widerruf der Besitzerlaubnis bleiben den ehemaligen Erlaubnisinhabern nur die Möglichkeit der Überlassung an Berechtigte oder die Unbrauchbarmachung seiner Schusswaffen. “Berechtigte” sind dann nur noch die Inhaber einer Waffenhandelserlaubnis. Der “Verband deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler” (VDB) zählt nach eigenen Angaben ca. 1.300 Mitglieder. Bei einem tatsächlichen Totalverbot würden diesen wenigen Berechtigten dann eine Million Kunden mit fünfeinhalb Millionen Schusswaffen gegenüberstehen. Dieses gigantische Überangebot der zur Veräußerung Gezwungener und die begrenzten Lagermöglichkeiten und endlichen finanziellen Ressourcen der meisten Händler würden zu rasant ins bodenlose fallenden Preisen führen. Milliardenwerte würden zum Nachteil der ehemaligen Waffenbesitzer für weniger als “‘nen Appel und ein Ei” verramscht. Und das auch nur so lange, wie Händler noch ankaufen wollen bzw. können. Ein paar Exporteure würden das Geschäft ihres Lebens machen und Käufer im Ausland könnten sich über eine Vielzahl günstiger Gebrauchtwaffen aus Deutschland freuen. Die Alternative wäre die Unbrauchbarmachung, die im günstigsten Fall eine entschädigungslose Abgabe zur Verschrottung bedeutet.

Die (ehemaligen) Besitzer
Für die zur Veräußerung oder gar Verschrottung genötigten Waffenbesitzer bedeutet die Waffenabgabe einen mehr oder weniger vollständigen wirtschaftlichen Totalverlust. Sind die Waffen weg, verfügt man über mindestens einen leeren Waffenschrank, für den es keine Verwendung mehr gibt und der nach dem Zusammenbruch des Gebrauchtmarktes bestenfalls noch den Preis für Eisenschrott erzielt. Gleiches gilt für nicht verschossene Munition, mangels zahlender Abnehmer bleibt die ggf. kostenpflichtige Entsorgung. Bestenfalls ist die Austragung der Waffen aus der Waffenbesitzkarte kostenfrei, sonst kommen hier noch weitere Kosten auf den einstigen Waffenbesitzer zu.
Dazu gesellen sich die immateriellen Schäden: Für viele Sportschützen bedeutet die Abgabe der Feuerwaffen die Aufgabe des Hobbies. Das Schießen als Ausgleich zum Stress im Beruf, das Fachsimpeln mit Gleichgesinnten, die Wettkämpfe, soziale Teilhabe, Vereinsleben, große wie kleine sportliche Erfolge – alles verloren.
Auf die Pirsch gehen nun nur noch Berufsjäger auf Steuerzahlerkosten. Entsprechend lange dauert es in Zukunft, bis bei einem der jährlich fast 300.000 Wildunfälle in Deutschland ein Jäger an Ort und Stelle ist, um verletztes Wild von seinen Qualen zu erlösen.

Die Vereine
Abgesehen von den Vereinen, die nur Druckluftwaffendisziplinen anbieten, bedeutet ein Feuerwaffenverbot einen dramatischen Aderlass an Mitgliedern und damit massive Einnahmenverluste. Der Deutsche Schützenbund mit seinen 14.000 Vereinen verliert den Teil seiner Basis, der bisher dem Bedürfnisprinzip und damit de facto einem Vereinszwang unterlag. Fehlen die Feuerwaffenschützen, müssen die verbliebenen Druckluftschützen sämtliche Kosten alleine tragen, was steigende Beiträge zur Folge haben wird. Bestenfalls spart man sich die Kosten für die weitere Instandhaltung oder Standabnahmekosten der Feuerwaffenschießstände, die nun brach liegen und keine Einnahmen mehr generieren. Diese Spirale setzt sich fort, höhere Beiträge werden zu weniger zahlenden Mitgliedern führen, die wiederum die nahezu gleichen Kosten stemmen müssen, damit erhöht sich wieder der Beitrag und so weiter, und so fort. Bis keiner mehr da ist. Löst sich ein Verein auf, geht das Vermögen satzungsgemäß z. B. an die Kommune oder einen wohltätigen Zweck über. Schießstände, für die es keinen Bedarf gibt werden einem anderen Verwendungszweck zugeführt und sind damit unwiederbringlich verloren. Damit wäre, selbst wenn später eine andere Regierung das totale Waffenverbot zurücknimmt, ein Comeback des Schießsports mangels Trainingsmöglichkeiten nahezu unmöglich gemacht.

Die Innere Sicherheit
Zur Erinnerung nochmal kurz der Grund des totalen Waffenverbots, die große Sorge um die Innere Sicherheit, die die Grünen umtreibt:

(…) Dazu brauchen wir eine wirksame Sicherheitspolitik, die real vor Kriminalität und Terror schützt und den Bürgerrechten verpflichtet ist – und keine symbolischen oder populistischen Maßnahmen.

Einen statistischen Effekt würden die Umsetzung grüner Waffernverbotspläne immerhin erzielen: Spätestens im Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes gäbe es keine Tötungsdelikte mit Tatmittel “legal besessene, erlaubnispflichtige Feuerwaffe” mehr. Aber eben nur deshalb, weil man eines von sehr vielen möglichen Tatmitteln verboten und damit illegal gemacht hat. Da bereits ohne dieses Verbot der Anteil von Legalwaffen als Tatmittel bei Tötungsdelikten im Promillebereich liegt, läge die Reduktion in absoluten Zahlen praktisch bei null. Denn es wäre extrem weltfremd anzunehmen, dass ausschließlich die Gruppe der (ehemaligen) Besitzer legaler Waffen ausschließlich damit töten können, während alle anderen das komplette Spektrum möglicher Tötungswerkzeuge nutzen.

Dramatischer auf die “Innere Sicherheit” dürften sich die “Verluste” an Waffen und Munition bemerkbar machen, die nach einem beschlossenen Verbot zu erwarten sind. Dem Misstrauensbeweis gegenüber den eigenen Bürgern werden manche dieser Bürger nun gerne bestätigen. Da sich das Damoklesschwert “Verlust der Zuverlässigkeit” ohnehin mit einem Waffenverbot in Luft auflöst und die waffenrechtlichen Erlaubnisse entzogen werden, hat man ja nichts zu verlieren. Die Waffen sind hinterher weg. So oder so weg. Nur findet eben ein Teil der Waffen den Weg in die Illegalität und damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie für ein Verbrechen missbraucht wird, um den Faktor 20.

Sind dann die Sportschützen und Jäger endlich entwaffnet, geht der Regierung natürlich auch der Sündenbock flöten, wenn trotzdem mit Schusswaffen getötet wird. Man kann nicht mehr in den Waffenrechts-Verschärfungsaktionismus verfallen, weil es nichts mehr zu verschärfen gibt. Natürlich wird man andere Ausreden finden. Soziale Kälte, Mobbing, Rassismus, alte weiße Männer, Klimawandel. Nur wird man sich natürlich nicht eingestehen, dass Mord und Totschlag nicht davon abhängig sind, ob ein bestimmtes Tatmittel zur Verfügung steht oder nicht, sondern dass es alleine am Täter und den Umständen liegt, ob es zu einem Tötungsdelikt kommt oder nicht.

Die Äußere Sicherheit
Niemand weiß, wie lange wir in Mitteleuropa noch den Luxus genießen können, von Freunden umgeben zu sein und eine Armee nur auf Sparflamme betreiben zu können. Viele Standorte wurden mitsamt den Standortschießanlagen aufgegeben, Schießstandkapazitäten abgebaut bzw. in Simulationsanlagen verlegt. Reservisten können nur im Rahmen weniger dienstlicher Veranstaltungen und mit langen Anfahrtswegen ihre Schießfertigkeiten trainieren.

Das Ende vom Lied
Eine Million Bürger würden de facto kalt enteignet, tausende Vereine mitsamt der Schießständen zerstört, Händler und Büchsenmacher in den Ruin getrieben und, gerade im ländlichen Bereich, das Angebot an Freizeitangeboten weiter ausgedünnt.

Und das alles, um aus rein ideologischen Gründen in der Kriminalitätsstatistik einen winzigen Posten auszumerzen. Mit genau den symbolischen und populistischen Maßnahmen, die weder wirksam noch geeignet sind, um real vor Terror und Kriminalität zu schützen, die dabei aber die Bürgerrechte kassieren, denen man angeblich so verpflichtet sei.

Sie befürchten noch weitere Konsequenzen, die nicht aufgeführt sind? Bitte schreiben Sie sie in die Kommentare!


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Über den Autor

Benedikt Krainz
Boomer, Sportschütze, Blogger, Hobby-Waffenlobby-Aktivist. Staatlich regelmäßig überprüft hinsichtlich Zuverlässigkeit, persönlicher Eignung und neuerdings Verfassungstreue.

1 Kommentar zu "Zu Ende gedacht: Grüne Waffenverbotsfantasien in der Praxis"

  1. Die Grüne Rechtfertigung für ihre Verbotsforderung führt letztlich in allen Bereichen zu Unfreiheit.

    Im Zusammenhang mit den Corona- und Klimamaßnahmen schreibt Michael Esfeld: „Dieser Mechanismus trifft die offene Gesellschaft ins Mark, weil man ein bekanntes Problem ausspielt, das der Externalitäten. […] Handlungen des einen einschliesslich der Verträge, die er eingeht, haben Auswirkungen auf Dritte, die ausserhalb dieser Beziehungen stehen, deren Freiheit zur Gestaltung ihres Lebens aber durch diese Handlungen beeinträchtigt wird. Das Problem ist, dass man die Externalitäten beliebig weit fassen kann.“

    https://www.nzz.ch/feuilleton/die-geschlossene-gesellschaft-und-ihre-neuen-freunde-warum-es-falsch-ist-die-gesundheit-hoeher-zu-gewichten-als-die-menschenwuerde-ld.1609287

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